Plowdiw [ˈpɫɔvdif] (gebräuchliche Transliteration Plovdiv, bulgarisch ; türkisch Filibe; griechisch Φιλιππούπολη (Filippoupoli) in älteren Publikationen auch im Deutschen: Philippopel) ist mit 347.851 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Bulgariens. Sie liegt in der Thrakischen Ebene an beiden Ufern der Mariza unweit der Rhodopen. Die Stadt ist das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Gemeinde und der Provinz sowie Sitz von zwei weiteren Gemeinden, Mariza und Rodopi. Des Weiteren hat die Bulgarisch-Orthodoxe Diözese von Plowdiw hier ihren Sitz. Plowdiw war eine der Kulturhauptstädte Europas 2019.
Plowdiw liegt in der Oberthrakischen Tiefebene an beiden Ufern der Mariza am Fuße der Rhodopen. Es umfasst die folgenden sechs Hügel (Tepe, aus dem Türkischen): Nebet Tepé, Dschambas Tepé, Taksim Tepé (diese drei Hügel liegen im Zentrum, ursprünglich wurde die antike Stadt auf ihnen gebaut), Sachat Tepé, Dschendem Tepé und Bunardschik. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts existierte noch ein weiterer Hügel, Markowo Tepé, der aber zerstört wurde. Die nächstgelegenen größeren Städte um Plowdiw sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Karlowo (58 km), Stara Sagora (90 km), Burgas (270 km), Swilengrad (140 km) bzw. Assenowgrad (19 km), Smoljan, Pasardschik (37 km) und Sofia (143 km).
Die Stadt trug in ihrer Geschichte folgende Namen: thrakisch Pulpudeva oder Eumolpia/Eumolpias; altgriechisch Φιλιππόπολις (Philippopolis)/Φιλιππούπολις (Philippoupolis) oder Philippopel nach dem Stadtgründer Philipp II.; lateinisch Trimontium, nach der Lage auf drei Hügeln; slawisch Pulden oder Pupulden; osmanisch Filibe.
Prähistorische Zeit und Antike
Die ältesten Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr.
Eine Siedlung des thrakischen Stammes der Bessi befand sich auf dem Hügel Nebet Tepe; ihr Name war Eumolpia oder Pulpudeva. Sie wurde 341 v. Chr. von Philipp II. von Makedonien, dem Vater Alexanders des Großen, erobert und unter dem Namen Philippopolis neu gegründet. Zu einem unbekannten Zeitpunkt geriet die Stadt dann wieder unter thrakische Herrschaft, ehe sie im Jahr 183 v. Chr. für kurze Zeit wieder unter die Kontrolle von Philipp V. kam. Danach wurde die Stadt wieder Residenzstadt thrakischer Könige.
Im Zusammenhang mit dem 3. Mithridatischen Krieg wurde die Stadt 72 v. Chr. von den Römern erobert und in die Provinz Macedonia eingegliedert. Die Stadt hieß nunmehr auch Trimontium (Drei-Hügel-Stadt). 46 n. Chr. wurde sie unter Claudius Teil der Provinz Thracia. Eine strategische Bedeutung erlangte die Stadt mit ihrer Lage an der wichtigen Römerstraße Via Militaris, die über die Balkanhalbinsel nach Byzantion führte. Im 2. und 3. Jahrhundert war der Ort die Hauptstadt der Provinz Thracia. Dies stellte den Höhepunkt der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung von Philippopolis dar. Die Römer bauten Straßen, öffentliche Gebäude, Tempel, ein Stadion und ein Theater. Die Stadtgrenze erstreckte sich nun über die drei Hügel hinaus.
Seit der Tetrarchie gehörte Philippopolis zum östlichen Teil des Imperiums. Am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. begann die byzantinische Periode der Stadtgeschichte. Der römische Kaiser Justinian der Große erneuerte die Stadt vollständig. Seit dem 4. Jahrhundert war Philippopolis Bischofsstadt; in den 1980er Jahren und erneut ab 2016 werden die Ruinen der Basilika ausgegraben.
Im 5. Jahrhundert besiedelten erstmals Slawen die Region, und die Stadt erhielt im 6. Jahrhundert den Namen Paldin, abgeleitet von dem thrakischen Namen Pulpudeva. Nach der Gründung des bulgarischen Staates im Jahr 681 nahm die Bedeutung der Stadt aufgrund ihrer Lage an der Grenze zwischen Byzanz und Bulgarien zu. Nach der Eroberung durch den Krum Khan im Jahr 812 gehörte die Stadt erstmals zu den bulgarischen Gebieten. Allerdings änderte sich die Zugehörigkeit in den folgenden Jahren mehrfach. Auch Simeon der Große (893–927), sein Nachfolger Peter (927–969) und Samuil (980–1014) eroberten den Ort mehrmals.
Nach der Gründung des zweiten Bulgarischen Reiches gehörte Thrakien insgesamt zum Bulgarischen Reich. Während der Regierung von Iwan Assen II. wurde Bulgarien zu einer Großmacht in Osteuropa. Während des Vierten Kreuzzuges im Jahr 1204 wurde das Gebiet durch die Kreuzritter erobert, die das damalige Paldin besetzten und an Rénier de Trith vergaben. Dabei war der Ort Ausgangspunkt von schweren Plünderungen in der Gegend. Ein Jahr später gelang es dem bulgarischen Zaren Kalojan nach der Schlacht von Adrianopel (1205), die Region zurückzuerobern.
1364 fiel Plowdiw unter osmanische Herrschaft und erhielt den Namen Filibe (abgeleitet vom griechischen Philippopolis). Die Stadt befand sich damit im Inneren des Osmanischen Reiches und verlor daher ihre strategische Bedeutung als Grenzstadt. Als Tor zum Orient entwickelte sie sich aber zu einem Handels- und Handwerkszentrum mit guten Verbindungen nach Konstantinopel und Thessaloniki einerseits sowie Wien und Leipzig andererseits. Da die Stadt keinerlei Bedrohung von außerhalb ausgesetzt war, wurden die Stadtmauern größtenteils abgerissen und neue Gebäude errichtet. Filibe entwickelte sich zu einer kosmopolitischen osmanischen Stadt. Die größten Bevölkerungsgruppen bildeten Bulgaren, Türken, Griechen, Armenier und Juden. Die Hügel wurden nicht mehr bebaut, aber um sie herum herrschte ein reges Handelsleben. Der damalige Markt zählte mehr als 1.100 Geschäfte. Seine Lage entspricht in etwa der der heutigen Einkaufszone.
Im 15. Jahrhundert tauchte erstmals der Name Plowdiw für die Stadt auf. Dieser lehnt sich wiederum an das frühere bulgarische Paldin (gelegentlich auch Puldin) an.
Plowdiw als Zentrum der Nationalen Wiedergeburt
Plowdiw wurde bis zum 19. Jahrhundert hinein zunehmend ein Zentrum der Nationalen Wiedergeburt. Es gab immer mehr wohlhabende Bulgaren, deren Bedeutung in der Gesellschaft zunahm. Durch ihre Handelsbeziehungen mit Russland und Europa waren diese Menschen offen gegenüber modernen politischen und kulturellen Einflüssen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte Plowdiw neben Istanbul, Thessaloniki und Edirne ein wichtiges Wirtschaftszentrum im europäischen Teil des osmanischen Reiches dar. Auf dem Landweg oder über den Fluss Mariza gelangten Waren bis zum Mittelmeer und von da aus in die ganze Welt. Im Jahr 1853 zählte die Stadt bereits 50.000 Einwohner. Die Plowdiwer Handwerker und Händler wurden immer wohlhabender und selbstbewusster, und die Bewohner strebten an, ihre Häuser immer prächtiger zu bauen.
Als Zentrum der Bulgarischen Aufklärung hatte Plowdiw eine führende Rolle im Kampf für eine unabhängige Bulgarische Kirche und gegen die Phanarioten. Am 25. Dezember 1859 wurde in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche (bulgarisch Sweta Bogorodiza) die gesamte Weihnachtsliturgie vom Metropoliten Paisij von Plowdiw in bulgarischer Sprache gehalten, was damit in ganz Bulgarien zum ersten Mal geschah. Am 12. März 1860 verkündeten Paisij, die Bürger und Priester aus Plowdiw und dem Umland offiziell in einer Messe die Trennung vom griechisch dominierten Ökumenischen Patriarchat und den Wunsch nach Selbstständigkeit. Es wurde ein Kirchenrat gegründet, der diesen Kampf vorantreiben sollte sowie eine Delegation mit der Aufgabe sich vor der osmanischen Regierung für eine unabhängige Kirche einzusetzen nach Konstantinopel gesandt. 1870 wurde diese Unabhängigkeit tatsächlich vom osmanischen Sultan Abdülaziz gewährt (siehe Ferman zur Errichtung des Bulgarischen Exarchats), und dadurch auch indirekt die bulgarische Nation als solche bestätigt. Vorher wurden die Bulgaren im Osmanischen Reich nur allgemein als Christen des Orthodoxen Millets bezeichnet.
Plowdiw spielte auch in der bulgarischen Bildung eine Vorreiterrolle. 1839 wurde in der Stadt eine der ersten bulgarischen Schulen errichtet. Die 1850 eröffnete die Klassenschule Kyrill und Method, die 1868 zu ein Realgymnasium anwuchs und die Grundlagen für eine moderne, weltliche Bildung der Bulgaren innerhalb des Osmanischen Reiches schuf. Am 11. Mai 1851 wurde dort zum ersten Mal das Fest der Slawenapostel und Patrone Europas Kyrill und Method gefeiert, ein Fest, das bis heute die Nationalfeier der kyrillischen Schrift und der bulgarischen Kultur darstellt.