An diesem Tag

Pietro Bembo

Italienischer Humanist, Kardinal und Dichter

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Pietro Bembo und latinisiert Petrus Bembus (* 20. Mai 1470 in Venedig; † 18. Januar 1547 in Rom) war ein italienischer humanistischer Gelehrter, Dichter und Kardinal. Er war für seine meisterhafte Beherrschung der lateinischen Sprache bekannt, seine Zeitgenossen betrachteten seinen Stil als vorbildlich. Wegweisend war seine Theorie der italienischen Literatursprache. Sie trug dazu bei, dass der „Sprachenstreit“ um die Frage, welche Variante des Italienischen sich am besten als Literatursprache eigne, zugunsten des Toskanischen entschieden wurde.

Pietro Bembo stammte aus einer angesehenen Patrizierfamilie Venedigs. Sein Vater Bernardo Bembo (1433–1519) war humanistisch gebildet und ein Freund des Humanisten Marsilio Ficino; als Senator, Botschafter der Republik Venedig und Mitglied des Rats der Zehn gehörte er zu den führenden Politikern seiner Heimatstadt. Er verfügte über eine vorzügliche Bibliothek, die sein Sohn Pietro später erbte. Von Juli 1478 bis Mai 1480 lebte Pietro in Florenz, da sein Vater dort venezianischer Gesandter war. Dadurch kam er in Kontakt mit der florentinischen Mundart, die später sein Konzept der italienischen Schriftsprache prägen sollte. 1487–1488 hielt sich Bernardo wegen einer Gesandtschaft in Rom auf, und bei dieser Gelegenheit lernte der achtzehnjährige Pietro dieses Zentrum des Humanismus kennen. 1490 waren Vater und Sohn wieder in Venedig, und Pietro wurde in das dortige politische Leben eingeführt. 1491 trat er als Verfasser lateinischer Dichtung hervor. Im Frühjahr 1492 begab er sich nach Messina, um bei dem griechischen Gelehrten Konstantinos Laskaris die altgriechische Sprache zu erlernen. Dort begegnete er Cola Bruno, einem jungen Messiner, der sein lebenslanger Gefährte, Vertrauter und Sekretär wurde. Im Sommer 1494 kehrte er nach Venedig zurück. Im Herbst begab er sich zum Studium der Philosophie nach Padua, wo er bis 1495 blieb. 1496 erschien bei dem Venezianer Buchdrucker Aldo Manuzio Bembos erstes veröffentlichtes Werk De Aetna, ein als Dialog mit dem Vater gestalteter lateinischer Bericht über eine Besteigung des Ätna, die er 1493 bei seinem Aufenthalt auf Sizilien unternommen hatte.

1497 ging er zur Fortsetzung seines Philosophiestudiums nach Ferrara, wo sein Vater damals als Diplomat tätig war. Dort lernte er den Hof des Herzogs Ercole I. d’Este kennen, ein bedeutendes Zentrum des Humanismus. Der Herzog schätzte ihn und lud ihn ein, auf seinem Landsitz Belriguardo zu wohnen. In Ferrara schloss Bembo Freundschaft mit dem Höfling und Dichter Ercole Strozzi, dem Humanisten und späteren Kardinal Jacopo Sadoleto und dem Dichter Ludovico Ariosto. Im Jahr 1500 begann seine Liebesaffäre mit Maria Savorgnan, der Witwe eines Offiziers. Diese Erfahrung bot ihm Stoff für ein Werk, an dem er schon seit 1497 arbeitete: Gli Asolani („Die Asolaner“, deutsch gewöhnlich als „Asolaner Gespräche“ wiedergegeben), ein philosophischer Dialog über die Liebe. Rund 160 Briefe, die er an Maria schrieb und von ihr empfing, sind erhalten geblieben; auch private Briefe von Humanisten wurden damals als literarische Werke betrachtet und zur späteren Veröffentlichung aufbewahrt. In der Folgezeit hielt er sich teils in Ferrara, teils in Venedig auf. 1501 gab er bei Manuzio die Rime von Francesco Petrarca heraus, 1502 Dantes Divina commedia. 1502 lernte er in Ferrara Lucrezia Borgia kennen, die Tochter Papst Alexanders VI., die kurz zuvor, im Februar 1502, den Sohn des Herzogs Ercole, den künftigen Herzog Alfonso I. d’Este, geheiratet hatte. Durch die Liebesbeziehung zu ihr entstanden Briefe, die noch im 19. Jahrhundert die Bewunderung von Lord Byron erweckten. Im Dezember 1503 starb sein zwei Jahre jüngerer Bruder Carlo, worauf er Ferrara endgültig verließ und in seine Heimatstadt zurückkehrte; er war nun der einzige Erbe seines Vaters, da ein weiterer Bruder unehelich war.

Kirchliche Karriere unter Julius II. und Leo X.

Schon ab 1500 hatte sich Bembo vergeblich um Stellen und Aufträge im diplomatischen Dienst beworben; nach den wiederholten Fehlschlägen änderte er seine Lebensplanung und entschied sich für eine kirchliche Karriere.

Zunächst folgte er im September 1506 einer Einladung der Herzogin Elisabetta Gonzaga von Urbino, der Gemahlin des Herzogs Guidobaldo I. da Montefeltro. Fünf Jahre blieb er in Urbino. Der Wechsel von Venedig nach Urbino war für Bembos kirchliche Karriere sehr hilfreich, denn Herzog Guidobaldo war ein enger Verbündeter des seit 1503 amtierenden neuen Papstes Julius II. Hinzu kam, dass Julius’ Bündnispolitik sich gegen die Republik Venedig richtete, über die er das Interdikt verhängte; diesem Konflikt, in dem Venedig 1509 in der Schlacht von Agnadello eine schwere Niederlage erlitt, entging Bembo durch seinen Wohnsitzwechsel. Er gewann die Gunst des Kardinals Galeotto Franciotti della Rovere, eines Verwandten des Papstes, dessen Fürsprache ihm eine erste Pfründe verschaffte. 1511 übersiedelte Bembo nach Rom. Als am 19. März 1513 Leo X. aus dem Geschlecht der Medici zum Papst gekrönt wurde, öffnete sich für Bembo der Weg zu einer glänzenden Laufbahn. Noch im März ernannte Leo Bembo und dessen Freund Sadoleto zu Sekretären der Breven; das war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Papstes. Als Brevensekretär (italienisch segretario dei brevi) war Bembo für die Abfassung von Papsturkunden in lateinischer Sprache zuständig; dieses Amt verdankte er seinem Ruf als vorzüglicher Stilist.

1514 bemühte sich Leo X., eine antifranzösische Allianz zustande zu bringen. Um Venedig für dieses Vorhaben zu gewinnen, schickte er Bembo als außerordentlichen Gesandten in dessen Vaterstadt, doch blieb diese Mission erfolglos. In den folgenden Jahren entwickelte sich Bembo zu einem erfolgreichen „Pfründenjäger“; die päpstliche Gunst verschaffte ihm einträgliche Pfründen und damit finanzielle Unabhängigkeit, ohne dass er die mit der Zugehörigkeit zum geistlichen Stand verbundenen Gelübde ablegen musste. Zu seinen Förderern gehörten Giuliano di Lorenzo de’ Medici (ein jüngerer Bruder des Papstes) und der Kardinal Bernardo Dovizi da Bibbiena.

Im Frühjahr 1518 erkrankte Bembo schwer, und in den folgenden Jahren litt er trotz teilweiser Genesung unter erheblichen Gesundheitsproblemen; daher musste er im Frühjahr 1521 aus dem Dienst des Papstes ausscheiden. Damals hatte er bereits 27 Pfründen angesammelt, und Papst Leo X. gestattete ihm zum Dank für die geleisteten Dienste, die Pfründen wie Privatbesitz nach seinem Ermessen zu vererben. Der Tod Leos X. im Dezember 1521 war für ihn ein schwerer Schlag, denn von dem neuen, aus den Niederlanden stammenden Papst Hadrian VI. hatte er nichts zu erhoffen. Im Dezember 1522 sah er sich gezwungen, in den Johanniterorden einzutreten, um seine zum Ordensbesitz gehörenden einträglichen Pfründen behalten zu können. Damit war, obwohl er noch nicht Priester wurde, die bisher hinausgezögerte Ablegung der Profess (Ordensgelübde) verbunden. Darunter war das Gelübde der Keuschheit, das er jedoch nicht zu erfüllen gedachte, denn er hatte schon seit neun Jahren eine Geliebte, Ambrogina Faustina Morosina della Torre, und hielt an seiner Verbindung mit ihr fest. Morosina war im Jahre 1513, als sie Bembos Geliebte wurde, erst sechzehn Jahre alt und bereits verheiratet. Ihr Ehemann, über den sonst nichts bekannt ist, war 1532 noch am Leben, die Ehe wurde nie annulliert. Bembo hielt das Verhältnis nicht geheim, sondern lebte offen mit ihr wie mit einer Ehefrau. Mit Morosina hatte er drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, die 1523, 1525 und 1528 geboren wurden. Die beiden Söhne wurden vom Papst auf Bembos Wunsch legitimiert, also rechtlich ehelichen Kindern gleichgestellt. Damit war der Weg zur Vererbung von Besitz einschließlich Pfründen an die Kinder frei.

Diese Jahre, die Bembo fern von der Kurie verbrachte – meist hielt er sich in Padua auf –, waren eine Zeit intensiven literarischen Schaffens. In seiner Residenz in Padua sammelte er kostbare Kunstwerke, Antiquitäten, Bücher und Handschriften. 1530 übertrug ihm die Republik Venedig das Amt des Bibliothekars an der Biblioteca Nicena, der späteren Biblioteca Marciana, und ernannte ihn zu ihrem offiziellen Geschichtsschreiber mit dem Auftrag, die Zeitgeschichte ab 1487 darzustellen. Beide Tätigkeiten waren ehrenamtlich. Im Oktober 1530 bedankte sich Bembo bei Girolamo Fracastoro für das ihm gewidmete Lehrgedicht über die Syphilis. Auch schwere Schicksalsschläge – 1532 starb sein ältester Sohn, 1535 seine Gefährtin Morosina – minderten den Arbeitseifer des unermüdlichen Gelehrten nicht. Um 1537 verliebte er sich in Elisabetta Quirina, eine verheiratete Dame, deren Schönheit und Bildung berühmt war. Er sandte ihr Liebesbriefe und verfasste sechs Sonette, in denen er sie verherrlichte. Die tiefe Freundschaft mit Elisabetta wurde später von seiner Erhebung zum Kardinal nicht beeinträchtigt; sie blieb seine Vertraute.

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