An diesem Tag

Port Harcourt

Millionenstadt in Nigeria

Anúncio

Port Harcourt ist eine Stadt in Nigeria mit 3.325.000 Einwohnern (Stand 2022). Sie ist die Hauptstadt und gleichzeitig eine von 23 Local Government Areas des Bundesstaates Rivers. Sie gibt sich selbst den Namenszusatz „The Garden City“ („Die Gartenstadt“).

Port Harcourt liegt im Süden des Landes im Nigerdelta.

In Port Harcourt herrscht ein tropisches Monsunklima mit langen und heftigen Regenzeiten und sehr kurzen Trockenzeiten. Nur die Monate Dezember bis Februar gelten in der Stadt wirklich als Trockenzeit.

Port Harcourt wurde 1912 von Frederick Lugard, damals Gouverneur der noch unvereinigten Protektorate Nordnigeria und Südnigeria, gegründet, um die Kohle zu exportieren, die der Geologe Albert Ernest Kitson 1909 in Enugu entdeckt hatte.

Die alte Hafenstadt Calabar hätte sich zu diesem Zweck eher angedient (sie liegt sogar etwas näher an Enugu), wird von den Kohlevorkommen jedoch durch den breiten Cross River getrennt. Port Harcourt liegt dagegen auf einer durchgehenden Landzunge. Eine zukünftige Schienenverbindung würde also keine kostspieligen Brücken erfordern.

Die Kolonialregierung veranlasste die Bewohner von Diobu, ihr Land abzutreten, und 1912 wurde mit dem Bau einer Hafenstadt begonnen. Benannt wurde sie nach Lewis Vernon Harcourt, 1. Viscount Harcourt, dem britischen Staatssekretär für Kolonialwesen von 1910 bis 1915 und Vorgesetzten von Lugard.

Port Harcourt erhielt 1916 eine Eisenbahnverbindung nach Enugu. (Diese wurde 1926 über eine Fähre und 1934 durch eine Brücke über den Benue-Fluss mit dem restlichen nigerianischen Schienennetz verbunden.) Der Export von Kohle nahm anschließend schnell Fahrt auf. Hauptprodukte im Umschlag waren jedoch Erdnüsse und Palmöl.

Während des Ersten Weltkriegs wurde Port Harcourt als Ausgangspunkt für militärische Operationen gegen die Mittelmächte in Deutsch-Kamerun genutzt.

In den 1920er Jahren erschienen in Port Harcourt die ersten lokalen Zeitungen. Führend war dabei der Verleger Herbert Macauley. Er vertrat einen gemäßigten nigerianischen Nationalismus.

In der gleichen Zeit begann die Elder-Dempster-Gesellschaft in Liverpool, mit ihren Postdampfern MS Apapa und MS Accra einmal im Monat auch Port Harcourt anzulaufen. Auf diese Weise gelangten Briefe, Pakete, Zeitungen, Cargo, aber auch Kolonialoffiziere, Kolonialbeamte und Geschäftsreisende vom britischen Mutterland ins Nigerdelta, b.z.w. umgekehrt.

1926 versuchte der Gouverneur Graeme Thomson, im Südosten Nigerias, darunter Port Harcourt, eine Kopfsteuer einzuführen. Dies führte zu dem, was Nigerianer den „Frauenkrieg“ und die Briten „Aba Riots“ nennen. Diese Unruhen schlugen von der Nachbarstadt Aba auch auf Port Harcourt über. Mehrere Verwaltungsgebäude wurden vernichtet, über 50 Frauen starben durch die Hand der kolonialen Ordnungskräfte.

Nach der Entdeckung von Erdöl in Oloibiri im Jahr 1957 exportierte Port Harcourt 1958 die erste Schiffsladung aus Nigeria. Port Harcourt wurde zum Zentrum der nigerianischen Ölwirtschaft und profitierte in der Folgezeit von der Erdölindustrie, indem es modernisiert und urbanisiert wurde. Das Wachstum von Port Harcourt ist auch auf seine Position als Handelszentrum und wichtigste Industriestadt der ehemaligen Eastern Region, seine Lage im Nigerdelta und seine Bedeutung als Zentrum des sozialen und wirtschaftlichen Lebens im Rivers State zurückzuführen.

Nach der Abspaltung der Republik Biafra von Nigeria im Jahr 1967 (siehe Biafra-Krieg) fiel Port Harcourt bereits im Mai 1968 an die nigerianischen Streitkräfte. Dies hatte schwerwiegende Folgen für die neue Republik. Die nigerianische Regierung unter General Gowon griff in Ermangelung militärischer Erfolge zum Mittel der Handelsblockade gegen die aufständische Provinz, vor allem eben in Port Harcourt. Es kam zu einer humanitären Katastrophe. Millionen Menschen verhungerten, vor allem Flüchtlinge aus anderen Provinzen, die sich wegen ihrer ethnischen Wurzeln (Igbo, Ibibio) in Biafra sicher glaubten. Gleichzeitig stapelten sich die blockierten Lieferungen von Hilfsorganisationen im Hafen von Port Harcourt.

Im Jahr 1995 wurden unter dem Schreckensherrscher Sani Abacha der Schriftsteller und Bürgerrechtler Ken Saro-Wiwa und acht weitere Angeklagte in Port Harcourt hingerichtet, was international heftige Proteste auslöste. Nigeria wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Commonwealth of Nations ausgeschlossen (1999 nach Ende der Herrschaft von Diktator Sani Abacha dann wieder aufgenommen). Dieser Justizmord wird gerne als Beweis für angeblichen Neokolonialismus angeführt, da der absolut herrschende Abacha angeblich auf Geheiß des britisch-niederländischen Shell-Konzerns handelte. Weil aber das Denkmodell des Neokolonialismus von Einkaufskartellen ausgeht, die ehemalige Kolonien auch nach erlangter Unabhängigkeit „ausbeuten“, Nigeria aber seit 1971 Mitglied der OPEC ist (das mutmaßlich mächtigste Produzentenkartell der Geschichte), mag das Konzept „Neokolonialismus“ bei diesem Land nicht recht passen zu wollen.

Im Oktober 2023 zerstörte die nigerianische Marine eine illegale Ölraffinerie in Port Harcourt. Öldiebstahl durch „Anzapfung“ von Pipelines, unerlaubte Wiederinbetriebnahme stillgelegter Probebohrungen (wegen ihres kegelförmigen Aussehens „Christmas Trees“ genannt) sowie unfachmännische Raffinerien sind im Nigerdelta ein großes Problem. – Langkettige Bestandteile des Erdöls („Schweröl“) werden in einer regulären Raffinerie in kostspieligen Anlagen zu kurzkettigen Bestandteilen („Naphtha“) gecrackt. Diese können z. B. zu Treibstoffen gemischt werden. Illegale Raffinerien ersparen sich erfahrungsgemäß das teure und fachlich anspruchsvolle Cracken und leiten das Schweröl mit verheerenden Folgen für die Umwelt dort ab, wo es anfällt: in die Mangrovenwälder.

Im Dezember 2023 wurde die über Jahrzehnte herabgewirtschaftete und letztlich außer Betrieb befindliche Raffinerie von Port Harcourt nach jahrelanger Renovierung wieder in Betrieb genommen. Nigeria musste bislang die Endprodukte des heimischen Erdöls wie Treibstoffe, Polypropylen, Bitumen, Paraffin, Motoröl etc. aus den USA oder Europa wieder rückimportieren, was ökonomisch wenig sinnvoll ist und beim Hin- und Rücktransport über Tausende Seemeilen das unnötige Verbrennen zusätzlicher fossiler Brennstoffe erfordert. – Die Neueröffnung der staatlichen Port Harcourt-Raffinerie geschah beinahe gleichzeitig mit der privaten und vollständig neuen Dangote-Raffinerie nahe Lagos. Beide verfügen über mehrere Cracking-Anlagen. 3.000 dauerhafte Arbeitsplätze wurden geschaffen.

Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration laut UN

Die Stadt hat einen für die Region bedeutenden Überseehafen und ist das Zentrum der nigerianischen Ölwirtschaft.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Port Harcourt | World in Stories