An diesem Tag

Polizeitruppe der Kolonie Togo

Militärischer Verband in der deutschen Kolonie Togo

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Die Polizeitruppe der Kolonie Togo (historisch auch: Kaiserliche Polizeitruppe für Togo) war eine teilweise aus afrikanischen Söldnern bestehende Formation, die das Deutsche Kaiserreich in der Kolonie Togo unterhielt. Im Unterschied zu den anderen deutschen Kolonien in Afrika bestand in Togo formal keine sogenannte Schutztruppe. Daher kam es zu einer Überschneidung von zivilen und militärischen Aufgaben, etwa in der gewaltsamen Unterwerfung der Bevölkerung oder bei der Verteidigung der Kolonie im Ersten Weltkrieg.

Als Reichskommissar Ernst Falkenthal ein Jahr nach der Gründung der Kolonie in Togo eintraf, trat auch ein Polizeisergeant seinen Dienst an. Falkenthal warb acht Afrikaner aus dem Volk der Hausa an, die unter dem Sergeanten Bilke den Ursprung einer Kolonialpolizei bildeten. Bilke starb jedoch bald darauf an einem Hitzschlag. Der Kommissar stellte daher einen Antrag auf Errichtung einer Polizeitruppe, der von Bismarck am 30. Oktober 1885 genehmigt wurde. Die Personalstärke wurde auf zwanzig Mitglieder, darunter der afrikanische Feldwebel Mollu, erhöht. Die Truppe unterstand ab 1886 dem Polizeimeister Julius von Piotrowski (1857–1894), zuvor Feldwebel im 2. Garde-Regiment zu Fuß. Nach dem Tod Piotrowskis übernahm der Kavallerie-Offizier Heinrich Klose (* 1864) die Führung der Polizeitruppe.

Der Stab der Polizeitruppe war bis 1897 an den Küstenorten Bagida und Sebe stationiert. Danach lag das Hauptlager mit Exerzierplatz in Lome, wo die Ausbildung der Neuzugänge erfolgte. Zu den ersten Aufgaben zählte die Sicherung des Sitzes der Kolonialverwaltung sowie der Straße nach Lome. Etwa ab 1890 wurden die Polizisten auch als Stationspersonal im Hinterland eingesetzt. Dazu wurde die Truppe auf 92 Mann verstärkt.

Herkunft und Rolle der Söldner

Der Zuwachs erfolgt anfangs zumeist über Anwerbungen von Söldnern aus dem heutigen Nigeria (Hausa) und Liberia (Kru und Vai). Teilweise waren ehemalige Sklaven unter den Neuzugängen, die ihren Kaufpreis vom Sold abgezogen bekamen. Später wurden zunehmend Rekruten von Ethnien in Togo aufgenommen, vor allem aus dem Norden der Kolonie. Ab 1910 wurde nur noch Togolesen als Polizisten eingestellt. Afrikanische Vermittler spielen bei der Anwerbung eine zentrale Rolle. Um genügend Rekruten ausfindig zu machen, bediente sich die deutsche Verwaltung auch der Hilfe ehemaliger Sklavenhändler.

Obwohl sie angeregt wurde, gab es nie eine formelle Schutztruppe für Togo. Dies wurde lange Zeit als Zeichen für die vergleichsweise unblutige Kolonisierung Togos verstanden. Die deutsche Kolonialpropaganda inszenierte die Polizeitruppe als Vorbild für koloniale Institutionen. Jedoch kam es auch in dieser Kolonie zu gewaltvollen Auseinandersetzungen, für deren Niederschlagung die Polizeitruppe eingesetzt wurde, die kein Abbild europäischer Polizeieinheiten war. Etwa ab dem Jahr 1900 war die Polizeitruppe in der Lage, in jeder Ansiedlung der Kolonie den Willen des Gouverneurs durchzusetzen. Formal blieb sie ein Vollzugsorgan der Zivilverwaltung. Eine unmittelbare Militarisierung erfolgt dann zum Beginn des Ersten Weltkriegs, da die Polizeitruppe die einzige – wenn auch nur schwach – bewaffnete Organisation im Schutzgebiet darstellte.

Im offiziellen Gefechtskalender der Polizeitruppe sind alleine für den Zeitraum von 1888 bis 1899 achtzehn militärische Auseinandersetzungen aufgelistet. Zu den größten gehört der Krieg gegen die Dagomba im Jahr 1896 unter der Führung von Oberleutnant von Massow. In der Schlacht bei Adibo kämpften rund 90 Polizeisoldaten gegen bis zu 6.000 Dagomba. Dabei starben vier Truppenangehörige, darunter der deutsche Polizeimeister Heitmann. Die gegnerischen Verluste lagen bei etwa 500. Vereinzelt arbeitete die kleine Polizeitruppe auch mit Soldaten der Nachbarkolonien zusammen, etwa während der deutsch-französischen Grenzexpedition von 1899.

Im August 1914 wurde Togo von den britischen und französischen Nachbarkolonien aus mehreren Richtungen angegriffen. Da in Togo nur wenige Hundert Deutsche lebten, konnte fast nur die Polizeitruppe Gegenwehr leisten. Die Hauptstadt Lome wurde kampflos geräumt und lediglich der Vormarsch der Angreifer zur transkontinentalen Funkstation Kamina im Landesinneren geringfügig verzögert. Um von dem Rückzug abzulenken, führten die Verteidiger einen Gegenangriff durch, bei dem 45 Polizisten in Gefangenschaft gerieten und der Polizeichef, Hauptmann Pfaehler, starb. Bei Chra kam es am 22. August 1914 zum größten Gefecht des Weltkrieges in Togo. Mangels Soldaten und Material konnten die Deutschen jedoch keinen anhaltenden Widerstand organisieren, so dass ihnen nur die Zerstörung der Funkstation blieb. Fünf Tage später wurde die Kolonie übergeben. Mit der vollständigen Besetzung der Kolonie Togo durch Frankreich und das Vereinigte Königreich hörte die Polizeitruppe Togo faktisch auf zu bestehen. Rechtlich endete ihre Geschichte mit der Annahme des Versailler Vertrags und dem Verzicht auf die Kolonien durch Deutschland im Jahr 1919.

Heinrich Klose führte um 1890 das preußische Exerzierreglement ein. Am 6. August 1894 wurde die Polizeitruppe für Togo neu organisiert, da sie bei Aufständen unabhängiger von der Marine sein sollte. Neben einem deutschen Unteroffizier wurden auch sechs Afrikaner in diesem Rang mit (untergeordneten) Führungsaufgaben betraut. Auch eine 20 Mitglieder zählende Musikkapelle wurde aus einheimischen Kräften gebildet. Ab 1908 galt bei der Erstverpflichtung eine fünfjährige Dienstzeit. 1910 wurde eine Reserve gebildet, die unter anderem aus ehrenvoll entlassenen Polizisten mit Wohnsitz in Togo bestand. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erreichte die Polizeitruppe eine Stärke von 569 Mann, darunter 9 Deutsche (nach anderen Quellen insgesamt 542 Mann). Um das Jahr 1913 kamen auf einen aktiven und regulären Polizeiangehörigen in Togo rund 1.700 Einheimische. Zum Vergleich: In der Kolonie Kamerun (ohne Neukamerun) kamen auf einen Kolonialsoldaten (Polizei- und Schutztruppe) nur rund 800 Einheimische, obwohl Kamerun deutlich mehr Einwohner hatte. Die Kontrolle über Togo erfolgte demnach mit vergleichsweise wenigen Ordnungskräften.

In den 1890er Jahren erfolgte eine Untergliederung der Polizeitruppe in Korporalschaften. Später, als die Truppe etwa 100 Mann umfasste, wurde eine Kompanie mit drei Zügen gebildet. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wuchs die Polizeitruppe schrittweise an, so dass sich im Sommer 1914 folgende Gliederung ergab:

Chef der Polizeitruppe: Leutnant von Rentzell

Stellvertreter: Assistent Gramatte

Exerziermeister: Polizeimeister Ottens

Gouvernementswache: Polizeimeister Wache

Polizisten der untersten Rangstufe erhielten im ersten Dienstjahr täglich 0,60 Mark (im zweiten Jahr: 0,75 Mark, im dritten Jahr: 1,00 Mark). Nach einer dreijährigen Dienstzeit gab es quartalsweise Zuschläge in Höhe von 2,50 bis 10,00 Mark. Der Sold eines Gefreiten betrug 1,25 Mark pro Tag sowie 1,50 Mark für einen Unteroffizier und 2,00 Mark für einen Feldwebel. Die Kosten für Verpflegung mussten die Polizisten selbst tragen. An Marsch- und Einsatztagen außerhalb der Stationen gab es dazu aber einen Zuschuss in Höhe von 0,25 Mark pro Tag. Neben dem eigentlichen Sold hatte der Warenaustausch für die Beziehung zwischen der deutschen Verwaltung und den afrikanischen Polizeisoldaten eine hohe Bedeutung. So erhielten die Polizeisoldaten durch die Verwaltung vielfältige Geschenke. Hierzu zählte etwa das Anrecht auf Beute oder auf Tauschwaren wie Tücher und Alkohol.

Ab der Reorganisation von 1894, bei der erstmals ein aktiver Offizier die Führung übernahm, hatte die Truppe folgende Polizeichefs:

Jeder einfache Polizeisoldat hatten zwei Patronentaschen mit je 40 Patronen sowie einen wasserdichten Brotbeutel aus Leinwand, eine Feldflasche sowie eine Decke.

Anfangs trugen die afrikanischen Mitglieder der Polizeitruppe weiße Matrosenkleidung mit roter Paspel. Dieser Anzug wurde durch einen dunkelblauen Uniformrock mit roter Einfassung und Achselklappen sowie preußischer Infanteriemütze mit Reichskokarde ersetzt. Die Zusammenstellung wurde wiederum vorübergehend abgelöst von einer blauen Bluse mit gelben Knöpfen und halblanger Biesenhose. Als Kopfbeckung wurde 1891 ein roter Fes mit blauer Troddel und weißem preußischem Adler (oder Reichsadler) eingeführt. Mit der Reorganisation von 1894 hielt schließlich eine Uniform in Khaki mit niedrigem Stehkragen sowie roten Achselstücken und Litzen Einzug. Nach der letzten Verfügung für Mannschaften von 1910 wurde der Fes durch eine khakifarbene Schirmmütze mit ponceaurotem Besatz und Kokarde ersetzt. Polizeimeister trugen auch Tropenhelme. Der Besatz am Hut der deutschen Offiziere war zuletzt gelb (bei Unteroffizieren rot), während ihre Ärmelaufschläge und Vorstöße ebenfalls aus ponceaurotem Tuch bestanden. Offiziere trugen die Achselstücke ihres jeweiligen Heimattruppenteils. Auffällig ist, dass die afrikanischen Mannschaften auf Fotos und Abbildungen in der Regel barfuß sind.

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