Philipp V., genannt der Lange (französisch Philippe V le Long; * um 1293; † 3. Januar 1322 in der Abtei Longchamp), aus der Dynastie der Kapetinger, war von 1316 bis 1322 König von Frankreich und als Philipp II. König von Navarra.
Philipp V. war der zweite Sohn von König Philipp IV. dem Schönen von Frankreich († 1314) und dessen Gemahlin Johanna I. von Navarra († 1305). Sein genaues Geburtsjahr ist in der Forschung umstritten. Bernhard Töpfer gibt beispielsweise 1291 als Geburtsjahr an, während Elisabeth Lalou das Jahr 1294 nennt. Häufig wird seine Geburt auf etwa 1293 datiert.
Im Januar 1307 heiratete Philipp in Corbeil die Pfalzgräfin Johanna von Burgund, Tochter Ottos IV. von Burgund und Mathildes von Artois. Durch die Ehe war Philipp eng mit der Herrschaft über die Freigrafschaft Burgund verbunden. 1311 erhielt er die Grafschaft Poitou als Apanage.
1314 geriet Johanna im Zuge der sogenannten Tour-de-Nesle-Affäre unter Verdacht. Während ihre Schwester Blanche und ihre Schwägerin Margarete des Ehebruchs beschuldigt wurden, wurde Johanna vorgeworfen, von deren Beziehungen gewusst zu haben. Sie wurde in Dourdan inhaftiert, später jedoch vom Parlement von den gegen sie erhobenen Vorwürfen freigesprochen und kehrte zu Philipp zurück.
Im Juni 1316 starb überraschend Philipps älterer Bruder, König Ludwig X. der Zänker. Er hinterließ mit Johanna eine minderjährige Tochter sowie seine schwangere Witwe Clementine von Ungarn. Damit entstand erstmals seit mehreren Jahrhunderten eine offene Frage um die unmittelbare französische Thronfolge.
Philipp hielt sich zu dieser Zeit in Lyon auf, wo seit dem Tod von Papst Clemens V. die Wahl eines neuen Papstes festgefahren war. Er setzte sich für den Abschluss des Konklaves ein, das schließlich mit der Wahl Johannes’ XXII. endete. Anschließend kehrte Philipp nach Paris zurück und übernahm als nächster erwachsener Bruder Ludwigs X. die Regentschaft über Frankreich.
Gleichzeitig musste sich die neue Regentschaft mit inneren Konflikten auseinandersetzen. Im Artois erneuerte Robert von Artois seinen Anspruch auf die Grafschaft, die von seiner Tante Mathilde von Artois, der Schwiegermutter Philipps, beherrscht wurde. Philipp ging militärisch gegen die Unruhen vor und ließ Robert nach einer Einigung festsetzen.
Am 15. November 1316 brachte Clementine von Ungarn einen Sohn zur Welt, der als Johann I. unmittelbar König von Frankreich wurde. Philipp führte für seinen neugeborenen Neffen weiterhin die Regentschaft. Johann starb jedoch bereits am 19. November 1316, nur wenige Tage nach seiner Geburt.
Nach dem Tod Johanns I. erhob Philipp selbst Anspruch auf die Krone. Am 9. Januar 1317 wurde er in Reims zum König von Frankreich gesalbt und gekrönt. Damit war er der erste direkte Kapetinger, der den französischen Thron nicht unmittelbar von seinem Vater erbte.
Seine Thronbesteigung war jedoch nicht unumstritten. Insbesondere die Rechte seiner Nichte Johanna, der Tochter Ludwigs X., standen zur Diskussion. Im Februar 1317 ließ Philipp eine Versammlung von Adligen, Prälaten, Vertretern der Stadt Paris und Angehörigen der Universität zusammentreten. Diese bestätigte den Grundsatz, dass eine Frau den französischen Thron nicht erben könne. Die später als salisches Gesetz bekannte Begründung spielte dabei noch keine Rolle; die Berufung auf die Lex Salica zur Rechtfertigung des Ausschlusses von Frauen entwickelte sich erst später.
Mit Johannas Vormund, Herzog Odo IV. von Burgund, wurde schließlich 1318 eine Vereinbarung über ihre Ansprüche getroffen. Philipp behielt Frankreich und Navarra zunächst für sich. Die Entscheidung von 1316/17 schuf zugleich einen Präzedenzfall für die französische Thronfolge, der nach dem Tod von Philipps Bruder Karl IV. im Jahr 1328 erneut von entscheidender Bedeutung wurde.
Ein weiteres wichtiges außenpolitisches Problem war der bereits unter Philipp IV. und Ludwig X. geführte Konflikt mit Flandern. Philipp setzte zunächst auf Waffenstillstände und Verhandlungen. 1320 kam es schließlich zu einer Einigung mit Graf Robert III. von Flandern, der dem König in Paris den Lehnseid leistete. Die umstrittenen Städte Lille, Douai und Béthune blieben bei Frankreich. Die Verständigung wurde zusätzlich durch die Heirat von Philipps Tochter Margarete mit Ludwig von Nevers, dem späteren Grafen von Flandern, gefestigt.
Innenpolitisch bemühte sich Philipp um eine stärkere Organisation der königlichen Verwaltung und Finanzkontrolle. Baillis und Seneschalle sollten ihre Ämter grundsätzlich persönlich ausüben und nicht ohne königliche Genehmigung dauerhaft durch Stellvertreter führen lassen. Von besonderer langfristiger Bedeutung war die Ordonnanz von Vivier-en-Brie vom Januar 1320, die Organisation, Zusammensetzung und Aufgaben der königlichen Chambre des comptes regelte und der Institution eine dauerhafte Struktur gab.
Philipp versuchte außerdem, die Einnahmen der Krone zu stabilisieren und die königliche Verwaltung effizienter zu gestalten. Seine Reformvorhaben stießen jedoch wiederholt auf Widerstand von Adel, Klerus und Städten, insbesondere wenn sie mit neuen finanziellen Belastungen verbunden waren.
Am 29. Juni 1320 leistete Philipps Schwager, König Eduard II. von England, in Amiens den Lehnseid für seine französischen Besitzungen. Die Frage des Homagiums des englischen Königs für seine Besitzungen in Frankreich war zuvor wiederholt Gegenstand diplomatischer Auseinandersetzungen gewesen.
Zu den ambitioniertesten innenpolitischen Vorhaben Philipps gehörte der Versuch, das Münzwesen sowie Maße und Gewichte im Königreich stärker zu vereinheitlichen. Das Vorhaben sollte Handel und königliche Kontrolle erleichtern, griff aber zugleich in traditionelle Rechte der Fürsten, Städte und anderen Herrschaftsträger ein. Entsprechend groß war der Widerstand. Noch 1321 versuchte die Regierung, Zustimmung zu einer Vereinheitlichung zu erhalten; Vertreter verschiedener Städte lehnten die damit verbundenen Pläne jedoch ab. Eine reichsweit einheitliche Ordnung konnte Philipp nicht mehr durchsetzen.
Im Jahr 1321 verbreitete sich in Südfrankreich das Gerücht, Leprakranke hätten sich verschworen, Brunnen zu vergiften. Bereits lokal waren daraufhin Verhaftungen und Hinrichtungen erfolgt. Während einer Reise in den Süden erfuhr Philipp von den Anschuldigungen und erließ am 21. Juni 1321 eine Anordnung, durch die die angebliche Beteiligung an den Brunnenvergiftungen als Angriff auf die königliche Majestät verfolgt werden konnte. In der Folge weitete sich die Verfolgung aus. Bald wurden auch Juden beschuldigt, an der angeblichen Verschwörung beteiligt zu sein, und Opfer von Gewalt und Hinrichtungen.
Philipp erkrankte 1321 schwer und starb nach mehrmonatiger Krankheit in der Nacht zum 3. Januar 1322 in der Abtei Longchamp bei Paris. Sein Leichnam wurde in der Abteikirche Saint-Denis, der traditionellen Grablege der französischen Könige, beigesetzt. Da Philipp keinen überlebenden Sohn hinterließ, folgte ihm entsprechend dem wenige Jahre zuvor geschaffenen Präzedenzfall nicht eine seiner Töchter, sondern sein jüngerer Bruder Karl IV. der Schöne auf den französischen Thron.