Philipp Hahn (auch: Philippus Gallus, Han; * 1. Mai 1558 in Halle (Saale); † 6. Juli 1616 in Magdeburg) war ein deutscher lutherischer Theologe.
Philipp Hahn stammte aus einer einflussreichen Bürgerfamilie. Bereits sein Großvater Petrus Hahn († 25. Januar 1525 in Köthen) war fürstlich-anhaltinischer Hofrat und Bürgermeister in Köthen. Aus dessen Ehe mit Anna Gottschalk stammt sein Vater Georg Hahn (* 6. April 1520 in Köthen; † 23. Juli 1602 in Halle (Saale)), der als Sekretär und Kammerschreiber des Rats in Halle (Saale) fungierte. Aus dessen am 29. Mai 1552 geschlossener zweiter Ehe mit Clara Wesener (* 1523 in Halle (Saale); † 9. Oktober 1576 in Halle (Saale)), der Tochter des fürstlich Magdeburg’schen Schultheißen in Halle Wolffgang Wesner (* 1494; † 24. Juli 1557 in Halle) und dessen Frau Clara geb. von Quetz, ging unter anderen der Sohn Philipp hervor. Seine Onkel Nicolaus Gallus und Martin Chemnitz waren bereits in die innerprotestantischen Auseinandersetzungen ihrer Zeit involviert. Daher dürfte Philipp mit den Gegebenheiten der lutherischen Orthodoxie seit frühster Kindheit vertraut gewesen sein.
Seine erste Bildung erhielt er durch Privatlehrer und am Gymnasium in Halle, welches unter der Leitung des Rektors Jacob Fabricius (* Chemnitz; † 19. März 1572 in Halle (Saale)) stand. Am 11. Januar 1570 wechselte er an die Schule des Klosters Berge. Diese Bildungsanstalt wurde durch den Abt Peter Ulner geleitet, der ihm ein Grundwissen in theologischen Zusammenhängen, den Artes liberalis und Sprachen vermittelte. Ein Jahr später zog er an die Stadtschule Magdeburg, wo unter anderem Edo Hildericus, Georg Rollenhagen, Gallus Dreßler und Leonhart Schröter seine Lehrer waren. Aufgrund der in Magdeburg grassierenden Pest verließ er 1576 die Stadt, um am Martino-Katharineum Braunschweig eine weitere Ausbildung zu absolvieren.
So vorgebildet bezog er im Wintersemester 1577 die Universität Jena, wo er anfänglich philosophische Studien betrieb und im Haushalt des Kaspar Arnurus lebte. Aufgrund einer Epidemie wechselte er im Folgejahr an die Universität Wittenberg. Hier fand er im Haushalt von Abdias Prätorius Aufnahme und setzte seine philosophischen Studien fort. An der der philosophischen Fakultät wirkte zur damaligen Zeit auf dem Lehrstuhl der Dichtkunst Johann Major; Logik wurde von Albert Lemeier, Ethik von Johann Grün (auch Grunius; 1535 in Nürnberg; † 1596 in Wittenberg), Geschichte und Rhetorik von Andreas Franckenberger, die griechische Sprache von Nicolaus Todaeus, die hebräische von Valentin Schindler, Physik nach Aristoteles von Valentin Espich und Mathematik von Andreas Schato und Valentinus Otho unterrichtet.
Ab 1580 fokussierte sich Hahn mehr auf theologische Studien, wozu er in den Haushalt von Polykarp Leyser wechselte. Neben Leyser wirkten zudem Johann Sagittarius, Johannes Matthaeus, Martin Heinrich und Johannes Bugenhagen der Jüngere an der theologischen Fakultät, dessen Vorlesungen er ebenso frequentiert haben dürfte. Nach ausreichender Ausbildung erwarb er am 20. März 1582 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie. Auf den Rat von Leyser zog er 1583 an die Universität Heidelberg und darauf an die Universität Tübingen, wo Jakob Andreae, Stephan Gerlach und Dietrich Schnepf seine Ausbildung weiter führten. 1585 kehrte er nach Wittenberg zurück, erhielt eine Privatlehrerstelle des jungen Adligen August Löser in Eutzsch und setzte nebenbei seine theologische Ausbildung, unter anderem bei Georg Mylius, fort.
1589 erhielt er an der Ulrichskirche in seiner Geburtsstadt Halle die Stelle eines Diakons. Er wurde am 3. März ordiniert und hielt am 12. März seine Anzugspredigt. 1591 stieg er zum Archidiakon auf. 1598 wechselte er als erster Prediger an den Magdeburger Dom. Um den Anforderungen an das Amt gerecht zu werden, promovierte er am 26. Oktober 1599 zum Doktor der Theologie an der Alma Mater in Jena.
Von Hahn stammen einige theologische Gelegenheitsschriften, Literatur zur christlichen Erbauung, Homiletik, Liturgik und Geschichte. Zudem verfasste er das Vorwort zu einem Magdeburger Gesangbuch. Seine Arbeiten wurden bis in das ausgehende 17. Jahrhundert mehrfach aufgelegt.
Hahn hatte sich am 22. Juli 1589 in Halle (Saale) mit Barbara Ludwiger, der Tochter des fürstlich Magdeburg’schen Schöppen, Pfänners und Kirchenvaters zu St. Moritz in Halle Caspar Ludwiger († 21. Mai 1572 in Halle) und dessen 1550 geheirateter Frau Anna Freudemann († 11. April 1603 in Magdeburg), verehelicht. Aus der Ehe stammen zahlreiche Kinder. Von diesen kennt man:
So. Georg Hahn (* 23. Oktober 1590 In Halle (Saale)) Mag. phil., wurde Pfarrer in Middelburg/Seeland
So. Caspar Hahn (* 22. Oktober 1592 in Halle (Saale)) wurde gräfl. Barby’scher Bedienter
So. Philipp Hahn (* 14. Februar 1594 in Halle (Saale)) Vikar Dom Halle & St. Sebastian, Lector am Dom in Magdeburg
So. Wolfgang Hahn (* 18. August 1595 in Halle (Saale); † 24. November 1607 in Ampfurth)
To. Anna Hahn (* 9. Dezember 1596 in Halle (Saale); † 23. April 1683 ebenda) verh. mit dem gräfl. Barby- und Stolberg’schen Rat, später Fürstlicher Hofrat in Halle Adolph Marx
To. Maria Hahn (* 4. Januar 1599 in Halle (Saale); † 14. Oktober 1677 Gut Karsdorf) verh. 31. August 1614 in Halle (Saale) mit dem Theologen Paul Röber
So. Ludwig Hahn (* 7. März 1600 in Magdeburg; † 21. März 1600 ebenda)
So. Peter Hahn (* 22. Februar 1601 in Magdeburg; † 3. April 1601 ebenda)
To. Barbara Hahn (* 4. März 1602 in Magdeburg; † 16. Mai 1603 ebenda)
To. Euphrosina Hahn (* 3. November 1603 in Magdeburg) verh. 27. Januar 1629 in Braunschweig mit dem Archidiakon in Heringen Daniel Mönchmeier (* 27. November 1582 in Groß-Salze; † 6. Juni 1635 in Braunschweig), verh. II 5. Dezember 1637 mit dem Braunschweiger Bürgermeister Tobias Olfen (auch: Olffen; * 9. August 1597 in Braunschweig; † 25. September 1654 in Braunschweig; begr. 1. Oktober 1654 Martinikirche Braunschweig)