Philipp Heitz, mit vollem Namen Johann Philipp Heitz (* 24. März 1850 in Münchwilen im Kanton Thurgau; † 10. Januar 1909 ebenda; heimatberechtigt in Zürich, Stein am Rhein und Münchwilen), war ein Schweizer Industrieller, Politiker (Freisinnig-Demokratische Partei) und Offizier.
Herkunft, Familie und Ausbildung
Philipp Heitz entstammte einer Familie von Industriellen, die massgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Murgtals in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beitrug. Sein Vater Johann Jakob Heitz (1812–1885) war Fabrikant und hatte mehrere Baumwollwebereien aufgebaut. Seine Mutter Elisabeth (* 30. Dezember 1821 in Frauenfeld) war die Tochter des Schuhmachers Daniel Teucher (1786–1844).
Die Familie gehörte der reformierten Konfession an.
Am 20. Mai 1875 heiratete Heitz Bertha Rosa († Oktober 1900), Tochter des Winterthurer Notars, Kantonsrats und Stadtrats Hans Knüsli-Unholz. Aus der Ehe gingen mehrere Söhne und eine Tochter hervor, darunter der spätere Kaufmann und Oberst Philipp Heitz-Knoll (* 26. März 1876 in Münchwilen; † 23. April 1935 in Alassio) sowie der Jurist, Politiker und Oberst Hans Max Heitz, Vater der Burgenforscherin Franziska Knoll-Heitz (* 14. Juni 1910 in Frauenfeld; † 25. März 2001).
Sein Schwager war der Politiker und Eisenbahnindustrielle Hans Knüsli, und seine Schwägerin war die Gründerin und Präsidentin des Frauenbunds Winterthur, Ida Sträuli-Knüsli.
Von 1862 bis 1867 besuchte Heitz die Kantonsschule Frauenfeld, einer seiner Mitschüler war unter anderem der spätere Politiker Konrad Hörni. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Winterthur, dem damaligen Zentrum der Nordostschweizer Maschinenindustrie, und besuchte anschliessend eine Handelsschule in Neuenburg, wo er seine theoretischen Kenntnisse vertiefen und zugleich seine Französischkenntnisse verbessern konnte. Zur Vervollständigung seiner Ausbildung verbrachte er einen längeren Aufenthalt in Manchester, dem Zentrum der britischen Textilindustrie, wo er moderne Produktionsmethoden und internationale Handelsbeziehungen studierte.
1873 trat Philipp Heitz in die väterlichen Baumwollwebereien in Münchwilen und St. Margrethen ein. Die Baumwollindustrie gehörte im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Industriezweigen der Schweiz, wobei die Ostschweiz neben Zürich eines der bedeutendsten Zentren bildete.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm Heitz 1885 die Leitung der Betriebe. Seine unternehmerische Tätigkeit wurde jedoch von schweren Rückschlägen überschattet: 1890 zerstörte ein Brand einen seiner Betriebe in St. Margrethen. 1894 kam es zu einem weiteren Brand eines Firmengebäudes in Bazenhaid. Diese Ereignisse zwangen ihn zeitweise, sich verstärkt auf die Konsolidierung seiner Unternehmen zu konzentrieren.
Politische Anfänge und Engagement in der Gemeinde
Sehr früh setzte Philipp Heitz seine ausgeprägten Fähigkeiten für das Gemeinwohl ein, zunächst auf lokaler Ebene in Münchwilen sowie in seinem industriellen Umfeld, und nahm unter anderem fördernd am Schul- und Sekundarschulwesen teil.
Darüber hinaus beteiligte sich Heitz am Vereinsleben, das im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle als gesellschaftliches Bindeglied und als Ort politischer Meinungsbildung spielte. Diese lokalen Aktivitäten verschafften ihm nicht nur Ansehen in seiner Gemeinde, sondern schulten auch seine Fähigkeiten als Redner und Organisator.
Am 7. Juni 1880 wurde Philipp Heitz in den Nationalrat gewählt, obwohl er – was damals als absolute Ausnahme galt – keine parlamentarische Erfahrung besass. Er trat die Nachfolge des verstorbenen Obergerichtspräsidenten Johann Messmer an und setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Johannes Altwegg durch.
Im Herbst 1880 sprach sich Heitz gemeinsam mit Adolf Deucher gegen die Totalrevision der Bundesverfassung aus. Im Nationalrat profilierte er sich insbesondere als Fachmann für Zoll- und Handelsfragen in einer Zeit, als die Schweiz ihre Handelspolitik in einem zunehmend protektionistischen europäischen Umfeld neu ausrichten musste.
Aufgrund der zeitintensiven Parlamentsarbeit und seiner geschäftlichen Verpflichtungen legte Heitz zum 30. November 1890 sein Nationalratsmandat nieder. Dieser Rücktritt fiel zeitlich mit dem verheerenden Fabrikbrand zusammen.
1898 kandidierte Heitz bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Nationalrat Josef Anton Koch erneut. Das erhoffte Comeback scheiterte jedoch: Da ein Teil der eigenen Partei im ersten Wahlgang zwei weitere Kandidaturen aufgestellt hatte, unterlag Heitz im zweiten Wahlgang vom 11. September 1898 gegen den von der katholisch-konservativen Partei unterstützten demokratischen Kandidaten Emil Hofmann. Diese Niederlage offenbarte die zunehmende Fragmentierung des freisinnigen Lagers im Thurgau.
Grosser Rat des Kantons Thurgau
Im Frühling 1881 wurde Philipp Heitz vom Wahlkreis Sirnach in den Grossen Rat des Kantons Thurgau gewählt, dem er ununterbrochen bis zu seinem Tod 1909 angehörte.