An diesem Tag

Pius XI.

259. Papst der katholischen Kirche (1922-1939)

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Pius XI. (* 31. Mai 1857 in Desio, Lombardei, Kaisertum Österreich; † 10. Februar 1939 in Rom; bürgerlicher Name Achille Ambrogio Damiano Ratti) war von 1922 bis 1939 der 259. Papst. Pius XI. widmete sich nach Leo XIII. der Soziallehre und prägte diesen Begriff. In der Enzyklika Quadragesimo anno widmete er sich der Frage der Sozialbindung des Eigentums.

Achille Ratti war eines von sechs Kindern des Besitzers einer Seidenfabrik Francesco Antonio Ratti (1823–1881) und dessen Frau Teresa, geborene Galli-Cova (1832–1918).

Er studierte seit seinem zehnten Lebensjahr im Erzbischöflichen Seminar von Mailand und wurde von dem damaligen Erzbischof Luigi Nazari di Calabiana gefördert. Am 20. Dezember 1879 empfing er die Priesterweihe und wurde 1882 als dreifach promovierter Gelehrter (Dr. jur., Dr. theol. und Dr. phil.) zum Professor am Priesterseminar in Mailand berufen. 1888 wurde er Bibliothekar an der Biblioteca Ambrosiana in Mailand und im Jahr 1907 deren Präfekt.

Trotz seiner Beschäftigung als Bibliothekar war Ratti alles andere als ein Stubenhocker. Während seiner gesamten Zeit in Mailand war er ein aktiver Bergsteiger und unternahm zwischen 1885 und 1913 gut zwanzig große Touren; er stand unter anderem auf dem Mont Blanc, dem Matterhorn und der Dufourspitze. Letztere bestieg er im Juli 1889 auf der Route über die Ostflanke, die 1872 erstmals begangen worden war und zuvor als unbegehbar galt. Er gehörte zur ersten italienischen Seilschaft, die den 4634 Meter hohen Berggipfel bezwang und die Überquerung von Macugnaga nach Zermatt über das Zumsteinjoch bewältigte. Nach der Besteigung der Dufourspitze verbrachte er mit seinen Gefährten die Nacht auf dem Gipfel. Ratti verfasste eine nicht unbedeutende Zahl alpinistischer Schriften.

1911 wurde der Gelehrte von Papst Pius X. nach Rom berufen. Dort wurde er im Februar 1912 Vizepräfekt und am 1. September 1914 Präfekt der Vatikanischen Bibliothek.

Im Frühjahr 1918 ernannte ihn Papst Benedikt XV. (trotz fehlender diplomatischer Erfahrung) auf Initiative des Münchener Nuntius’ Eugenio Pacelli zum Apostolischen Visitator im Regentschaftskönigreich Polen, anschließend 1919 zum Apostolischen Nuntius in Warschau und Titularerzbischof von Naupactus. Seine Bischofsweihe erhielt er in Warschau durch den Erzbischof von Warschau, Aleksander Kakowski; Mitkonsekratoren waren Józef Sebastian Pelczar, Bischof von Przemyśl, und Stanisław Kazimierz Zdzitowiecki, Bischof von Włocławek. Als einziger akkreditierter Diplomat blieb der Nuntius in der polnischen Hauptstadt während der drohenden Belagerung durch die Rote Armee im Polnisch-Sowjetischen Krieg. Er gewann dadurch große Achtung unter Diplomaten und die Liebe der Polen. 1920 wurde Ratti zusätzlich päpstlicher Kommissar für die Abstimmungsgebiete Oberschlesien, Ostpreußen und Westpreußen. In dieser Funktion verärgerte seine Objektivität sowohl die deutsche als auch die polnische Seite, so dass er im Juni 1921 abberufen wurde, um Erzbischof von Mailand und kurz darauf Kardinal mit der Titelkirche Santi Silvestro e Martino ai Monti zu werden. Im Konsistorium vom 3. Juni 1921 kreierte Benedikt XV. drei neue Kardinäle, darunter Ratti. Benedikt sagte ihnen: „Nun, heute habe ich euch den roten Pileolus gegeben, aber bald wird er für einen von euch weiß sein.“

Nach dem überraschenden Tod Papst Benedikts XV. bereits ein halbes Jahr nach dem erwähnten Konsistorium wurde der Mailänder Kardinal am 6. Februar 1922 nach viertägigem Konklave im 14. Wahlgang zum Papst gewählt und am 12. Februar 1922 gekrönt. Im Konklave hatten sich, wie so oft im Kardinalskollegium in der jüngeren Papstgeschichte, fromme Eiferer („zelanti“, insbesondere Merry del Val) und eher diplomatische „Politiker“ („politicanti“, insbesondere Pietro Gasparri) gegenüber gestanden. Durch Indiskretionen hat die Kirchengeschichtsforschung von diesem Konklave genaue Aufzeichnungen zur Verfügung, wie auch über das Konklave von 1914. Im ersten Wahlgang am 3. Februar 1922, in dem Ratti überraschend bereits fünf Stimmen erhielt, hatten del Val 12, der als Modernisierer betrachtete Kardinal Pietro Maffi 10, Gasparri 8 und der dem konservativen Lager zugerechnete Patriarch von Venedig, Kardinal Pietro La Fontaine 4 Stimmen erhalten. Am zweiten Tag des Konklaves gingen die Anhänger der am ersten Tag führenden Kandidaten zu anderen Vertretern ihrer Richtung über. Die meisten Stimmen konnte jetzt La Fontaine auf sich vereinen, während die Anhänger Gasparris sich allmählich Ratti zuneigten. Aus dem Kreis um del Val wurde dann ein Angebot an Ratti gerichtet, seiner Wahl zuzustimmen, wenn er verspräche, Gasparri nicht im Amt des Kardinalstaatssekretärs zu belassen. Ratti lehnte ab und erklärte, im Falle seiner Wahl an Gasparri festzuhalten. Trotzdem war seine Kandidatur nicht mehr aufzuhalten und er wurde schließlich mit 42 von 53 Stimmen gewählt.

Mit seiner Antrittsenzyklika Ubi arcano Dei vom 23. Dezember 1922 verkündete der neue Papst sein Programm: pax christi in regno christi, der Friede Christi im Reich Christi. Er machte sich ausdrücklich die pastoralen und politischen Anliegen seiner beiden Vorgänger zu eigen (siehe Antimodernisteneid), verurteilte den „sozialen Modernismus“ und entwickelte positive Leitlinien für eine friedfertige Gesellschaftsordnung auf dem Fundament der katholischen Religion.

Pius XI. suchte einen Modus Vivendi mit Mussolini und Hitler. Bei seinen Verhandlungen waren ihm „Stellung und Besitz seiner Kirche ein besonderes Anliegen“. Beim Einsatz für Menschenrechte war er gegenüber den irdischen Machthabern oft in einem Dilemma: „Es war ein Abwägen von voraussichtlichem Nutzen und Schaden; eine ideale Lösung gab es nicht, es ging eher um die Wahl des ‚kleineren Übels‘.“

Unter Pius XI. gelang die Lösung der „Römischen Frage“ nach der Souveränität des Kirchenstaates. Am 11. Februar 1929 schloss er mit Benito Mussolini die Lateranverträge, durch welche die Vatikanstadt die Unabhängigkeit erlangte. Außerdem wurde in den Lateranverträgen der Katholizismus zur Staatsreligion erklärt (bis 1984), Religionsunterricht obligatorisch und antikirchliche Propaganda sowie die Anstellung abtrünniger Kleriker im öffentlichen Dienst Italiens verboten. Die Verhandlungen zu den Lateranverträgen gestalteten sich nicht einfach, oft drohte ein Scheitern. Immer wieder griff Pius XI. persönlich ein. Der passionierte Bergsteiger erklärte seinen Mitarbeitern: „Gratwanderungen dürfen uns nicht erschrecken.“ Als sich die Beziehungen zur faschistischen Regierung zunehmend verschlechterten, führte dies 1931 zur Veröffentlichung der Enzyklika Non abbiamo bisogno.

Insgesamt verfasste er 30 Enzykliken, unter anderem die Erziehungsenzyklika Divini illius magistri (1929), in der er Sexualerziehung und Koedukation als gefährlich bezeichnete und katholischen Religionsunterricht und katholische Schulen forderte. In der Sozialenzyklika Quadragesimo anno (1931) forderte er, beeinflusst vor allem von Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning SJ, zur allgemeinen sozialen Anwendung des Subsidiaritätsprinzips auf.

Unter den zahlreichen von ihm abgeschlossenen Konkordaten gelten die Lateranverträge und das Reichskonkordat mit dem Deutschen Reich (10. September 1933) als die bedeutendsten. Für Hitler war der Abschluss dieses Konkordats vorerst ein Erfolg, denn er erschien somit als „vertragswürdig“. Sobald die nationalsozialistische Regierung aber das im Konkordat Vereinbarte nicht einhielt, ging dieser Anschein von „Vertragswürdigkeit“ wieder verloren. In seiner Enzyklika von 1937 kritisierte Pius XI. genau diese Vertragsbrüche. Eine solche Kritik wäre ohne einen davor abgeschlossenen Vertrag nicht möglich gewesen. Somit war diese Enzyklika eine öffentliche Warnung davor, mit Hitlers Vertragstreue zu rechnen, und somit indirekt auch eine Warnung vor der bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegenüber Hitler praktizierten Appeasement-Politik.

Die 1937 erschienene Enzyklika Mit brennender Sorge (lateinisch Ardente cura) verurteilte die nationalsozialistische Ideologie und Konkordatsbrüche. Die Verfolgung der Juden und anderer Minderheiten wird darin jedoch nicht angesprochen, obwohl Edith Stein ihn bereits früh darauf hingewiesen hatte. Oft wird ihm und auch seinem Nachfolger Pius XII. vorgeworfen, sich nicht deutlicher gegen den Nationalsozialismus und insbesondere gegen die Judenverfolgung gewandt zu haben.

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