Polina Hryhoriwna Astachowa (ukrainisch Поліна Григорівна Астахова, russisch Полина Григорьевна Астахова, Polina Grigorjewna Astachowa; * 30. Oktober 1936 in Saporischschja, Sowjetunion; † 5. August 2005 in Kiew, Ukraine) war eine ukrainische Kunstturnerin und Trainerin, die für die Sowjetunion startete. Bei drei Olympischen Sommerspielen gewann sie zehn Medaillen, darunter fünf Goldmedaillen.
Kindheit und sportlicher Aufstieg
Während des Zweiten Weltkriegs verlor ihre Familie bei einem Bombenangriff ihr Haus in Donezk und lebte später in Tscherkessk und Sewerouralsk. Eine Tuberkuloseerkrankung beeinträchtigte zeitweise ihre Gehfähigkeit. Mit 13 Jahren begeisterte sie sich bei einem Wettkampf in Donezk für das Turnen. Sie besuchte das Sporttechnikum in Donezk und trainierte unter Wladimir Smirnow beim Verein Schachtar. Im Jahr 1954 bestritt sie ihre ersten sowjetischen Meisterschaften; 1955 wurde sie in die Nationalmannschaft aufgenommen. 1963 schloss sie ein Studium am Kiewer Institut für Körperkultur ab.
Bei den Olympischen Sommerspielen 1956 in Melbourne war Astachowa das jüngste Mitglied der sowjetischen Turnmannschaft und gewann die Goldmedaille im Mannschaftsmehrkampf und Bronze in den Mannschaftsübungen mit Handgeräten. Bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom gewann sie Gold mit der Mannschaft und am Stufenbarren, Silber am Boden und Bronze im Einzelmehrkampf. Bei den Olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio gewann sie Gold mit der Mannschaft und am Stufenbarren, Silber am Boden und Bronze im Einzelmehrkampf. Damit gewann sie bei allen drei Olympiateilnahmen Gold im Mannschaftsmehrkampf und verteidigte 1964 ihren Olympiasieg am Stufenbarren von 1960.
Astachowa wurde bei den Weltmeisterschaften im Jahr 1958 in Moskau und 1962 in Prag mit der sowjetischen Mannschaft Weltmeisterin. 1958 gewann sie überdies Bronze am Stufenbarren, 1966 in Dortmund Silber mit der Mannschaft. Sie erzielte zudem vier Europameistertitel: 1959 in Krakau am Boden und Stufenbarren sowie 1961 in Leipzig am Stufenbarren und Schwebebalken. Bei den Europameisterschaften 1961 gewann sie außerdem Silber im Einzelmehrkampf und am Boden. 1959 gewann sie den sowjetischen Mehrkampftitel und sicherte sich in den Jahren 1959, 1960, 1963 und 1965 jeweils den sowjetischen Pokal im Mehrkampf. Außerdem wurde sie 1959, 1960, 1963 und 1965 sowjetische Meisterin am Stufenbarren. Ihre Eleganz brachte ihr den Beinamen „Russische Birke“ ein; italienische Journalisten nannten sie während der Olympischen Spiele in Rom auch „Madonna“.
Trainerlaufbahn und spätere Jahre
Nach ihrer aktiven Laufbahn trainierte Astachowa ab 1972 die Turnauswahl der Ukrainischen SSR. Sie betreute außerdem die sowjetische Auswahl, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München und bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau jeweils Gold im Mannschaftsmehrkampf gewinnen konnten. Sie leitete die Turnmannschaft der unabhängigen Ukraine und war bis zum Jahr 1996 als Trainerin tätig.
Ihr wurde 1980 der Titel Verdiente Trainerin der Ukraine und 1986 der entsprechende sowjetische Ehrentitel verliehen. Im Jahr 2002 erhielt sie den Orden der Fürstin Olga dritter Klasse und wurde in die International Gymnastics Hall of Fame aufgenommen.
In ihren letzten Lebensjahren lebte Astachowa zurückgezogen in Kiew und litt an schwerem Asthma bronchiale. Angesichts der hohen Behandlungskosten war sie zum Verkauf von olympischen Medaillen gezwungen.
Astachowa starb am 5. August 2005 im Alter von 68 Jahren in Kiew und wurde auf dem dortigen Baikowe-Friedhof beigesetzt. 2006 wurde auf ihrem Grab ein Denkmal eingeweiht, dessen Finanzierung die ehemalige Olympiasiegerin Lilija Podkopajewa und deren damaliger Ehemann Tymofij Nahornyj unterstützten. Am 31. Oktober 2011 wurde am Sportpalast Schachtar in Donezk eine von Hennadij Hrybow geschaffene Gedenktafel für Astachowa angebracht.
Polina Astachowa in der International Gymnastics Hall of Fame (englisch)
Polina Astachowa in der Datenbank von World Gymnastics (englisch)
Polina Astachowa in der Datenbank von Olympedia.org (englisch)
Biografie und Wettkampfergebnisse auf gymn-forum.net (englisch)