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Pierre Teilhard de Chardin

Französischer Jesuit, Theologe, Philosoph, Anthropologe, Geologe und Paläontologe

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Pierre Teilhard de Chardin [pjɛʁ tejaʁ də ʃaʁdɛ̃] () (* 1. Mai 1881 in Sarcenat bei Orcines unweit Clermont-Ferrand; † 10. April 1955 in New York) war ein französischer Jesuit, Paläontologe, Anthropologe und Philosoph. Er war Teilnehmer mehrerer Forschungsreisen nach Asien und Afrika und beteiligte sich in China an der Ausgrabung und Auswertung des Peking-Menschen. In seinem philosophischen Hauptwerk Der Mensch im Kosmos (Le Phénomène humain, 1955) unternahm er den Versuch einer Synthese von naturwissenschaftlicher Evolutionstheorie und christlicher Heilsgeschichte. Er sah die göttliche Schöpfung, den Kosmos, als evolutionären Prozess an, in dessen Verlauf sich Materie und Geist von Beginn an als zwei Zustände des einen „Weltenstoffes“ in wechselseitiger Beziehung gegenüberstünden, um schließlich im Omegapunkt Identität zu erlangen, indem sich die Materie im Menschen ihrer selbst bewusst wird.

Erst nach seinem Tod wurde das bis dahin größtenteils ungedruckte Gesamtwerk, das von der Kirche lange Zeit abgelehnt wurde, herausgegeben.

Teilhard de Chardin wurde am 1. Mai 1881 auf dem Landsitz Sarcenat in Orcines in der Auvergne nahe Clermont-Ferrand geboren. Er war das vierte von elf Kindern des Bibliothekars Emmanuel Teilhard de Chardin und Berthe-Adèle de Dompierre d‘Hornoys. Seine Eltern entstammten dem Landadel der Auvergnaten. Sein Vater widmete sich neben der Bewirtschaftung seiner Güter den Archiven von Clermont-Ferrand. Außerdem war er naturwissenschaftlich interessiert und erschloss seinen Kindern vielfältige Zugänge zur Natur. Seine Mutter, eine Ur-Großnichte von Voltaire, war sehr religiös. Die Verbindung des christlichen Weltbildes mit dem der Naturwissenschaften wurde Teilhards Lebensthema. Schon als Kind zeigte er ein starkes Interesse an Pflanzen und Steinen und legte entsprechende Sammlungen an.

Philosophisch-theologische Ausbildung und paläontologische Forschung (1892–1914)

Ab dem zwölften Lebensjahr besuchte Teilhard ein Jesuitenkolleg. 1899 trat er in Aix-en-Provence als Novize in den Jesuitenorden ein. Nach dem Noviziat und während des begonnenen Juvenats musste er wegen der Jesuitenverfolgung in Frankreich das Land verlassen und begann in einem Studienhaus auf der Kanalinsel Jersey mit einem Philosophiestudium. Daneben beschäftigte er sich mit Geologie und Fossilien.

Im August 1905 begann Teilhard im Jesuitenkolleg in Kairo eine dreijährige Lehrtätigkeit (Physik). Daneben unternahm er geologische Exkursionen nach Mokattam, Fayoum und Oberägypten. Ab Oktober 1908 studierte er Theologie in Ore Place bei Hastings im Südosten Englands. Nach dem Scholastikat wurde er am 24. August 1911 zum Priester geweiht. Von seinem Keuschheitsgelübde und der Zölibatsverpflichtung will er angeblich nie abgerückt sein. Beeinflusst von dem 1907 erschienenen Werk L’évolution créatrice von Henri Bergson, kristallisierte sich in mehreren Aufsätzen zu theologischen Themen seine spätere Weltsicht heraus. Hier reifte seine Erkenntnis, dass Geist und Materie nicht zwei einander entgegengesetzte Dinge, sondern zwei Zustände desselben kosmischen Substrats sind (Siehe auch Evolution und Schöpfung (Pierre Teilhard de Chardin)).

1912 verließ er England, um ein Volontariat bei dem französischen Geologen und Paläoanthropologen Marcellin Boule am Muséum national d’histoire naturelle in Paris zu absolvieren. Mit Abt Henri Breuil arbeitete er an der Ausgrabung der Höhle von Altamira in Nordspanien. Im August 1913 machte Teilhard Urlaub in Ore Place im Südosten Englands, betrieb mit Charles Dawson einige Nachforschungen und fand am 30. August einen affenartig aussehenden Eckzahn, der Abnutzungserscheinungen aufwies, wie sie für Menschen typisch sind. In der Folge war er mit Dawson ab 1913 in den Fund des Piltdown-Menschen im Süden Englands verwickelt, der sich später als Fälschung herausstellte. Teilhard bestritt jedoch stur und beharrlich, dass es sich bei dem Piltdown-Menschen um eine wissenschaftliche Fälschung handelte, und verstrickte sich bei Versuchen, den Verdacht der Mittäterschaft von sich abzulenken, in Widersprüche. In dieser Zeit fasste Teilhard den Entschluss, sich ganz der Erforschung des fossilen Lebens zu widmen. Seine Ordensoberen hatten nichts dagegen, da ihnen sein selbstständiges theologisches Denken missfiel. Als Vorbereitung absolvierte er in Paris ein Zusatzstudium in Paläontologie, der Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Erdzeitalter.

Frontsoldat im Ersten Weltkrieg

Im Dezember 1914 wurde Teilhard in die französische Armee eingezogen und umgehend an die Westfront geschickt, wo er bis Kriegsende blieb. Der Erste Weltkrieg, in dem Teilhard als Sanitätskorporal in einem marokkanischen Schützenregiment unter anderem bei der Schlacht um Verdun, der Zweiten Marneschlacht und den Schlachten um Ypern im Einsatz war, unterbrach seinen wissenschaftlichen Werdegang. In seinen Kriegstagebüchern brachte er seine Begeisterung für seinen Kriegseinsatz zum Ausdruck, der ihn anfangs glücklich machte und begeisterte, weil er in seiner Naivität glaubte mit seinem Einsatz an der Front einen Beitrag zum Fortschritt des Kosmos leisten zu können, als den er diesen Krieg interpretierte. Eine Beförderung zum Kaplan (Militärgeistlicher) im Hauptmannsrang lehnte er ab, um als Krankenträger Verwundete von den Schlachtfeldern holen zu können.

In den Kampfpausen begann er sich mit der Evolution auseinanderzusetzen und diese abzulehnen. 1916 verfasste er den Aufsatz Das kosmische Leben (enthalten in Frühe Schriften), in dem er kurz darauf hinweist, dass er Christus als Zentrum des Universums versteht. Er überlebte den Krieg unverletzt und wurde für seinen Mut und seinen Einsatz mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. Während dieser Zeit berichtet er von mehreren Christus-Visionen. Das beschrieb er in seiner autobiografischen Schrift Das Herz der Materie ausführlich. Die Bilder, die seine Visionen auslösten, bezogen sich hauptsächlich auf katholische Symbole: das Herz Jesu, die Monstranz, die Hostie usw.

Im Frühling 1918 schrieb er in intensivem Austausch mit seiner Cousine, der Philosophin Marguerite Teillard-Chambon, eine Hymne an Das Ewig Weibliche (ebenfalls enthalten in Frühe Schriften). Am 26. Mai 1918 legte Teilhard seine feierlichen Ordensgelübde ab, und im März 1919 wurde er aus dem Militärdienst entlassen. Für seine militärischen Verdienste wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und mit dem Croix de guerre und der Militärmedaille ausgezeichnet.

Erste Forschungsreisen und Konflikte mit der Kirche (1920–1926)

1920 bestand Teilhard an der Sorbonne die naturwissenschaftliche Diplomprüfung (Licence) und schrieb danach seine Dissertation über die Säugetiere des französischen unteren Eozäns. 1922 promovierte er zum Docteur ès sciences und erhielt anschließend eine außerordentliche Professur (Maître de conférences) für Geologie am renommierten Institut catholique de Paris. Außerdem war er 1922–23 Präsident der Société géologique de France. Durch seine unorthodoxe, wenngleich fromme Denkweise verstrickte er sich in einen unauflösbaren Konflikt mit den kirchlichen Autoritäten, weil seine Vorstellungen über die kosmische Evolution und die Überwindung des Materie-Geist-Dualismus den orthodoxen theologischen Auffassungen widersprachen. Deshalb arbeitete er hauptsächlich als Geologe und Paläontologe und nahm an mehreren Forschungsreisen teil, die ihn nach Burma, Äthiopien, Indien, Java sowie nach China führten, wo er mit einem Geologen-Freund die Wüste Ordos erkundete. In dieser Zeit entstanden u. a. die Schriften Die Messe über die Welt, Mein Universum und Das Auftreten des Menschen.

Im September 1924 kehrte Teilhard nach Paris zurück und nahm wieder seine Vorlesungen auf. Daneben schrieb und veröffentlichte er Die Hominisation, eine wissenschaftliche Studie über die Evolution des Menschen.

Exil in China und „Das göttliche Milieu“ (1926–1932)

Ein Arbeitspapier Teilhards, in dem er versuchte, die Lehre von der Erbsünde im Rahmen einer evolutiven Bewegung neu zu interpretieren, machte ihn in Rom zum Verdächtigen. Um ihm ein kirchliches Verfahren zu ersparen, beschloss sein Ordensgeneral Wladimir Ledóchowski im Mai 1925, ihn nach China zu verbannen. Zuvor waren ihm sechs Lehrsätze vorgelegt worden, zu denen er sich bekennen sollte. In einem Fall (Abstammung aller Menschen von Adam) verweigerte er sich. Er beendete daraufhin gehorsam seine wissenschaftlichen Arbeiten, gab seinen Pariser Lehrstuhl auf und trat im April 1926 die Reise ins chinesische Exil an, wo er den Großteil seines Lebens blieb. In der Folge stürzte er in eine tiefe innere Krise. Seine persönliche Katastrophe versuchte er mit der Schilderung seiner Erfahrungen und Überzeugungen in seinem 1926 verfassten „Andachtsbuch“ Das göttliche Milieu zu verarbeiten. Die Begegnung mit Gott hielt er auch im Zustand des Erleidens, im Schmerz und in der Minderung für möglich.

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