An diesem Tag

Pius IX.

255. Papst der katholischen Kirche

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Pius IX. (* 13. Mai 1792 in Senigallia (Kirchenstaat) als Giovanni Maria Mastai Ferretti; † 7. Februar 1878 in Rom, Königreich Italien) war von 1846 bis 1878 der 255. Papst. In sein Pontifikat – mit 31 Jahren und 8 Monaten das längste nachweisbare – fallen die Verkündung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das Erste Vatikanische Konzil mit der Propagierung des päpstlichen Jurisdiktionsprimats und der päpstlichen Unfehlbarkeit sowie der Verlust des Kirchenstaates an das Königreich Italien. Zum Zeitpunkt seiner Wahl noch ein progressiver, liberaler Reformer, wandelte er sich unter dem Eindruck des Revolutionsjahres 1848 radikal und war zum Schluss einer der konservativsten Päpste der Geschichte.

Im Jahr 2000 wurde Pius IX. von Johannes Paul II. selig gesprochen.

Giovanni Maria Mastai Ferretti stammte aus einer als fromm geltenden Adelsfamilie. Er war das neunte und letzte Kind des Grafen Girolamo Mastai Ferretti und dessen Ehefrau Caterina Solazi di Fano. Seine Geschwister waren die Brüder Gabriele (* 1781), Giuseppe (* 1782) und Gaetano (* 1783) sowie die Schwestern Maria Virginia (* 1785), Maria Teresia (* 1786), Maria Isabella (* 1787), Maria Tecla (* 1788) und Virginia Margherita (* 1790); Maria Virginia starb im Kleinkindalter. Giovanni Ferretti wurde am Tag seiner Geburt von dem Kanoniker Andrea Mastai, einem Bruder des Vaters, getauft. Dass im Taufbucheintrag keine Taufpaten genannt sind, sondern lediglich seine Hebamme Girolama Moroni als Taufzeugin eingetragen ist, lässt eine Nottaufe vermuten. Ob dies in einer zu frühen Geburt oder in einem besorgniserregenden Zustand des Neugeborenen begründet liegt, ist nicht bekannt. Eine Folge der Begleitumstände der Geburt war jedenfalls, dass Mutter Caterina ihren Sohn aus Dankbarkeit der Jungfrau Maria weihte. Mastai Ferretti selbst entwickelte vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter hinein eine tiefe Verehrung für die Gottesmutter. Seine wichtigste Bezugsperson wurde seine Amme Marianna Chiarini.

Nach Einschätzung des Biografen Hubert Wolf reagierte Mastai Ferretti auf die in seinem Adelsstand übliche distanzierte Erziehung durch seine Mutter im Erwachsenenalter mit einem gesteigerten Liebesbedürfnis und einer großen Abhängigkeit von seinem direkten Umfeld. Mastai Ferretti hielt sich häufig mit seiner Amme auf dem familiären Landgut Roncitelli auf und scheint laut Wolf auch in seinen ersten Lebensjahren als Kind über eine schwächliche Konstitution verfügt zu haben. Im Oktober 1797 fiel er auf dem Landgut Roncitelli in einen Brunnen, wurde ohnmächtig und wäre beinahe ertrunken. Später schrieb er seine Rettung der Gottesmutter Maria zu. Wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit kam das erste Mal seine Epilepsie zum Ausbruch, die später sein ganzes Leben prägte.

Ebenfalls im Jahr 1797 besetzten im Nachgang der Französischen Revolution französische Truppen Mastai Ferrettis Geburtsort Senigallia. Einerseits hatten die Franzosen auch bereits Rom besetzt und Papst Pius VI. entführt, andererseits fand er einige der anwesenden französischen Soldaten sympathisch und schloss Freundschaft mit dem Sohn eines Revolutionsanhängers der Stadt. Wolf zufolge begründete diese Freundschaft Mastai Ferrettis späteren Enthusiasmus für die französische Armee und speziell für Napoleon Bonaparte. In Senigallia änderte sich – im Gegensatz zu Frankreich – am religiösen Leben nichts. Am 2. Februar 1803 ging der junge Mastai Ferretti zur Ersten Heiligen Kommunion, wofür ihm seine Mutter ein Medaillon mit der Madonna della Speranza schenkte. Laut seinen Seligsprechungsakten soll er an diesem Tag das erste Mal den Berufswunsch verspürt haben, Priester zu werden. Ob dies historisch authentisch oder eine nachträgliche fromme Erfindung ist, ist zweifelhaft. Der junge Mastai Ferretti begegnete dem neu gewählten Papst Pius VII., als dieser am 21. und 22. Juni 1800 Senigallia besuchte und ihm die Familie Mastai Ferretti vorgestellt wurde.

Von Oktober 1803 bis Oktober 1809 besuchte der junge Mastai Ferretti auf Vorschlag seines Onkels Andrea Mastai Ferretti, der ihn auch getauft hatte, das Internat der Piaristen in Volterra. Die religiöse Formung der Schüler durch die Piaristen war von einer besonderen Marienverehrung geprägt. Der Journalist Carlo Falconi, der eine Jugendbiografie über den späteren Papst verfasste, nannte ihn zu dieser Zeit einen „glühenden Napoleonisten.“

Während seiner Schulzeit in Volterra wurde Mastai Ferretti von immer häufigeren und schlimmeren epileptischen Anfällen heimgesucht. Wie sein Heimatbischof Fabrizio Sceberras Testaferrata am 4. November 1818 an die Sakramentenkongregation schrieb, ereigneten sich die „Anfälle[n] in hoher Frequenz“. Auch nach den Anfällen sei Mastai Ferretti von gesundheitlichen Problemen heimgesucht worden. Ein Jahr vor Ende der schulischen Ausbildung musste er nach Senigallia zurückkehren.

Mastai Ferretti kam im Winter des Jahres 1809 über seinen an der Kurie tätigen Onkel Paolino nach Rom. Sein Romaufenthalt wurde unterschiedlich gedeutet. Was Mastai Ferretti in den folgenden Jahren genau tat, ist unbekannt. Versuche, in der französischen oder österreichischen Armee unterzukommen, scheiterten an Mastai Ferrettis Epilepsie.

In dieser Zeit war Mastai Ferretti in Giacinta Marcetti verliebt, die mit dem Grafen Francesco Milzetti verheiratet war. Die Verteidiger des späteren Papstes versuchten, die Liebesgeschichte herunterzuspielen. Yves Chiron räumte ein, dass sich der spätere Papst in den Jahren 1810 bis 1814 eher wie „ein weltlicher junger Mann aufführte als ein zukünftiger Priester.“ Zudem berichtete er Giacinta Marcetti in einem seiner Briefe von dem Versuch einer Mutter, ihn mit ihrer Tochter zu verkuppeln. Mastai Ferretti wusste zu dieser Zeit selber nicht, was beruflich aus ihm werden sollte.

Im Kampf um die Vorherrschaft zwischen weltlicher und kirchlicher Macht zwischen Napoleon Bonaparte und Papst Pius VII., in dessen Zusammenhang auch dieser entführt und verschleppt wurde, ging Pius VII. nach seiner Freilassung und Napoleons Abdankung 1814 als Sieger hervor. Dies brachte ihm als „Fels in der Brandung“ eine hohe moralische Autorität ein und lieferte nach Meinung von Hubert Wolf die Grundlage für das Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit für das spätere Pontifikat von Pius IX. Mastai Ferrettis Biografie dieser Zeit war von den Wirrungen auch direkt betroffen, als Papst Pius VII. auf seiner Rückreise aus Frankreich im Mai 1814 Station in Senigallia machte. Am Abend des 12. Mai suchte er den Palazzo Mastai auf und begegnete dort dem jungen Mastai Ferretti. Dieser entschloss sich mit einigen anderen jungen Männern, den Papst bei seinem Einzug in Rom zu begleiten. Während die „papale Hagiografie“ die Umstände als ein Zeichen göttlicher Vorsehung ansieht, war Hubert Wolf zufolge mit dem Entschluss Mastai Ferrettis zur Romreise noch gar nichts entschieden. Demzufolge ging es Mastai Ferretti eher darum, sich aus der Enge seines Geburtsortes zu befreien, wie er auch am 13. Juni 1814 an Giacinta schreibt.

Jedoch verlief die Romreise für Mastai Ferretti enttäuschend. Zwar konnte er über seinen Onkel Paolino Kontakte zu weiteren Adelsfamilien wie den Orsini, Colonna, Doria oder Piancini knüpfen, fand jedoch kaum Gelegenheiten zu weltlichen Zerstreuungen. Jedoch scheint er sich, wie sogar aus den Seligsprechungsakten hervorgeht, mit einer Frau namens Todora Valle Tota oder Antonia Tota verlobt zu haben.

Am 26. Februar 1815 ging Mastai Ferretti in das Ordenshaus der Passionisten der heiligen Johannes und Paulus und unterzog sich bis zum 12. März Exerzitien. Bei Beendigung der Exerzitien wurde Rom im Rahmen von Napoleons Herrschaft der Hundert Tage von den französischen Truppen unter Joachim Murat bedroht, was Pius VII. erneut zur Flucht zwang. In den Truppen des Feindes kämpfte auch Mastai Ferrettis Bruder Giuseppe mit, was Mastai Ferrettis Karriere – ob nun weltlich oder kirchlich – zunächst zu verhindern schien. Doch schuf die Rückkehr von Pius VII. sowie der Erfolg von dessen Kardinalstaatssekretär Ercole Consalvi beim Wiener Kongress nach den Koalitionskriegen neue Karrieremöglichkeiten. Im weltlichen Bereich fasste Mastai Ferretti eine Karriere bei der Päpstlichen Nobelgarde ins Auge, was aber an seiner Epilepsie scheiterte. Papst Pius VII. soll ihm diese Entscheidung in einer Privataudienz persönlich mitgeteilt haben. Im November 1815 kehrte Mastai Ferretti nach Senigallia zurück.

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