Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais [ˈpjɛʀ-ogysˈtɛ̃ kɑˈʀõ də bomaʀˈʃɛ] (* 24. Januar 1732 in Paris; † 18. Mai 1799 ebendort), ursprünglich Pierre-Augustin Caron, ab 1757 mit dem Zusatz de Beaumarchais, 1762 nobilitiert, war ein französischer Uomo universale der Aufklärungszeit. Im Verlauf seines abenteuerlichen Lebens betätigte er sich unter anderem als Uhrmacher, Hofbeamter, Musiker, Spekulant, Schriftsteller, Verleger, Geheimagent, Waffenhändler und Revolutionär.
Bekannt ist er namentlich als Autor von Bühnenwerken und Streitschriften. Das Drama Eugénie und die Mémoires (Denkschriften) dienten Goethe als Grundlage seines Trauerspiels Clavigo. Mit dem Drama Les deux amis schuf Beaumarchais eine „poetische Verherrlichung des Kaufmannsstandes“. Auf die Trilogie espagnole – die Komödien Le barbier de Séville (Der Barbier von Sevilla), Le mariage de Figaro (Figaros Hochzeit) und La mère coupable (Die schuldige Mutter) – gehen von Paisiello, Mozart, Rossini und anderen Komponisten vertonte Opernlibretti zurück. Für Salieri schrieb Beaumarchais das Libretto zur Oper Tarare (Trara).
Beaumarchais, wie er in der Regel genannt wird (sein eigentlicher Nachname Caron ist auch Franzosen kaum bekannt), wurde als einziger Sohn des schöngeistig und musikalisch interessierten Uhrmachermeisters André-Charles Caron (1697–1775) geboren. Seine Mutter – die Eltern waren seit dem Jahre 1722 verheiratet – war Louise Pichon (ca. 1700–1758). Von seinen neun Geschwistern erreichten nur fünf Schwestern das Erwachsenenalter, zwei ältere und drei jüngere.
Er lernte mehrere Instrumente spielen und machte mit seinen Schwestern Hausmusik.
Beaumarchais erlernte zunächst das väterliche Handwerk. Mit zwanzig erfand er einen neuen Mechanismus für die Ankerhemmung von Taschenuhren, wodurch der Bau deutlich kleinerer und ganggenauerer Uhren möglich wurde, die sogenannte Doppelkommahemmung. Nachdem er dem Hofuhrmacher Jean André Lepaute seine Erfindung gezeigt hatte, musste er erleben, dass dieser sie als seine eigene ausgab. Beaumarchais wehrte sich, indem er im Mercure de France einen geschickt und kenntnisreich argumentierenden offenen Brief an die Akademie der Wissenschaften richtete, die als eine Art Patentamt fungierte und die den Streitfall zu seinen Gunsten entschied. Dank der Affäre wurde er so bekannt, dass er zahlreiche neue Kunden gewann, darunter König Ludwig XV. und dessen einflussreiche Mätresse Madame de Pompadour, womit er selbst den Titel Hofuhrmacher führen durfte.
Als eine weitere Kundin lernte er die 34-jährige Madeleine-Catherine Franquet kennen und über sie ihren Mann, einen schon ältlichen und kranken Hofbeamten, der für die Speisen des Königs zuständig war. Er gab die Uhrmacherei auf und kaufte Franquet sein Amt ab. Als dieser bald darauf starb, heiratete Beaumarchais 1756 die Witwe. Diese brachte den kleinen Landsitz Beaumarchet in die Ehe ein, dessen Namen er etwas veränderte und gemäß einem unter reichen Bürgerlichen gängigen Muster an seinen eigentlichen Familiennamen Caron anhängte, um einen adeligen Status zu simulieren. Als seine Frau schon im Jahr darauf starb (vermutlich an einer Infektion), gab es Getuschel und Gerüchte.
In seinem Hofamt gewann Monsieur de Beaumarchais, wie er sich nun nannte, die Gunst der vier unverheirateten Töchter des Königs. Er avancierte zu ihrem Harfenlehrer, wobei er ein Pedalsystem für die Harfe entwickelte. Er organisierte Hauskonzerte und wurde Gesellschafter und Faktotum der vier Damen. Natürlich war er hierdurch auch dem König sowie dessen Mätresse Madame de Pompadour bekannt. Über sie erhielt er Kontakt zu ihrem Pro-forma-Gatten Lenormant d’Étioles, einem reichen und geselligen Mann, der ihn in seinen Kreis zog.
Für Lenormants Privattheater verfasste Beaumarchais in den nächsten Jahren erste Stücke, sogenannte parades: heitere, oft derbe Sketche um das Thema Liebe, insbesondere die vor und neben der Ehe. Die Gesangseinlagen seiner Stücke komponierte er selbst.
1760 nahm sein Leben wieder eine neue Wendung, als es ihm gelang, zunächst die Töchter des Königs und dann diesen selbst zum Besuch und damit zur offiziellen Anerkennung der Offiziersschule zu bewegen, die der Bankier und Heereslieferant Joseph Pâris-Duverney (1684–1770) errichtet und vorfinanziert hatte; Frankreich führte gerade an der Seite Österreichs den Siebenjährigen Krieg gegen Preußen und England. Beaumarchais wurde von dem dankbaren Geschäftsmann zum Juniorpartner gemacht und kaufte 1761 mit dessen Hilfe das sehr teure Amt eines königlichen Sekretärs, das wenig Arbeit bedeutete und seinen Käufer unmittelbar in den Adelsstand erhob.
1762 demonstrierte er seinen neuen Adel, indem er mit einem Kredit von Pâris-Duverney das nur Adeligen zugängliche Amt eines Richters für Jagddelikte in den Wäldern und Feldern rund um Paris erwarb, ein Amt, das er jahrzehntelang gewissenhaft ausübte. Des Weiteren kaufte er ein schönes Haus in Paris, in das er zwei seiner Schwestern aufnahm sowie seinen verwitweten Vater, den er dazu bewog, sein bürgerliches Handwerk aufzugeben.
1764/65 hielt sich Beaumarchais zehn Monate in Madrid auf, wo er in den besten Kreisen verkehrte. Teils war er geschäftlich für Pâris-Duverney tätig, teils erledigte er diplomatische Aufträge des Königs. Nebenher versuchte er vergeblich, den Verlobten seiner dort lebenden Schwester Marie, José Clavijo y Fajardo, zur Einhaltung seines Eheversprechens zu zwingen. Das Verhältnis zwischen Clavijo und Marie war undurchsichtig; Beaumarchais verarbeitete dieses Thema zehn Jahre später zu einem Miniroman, auf dem Goethes 1774 publiziertes Stück Clavigo basiert.
Daneben blieb Beaumarchais auch literarisch tätig; er wechselte aber von der heiteren Parade zur Gattung comédie larmoyante (Rührstück), die um 1760 von Diderot lanciert worden war. Sein erstes Werk dieser Art war Eugénie, das im Gegensatz zur tragédie bourgeoise (bürgerliches Trauerspiel) noch in der Welt des Adels spielt und 1767 an der Comédie-Française Premiere hatte. Er betätigte sich auch als Theatertheoretiker, indem er der Druckausgabe von Eugénie einen Essai sur le drame sérieux (Versuch über das ernsthafte Drama) voranstellte.
1768 heiratete er die reiche junge Witwe Geneviève-Madeleine Lévêque (geborene Wattebled), welche jedoch schon Ende 1770, bald nach der Geburt eines zweiten Kindes, starb.
1770 führte die Comédie-Française ein zweites Rührstück von ihm auf, das im Gegensatz zu Eugénie im Dritten Stand, nämlich in der Beaumarchais vertrauten Welt der Finanzen, spielt: Les deux amis ou Le négociant de Lyon (Die beiden Freunde oder Der Kaufmann von Lyon).
Im Sommer 1770 nahm sein Leben wieder eine, diesmal unglückliche Wendung: Sein Seniorpartner und Protektor Pâris-Duverney starb, ohne eine formell beglaubigte Bestätigung von Beaumarchais’ Anteil (15.000 Francs) am Firmenkapital zu hinterlassen. Ein vorhandenes informelles Papier wurde von dem Urgroßneffen und Alleinerben Pâris-Duverneys, dem Grafen de la Blache, gerichtlich angefochten. Nachdem 1772 Beaumarchais zunächst Recht bekommen hatte, legte La Blache 1773 Revision vor dem Obersten Pariser Gerichtshof ein, dem Parlement. Hier lernte Beaumarchais, wie sehr ein bürgerlicher Emporkömmling, und sei er wohlhabend und geadelt, bei der Justiz gegenüber einem reichen, hochadeligen Prozessgegner im Nachteil war. Zugleich musste er feststellen, dass er in Paris und am Hof viele Neider und Feinde hatte, die ihm jetzt zu schaden versuchten.
La Blache hatte den Zeitpunkt für die Revision gut gewählt: Beaumarchais saß Anfang 1773 per königlichem Haftbefehl einige Monate in der Pariser Festung For-l’Évêque, weil er sich von einem hochadeligen Bekannten, dem Herzog von Chaulnes, in eine Rauferei wegen einer gemeinsamen Mätresse hatte verwickeln lassen.
Bei einem Freigang konnte er, wie damals üblich, nach Zahlung einer angemessenen Summe den für ihn zuständigen Richter Goëzman erreichen, fand aber mit seiner Sicht der Dinge kein Gehör. Ein Versuch, sich durch Geschenke an Goëzmans Gattin eine neue Audienz zu verschaffen, scheiterte. Nachdem er im April 1773 den Prozess verloren hatte und durch Pfändungen sowie die Prozesskosten finanziell ruiniert war, beschuldigte Beaumarchais Goëzman, dieser habe ihn benachteiligt und ihm überdies nur einen Teil seiner Geschenke an die Gattin zurückerstattet. Goëzman zeigte ihn wegen Bestechungsversuchs und Verleumdung an, worauf vor dem Parlement ein weiterer Prozess gegen Beaumarchais begann.