An diesem Tag

Pierre de Fermat

Französischer Mathematiker und Jurist

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Pierre de Fermat [pjɛːʀ dəfɛʀˈma] (* in der zweiten Hälfte des Jahres 1607 in Beaumont-de-Lomagne, heute im Département Tarn-et-Garonne; † 12. Januar 1665 in Castres) war ein französischer Mathematiker und Jurist.

Als Geburtsdatum galt lange Zeit der 20. August 1601. Neuere Recherchen ergaben jedoch, dass Fermat Ende 1607 oder Anfang 1608 in Beaumont-de-Lomagne, einer 55 km nordwestlich von Toulouse gelegenen Bastide, geboren wurde. Der am 20. August 1601 in Beaumont-de-Lomagne getaufte „Piere (Pierre) Fermat“ war nämlich ein früh verstorbener Halbbruder gleichen Namens aus der ersten Ehe seines Vaters Dominique Fermat mit Françoise Cazeneuve, die 1603 verstarb. Sein Vater heiratete 1604 in zweiter Ehe Claire de Long, und (wahrscheinlich zwischen dem 30. Oktober und dem 6. Dezember) 1607 wurde der spätere Mathematiker Pierre Fermat geboren. Fermats Vater Dominique Fermat war ein erfolgreicher Großhändler mit ländlichen Produkten (Weizen, Wein und Vieh, auch Häute und Felle, jedoch kein Leder), der es durch großes Geschick zu erheblichem Wohlstand und hohem Ansehen gebracht hatte. Dreimal wurde er von den Bürgern Beaumonts für je ein Jahr zu einem der vier Konsuln gewählt, die die Stadt verwalteten (einen Bürgermeister gab es nicht). Seine zweite Heirat mit der adligen Hugenottin Claire de Long aus der Hugenottenhochburg Montauban spiegelte seinen inzwischen erreichten gesellschaftlichen Status wider.

Über Fermats Schulbildung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, aber plausible Annahmen. Seine ersten Grundschuljahre dürfte er in einer der drei Elementarschulen für Knaben von Beaumont verbracht haben. Dass er, wie immer wieder zu lesen ist, das Franziskaner-Kolleg in seiner Heimatstadt besuchte, ist kaum möglich, weil dieses collège erst im Jahre 1683 eröffnet wurde. Den Franziskanern, die seit 1516 in Beaumont einen kleinen Konvent unterhielten, war zudem das Unterrichten des Griechischen verboten. Eine andere, von Michael S. Mahoney vertretene, Variante ist, dass Fermat seine primäre und sekundäre Erziehung in dem (zehn Kilometer östlich von Beaumont gelegenen) von den Cordeliers (Franziskanern) betriebenen Kloster Grandselve erhalten habe. Doch Grandselve war ein Zisterzienserkloster und hatte 1281 zwar ein collège, das collège Saint Bernard, gegründet, aber in diesem wurden nur die Mönche des Ordens in Theologie unterrichtet.

Im Jahre 1615 starb Fermats Mutter Claire de Long, vermutlich im Wochenbett nach der Geburt ihrer Tochter Jeanne, die den Tod ihrer Mutter offenbar auch nicht überlebte. Fermat wurde daher mit nicht ganz acht Jahren Halbwaise.

Seine vielgerühmte klassische Bildung dürfte Fermat von 1617 bis 1623 in dem reformierten collège de Navarre im nahegelegenen Montauban erhalten haben. Dort lebte seine Großmutter mütterlicherseits, Bourguine de l’Hospital. Dieses collège hatte auch Samuel de Long, der Bruder seiner Mutter, während der letzten Jahre der Religionskriege besucht. Es nahm auch katholische Schüler auf.

Fermat studierte von 1623 bis 1626 Zivilrecht an der Universität Orléans und schloss dieses Studium im Juli 1626 mit dem baccalaureus iuris civilis ab. Aus dieser Studienzeit stammt auch seine lebenslange Freundschaft mit Pierre de Carcavi (auch Carcavy) (1606?–1684), der später für einige Jahre (1632–1636) sein Kollege am parlement de Toulouse wurde. Die Universität Orléans war eine alte und in ganz Europa berühmte Rechtsschule mit Universitätsrang, in der, als letzter, in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts noch der mos gallicus (der humanisme juridique) durch drei beachtliche Professoren gelehrt wurde: Raoul Fornier (1562–1627), Jérome L’Huillier († 1633) und Jehan Matthieu Le Grand († 1625). Studenten, die noch nicht volljährig waren (Fermat war zu Studienbeginn knapp 16), wurden im Hause eines dieser Gelehrten en tutelle aufgenommen und dort auch unterrichtet. Bei wem Fermat Aufnahme fand, ist nicht bekannt. Aber dass er dort den letzten Schliff seiner allseits bewunderten klassischen Bildung erhielt, ist mehr als nur eine Spekulation.

Im September 1626 bestimmte Dominique Fermat in seinem Testament seinen älteren Sohn Pierre zum Universalerben, wobei er darin für seinen jüngeren Sohn Clément (vermutlich 1631/32 an der Pest gestorben) eine Abfindung und für seine Töchter Louise und Marie eine Mitgift festlegte. Im Herbst desselben Jahres ließ sich Pierre Fermat, vermutlich auf Anraten des Mathematikers Jean Beaugrand (1584–1640), als Anwalt (avocat) am parlement de Bordeaux nieder, wo er bis Ende 1630 blieb. Im Juni 1626 hielt sich nämlich Ludwig XIII. mit seinem Hofstaat, in dem sich auch Jean Beaugrand befand, für eine Woche in Orléans auf, ehe er sich mit der gesamten Entourage per Schiff auf der Loire nach Nantes begab. Beaugrand hatte gute Beziehungen zu einem Kreis mathematisch interessierter Männer in Bordeaux (aus Fermats Korrespondenz sind die Namen Étienne d’Espagnet (d’Espaignet), François Philon und Pierre Prades bekannt) und dürfte Fermat eine Empfehlung an einen von ihnen, Etienne d’Espagnet, mitgegeben haben. D’Espagnet, ein junger conseiller am parlement de Bordeaux, hatte von seinem Vater Jean D’Espagnet, einem Freund François Viètes (1540–1603), eine allseits bewunderte wissenschaftliche Bibliothek geerbt, in der sich auch die damals sehr schwer erhältlichen Werke Vietas befanden. Hier begann die Karriere des 21-jährigen Fermat als Mathematiker, nachdem er Vieta sowie die antiken Mathematiker Euklid und Apollonios von Perge gründlich studiert hatte, mit seinen Arbeiten über Maxima und Minima und über Tangenten. Um die gleiche Zeit (1629) rekonstruierte er die beiden Bücher des Apollonios über die ebenen Örter (De locis planis). D’Espagnet und Fermat wurden Freunde fürs Leben.

Aufstieg in die Noblesse de Robe

Fermats Vater starb am 20. Juni 1628. Von diesem Augenblick an war Fermat ein reicher Mann. Um den Familienplan des Aufstiegs in die noblesse de robe zu erfüllen, musste er aber zunächst seine von einem königlichen Erlass geforderte vierjährige Praxis als Anwalt an einem der obersten Gerichtshöfe – eben in Bordeaux – absolvieren. Am 29. Dezember 1630 kaufte er für die enorme Summe von 43.500 Livres (ein Landarbeiter verdiente in einem Jahr etwa 100 Livres) das Amt eines conseiller au parlement de Toulouse et commissaire aux requêtes von der Witwe des an der Pest gestorbenen Amtsvorgängers Pierre de Carriere und wurde am 14. Mai 1631 hierin vereidigt. Damit wurde Fermat zugleich in den Amtsadel (noblesse de robe) erhoben, erhielt den Titel eines écuyer (Schildknappe, Junker) sowie das Recht, das de vor seinem Namen zu führen, wovon er selbst aber nie Gebrauch machte.

In diese Zeit fällt auch seine Heirat mit Louise de Long, Tochter des einflussreichen conseiller Clement de Long und Cousine vierten Grades mütterlicherseits, am 1. Juni 1631 in der Kapelle der prévôté der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse. Die Braut war noch sehr jung, geboren am 4. Juli 1615, und somit zur Zeit der Trauung noch nicht ganz 16 Jahre alt. Mit ihr hatte er acht Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten: Clément-Samuel, Jean, Claire, Catherine und Louise. Samuel (er benutzte selbst nur den bei den Hugenotten bevorzugten biblischen Namen seines Taufpaten) wurde ebenfalls Richter am parlement de Toulouse, Jean machte Karriere als Geistlicher und wurde archidiacre (Generalvikar) von Fimarcon, und Claire heiratete Michel de Melet, conseiller au parlement de Toulouse. Catherine und Louise traten in Toulouse in den Orden der Terzianerinnen des heiligen Franziskus ein.

Die chambre aux requêtes war die unterste Kammer des parlement und gehörte nicht zum eigentlichen cour. Die französischen parlements waren im Prinzip reine Appellationsgerichte, die in letzter Instanz entschieden, nachdem nachgeordnete Gerichte bereits geurteilt hatten. In Ausnahmefällen, vor allem, wenn hochgestellte Persönlichkeiten einen Zivilprozess anstrebten, konnte von diesem Prinzip abgewichen werden. Über die Zulassung (committimus) eines solchen Begehrens entschied die chambre aux requêtes und wies, bejahendenfalls, das Verfahren einer der beiden chambres des enquêtes zu. Sie ermöglichte nicht den Aufstieg in die höheren Kammern des parlement. Daher verkaufte Fermat dieses Amt am 4. Dezember 1637 an Pierre de Caumeil und erwarb das Amt des verstorbenen Pierre de Raynaldy am cour und wurde am 16. Januar 1638 darin registriert. Dieses Amt behielt er bis zu seinem Tod. Er war zuerst Mitglied der ersten der beiden chambres des enquêtes, in denen Zivilprozesse in letzter Instanz im schriftlichen Verfahren entschieden wurden. Der weitere Aufstieg in die chambre criminelle (la Tournelle) und in die Grand’Chambre (die politische Kammer) erfolgte dann nach dem Anciennitätsprinzip.

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