An diesem Tag

Phil Ochs

US-amerikanischer Sänger-Songwriter

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Philip David Ochs [oʊks] (* 19. Dezember 1940 in El Paso, Texas, Vereinigte Staaten; † 9. April 1976 in Far Rockaway, New York) war ein US-amerikanischer Sänger, Songwriter und politischer Aktivist. Er sang vor allem Protestsongs oder, wie er es selbst nannte, „topical songs“ (Lieder über aktuelle Themen), wandte sich vornehmlich auf seinen späteren Alben aber auch persönlicheren Themen zu.

Phil Ochs wurde am 19. Dezember 1940 in El Paso (Texas), als zweites Kind von Jacob („Jack“) Ochs (1910–1963) geboren, einem in New York geborenen Arzt, und der aus Edinburgh (Schottland) stammenden Gertrude Phin Ochs (1912–1994). Seine Eltern trafen sich und heirateten in Edinburgh, wo Jack Ochs Medizin studierte. Nach ihrer Hochzeit zogen sie in die Vereinigten Staaten. Jack Ochs wurde während des Zweiten Weltkrieges zur Armee eingezogen und nach Übersee geschickt. Seine Kriegserlebnisse beeinflussten seine geistige Gesundheit, er litt nach seiner Rückkehr aus der Armee unter Depressionen. Aufgrund seiner Erkrankung war er unfähig, eine erfolgreiche Arztpraxis aufzubauen, und arbeitete stattdessen in einer Reihe von Krankenhäusern. Als Resultat zog die Familie immer wieder um, zuletzt nach Columbus (Ohio), als Phil Ochs 14 Jahre alt war. Ochs wuchs auf mit einer älteren Schwester, Sonia („Sonny“) Ochs, geboren 1937 und einem jüngeren Bruder, Michael, geboren 1943. Die Familie gehörte der jüdischen, nicht religiösen Mittelklasse an.

Als Teenager war Ochs ein talentierter Klarinettenspieler: Er spielte das Instrument im Orchester des Capital University Conservatory of Music in Ohio, wo er kurz nach seinem 16. Geburtstag zum ersten Solo-Klarinettisten aufstieg.

Von 1956 bis 1958 besuchte Phil Ochs als Student die Staunton Military Academy in Virginia, wo er auch in der dortigen Militärkapelle mitspielte. In dieser Zeit begann Ochs sich für andere Klänge zu interessieren, die er im lokalen Radio hörte: Musik der frühen Rock-Ikonen Buddy Holly und Elvis Presley und Countrymusik.

Nach seinem Abschluss in Staunton schrieb sich Phil Ochs an der Ohio State University ein, wo er Journalismus studierte. Hier entwickelte sich sein Interesse für Politik und hier traf er seinen Mitstudenten Jim Glover, der ihn in die Folkmusik von Woody Guthrie, Pete Seeger und Bands wie The Weavers einführte. Glover lehrte Ochs das Gitarrespiel und mit ihm diskutierte er über Politik. Ochs begann, sowohl Artikel für die örtliche Studentenzeitschrift zu schreiben als auch seine ersten politischen Lieder. In diese Zeit fielen seine ersten Auftritte als Sänger und Gitarrist, zuerst als Duo mit Glover und, nachdem dieser die Universität Richtung New York verlassen hatte, als Solomusiker. Ochs brach sein Studium in seinem letzten Semester ab, um ebenfalls nach New York zu ziehen und Folksänger zu werden.

Phil Ochs kam 1962 in New York City an und wurde bald schon ein wichtiger Teil der Folkmusikszene des Greenwich Village. Er trat als unpolierter, jedoch leidenschaftlicher Sänger hervor, der imstande war, ergreifend-bissige Texte zu damals aktuellen Themen wie dem Krieg, Menschenrechten und Arbeiterkämpfen zu schreiben. Er beschrieb sich selbst als „singenden Journalisten“, dessen Songs auf Geschichten basierten, die er in Newsweek las. Ochs war im Sommer 1963 ausreichend bekannt, um zum renommierten Newport Folk Festival eingeladen zu werden. Er nahm ebenfalls im darauffolgenden Jahr an dem Festival teil, wie auch im Jahr 1966. Während seiner ganzen Karriere trat Ochs in einem weiten Spektrum von Veranstaltungsorten auf, einschließlich Bürgerrechtskundgebungen, Antikriegsdemonstrationen und Konzerthallen wie der New Yorker Carnegie Hall

Seine ersten drei Schallplatten nahm Phil Ochs für Elektra Records auf: All the News That’s Fit to Sing (1964), I Ain’t Marching Anymore (1965) und Phil Ochs in Concert (1966). Auf diesen Alben hörte man Ochs nur begleitet von einer akustischen Gitarre. Auch wenn Ochs in dieser Zeit erheblich mehr Songs schrieb, als auf diesen drei Alben aufgenommen wurden, enthielten diese Schallplatten doch einige seiner besten politischen Lieder wie I Ain’t Marching Anymore, Draft Dodger Rag, Love Me, I’m a Liberal, aber auch mehr introspektive Lieder wie Changes und When I’m Gone. Ochs trug durch seine frühen Auftritte und Platten zu traditionellen Genres bei, namentlich dem Talking Blues und der musikalischen Neuinterpretation von alten Gedichten wie The Highwayman von Alfred Noyes und The Bells von Edgar Allan Poe. Während dieser frühen Periode sagte sein damaliger Freund Bob Dylan über ihn: „I just can’t keep up with Phil. And he’s getting better and better and better.“ („Ich kann mit Phil einfach nicht mithalten. Und er wird immer besser und besser und besser.“)

1962 heiratete Ochs in einer standesamtlichen Zeremonie Alice Skinner (1944–2010), die schwanger war mit ihrer Tochter Meegan (geboren 1963). Das Paar trennte sich 1965, ließ sich aber nie scheiden.

1967 verließ Ochs Elektra zugunsten von A&M Records und zog nach Kalifornien. Bei seinen späteren Alben Pleasures of the Harbor (1967), Tape from California (1968), Rehearsals for Retirement (1969) und dem ironisch betitelten Greatest Hits (1970) entfernte Ochs sich von den mit einer einzelnen akustischen Gitarre produzierten Aufnahmen und experimentierte mit Ensembles und orchestraler Instrumentation, darauf hoffend, dass sich seine Mischung aus Pop und Folk als kommerziell erfolgreich erweisen würde.

Keines von Ochs’ Liedern wurde zu einem Hit, obwohl Outside Of A Small Circle Of Friends häufig im Radio gespielt wurde, bis viele Radiostationen den Song aufgrund des sarkastisch gemeinten Verses, dass der Konsum von Marihuana mehr Spaß mache als Bier zu trinken, aus dem Programm nahmen. Joan Baez hatte allerdings mit ihrem Cover des Ochs-Songs There But For Fortune einen Top-Ten-Hit in Großbritannien und in den USA erreichte ihre Version des Liedes die #50 der Billboard Charts.

Obwohl er musikalisch neue Dinge ausprobierte, gab Ochs seine politischen Wurzeln nicht preis. Er war tief betroffen von der Eskalation des Vietnamkrieges, trat auf unzähligen Antikriegskundgebungen auf und organisierte 1967 zwei große Antikriegsdemonstrationen in Los Angeles und New York, die ironisch den Krieg für beendet erklärten. („Is everybody sick of this stinking war? In that case, friends, do what I and thousands of other Americans have done – declare the war over.“)

Ochs schrieb in dieser Zeit neben Antikriegsliedern wie The War Is Over und White Boots Marching In A Yellow Land, auch persönlichere Lieder wie Crucifixion, Pleasures of the Harbor, Chords Of Fame und Boy In Ohio.

Da Ochs zeit seines Lebens ein großer Film-Fan gewesen war, arbeitete er die Geschichten von Gerechtigkeit und Rebellion, die er in den Filmen seiner Jugend gesehen hatte, in seine Songs ein. Er war tief enttäuscht, als sein Held John Wayne den Krieg in Vietnam unterstützte und sich für einen, wie Ochs empfand, blinden Patriotismus einsetzte.

In Deutschland trat Phil Ochs 1968 u. a. beim Waldeck-Festival auf. Im gleichen Jahr war er beteiligt an der Gründung der Youth International Party (Yippies) und unterstützte diese auch bei den Plänen für ein „Festival of Life“ während der Democratic National Convention in Chicago im August 1968. Ochs, der zu diesem Zeitpunkt zugleich den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Eugene McCarthy unterstützte, war in Chicago sowohl als Gast der McCarthy-Kampagne wie auch als Teilnehmer der Demonstrationen. Er kaufte das Hausschwein Pigasus, um es als satirische Aktion zur Präsidentschaftswahl zu nominieren. Er hatte mehrere Auftritte als Sänger, wurde Zeuge der von der Polizei gegenüber Demonstranten verübten Gewalttaten und wurde selbst zeitweilig verhaftet.

Die Ereignisse des Jahres 1968 – die Ermordung Martin Luther Kings und Robert F. Kennedys, die Gewalttätigkeiten der Chicagoer Polizei und die Wahl Richard Nixons zum Präsidenten – ließen Ochs tief desillusioniert und depressiv zurück.

1970 änderte Ochs seine musikalische Ausrichtung erneut. Die Ereignisse des Jahres 1968 hatten ihn davon überzeugt, dass der durchschnittliche Amerikaner weder an politischen Liedern noch an Yippie-Taktiken interessiert war. Ochs wandte sich wieder den musikalischen Wurzeln seiner Jugend zu, Country-Musik und frühem Rock ’n’ Roll. Er war davon überzeugt, das amerikanische Publikum nur zu erreichen, indem er Elvis Presley mit Che Guevara vereinte. Er gab bei Presleys Schneider einen Goldlaméanzug in Auftrag und trat in diesem in verschiedenen Konzerten auf, unterstützt durch eine Rock-Band, eigene Lieder singend, gemischt mit Liedern von Buddy Holly, Elvis Presley und Merle Haggard. Das Publikum reagierte mit bestenfalls gemischten Gefühlen auf diesen „neuen“ Phil Ochs. Niedergeschlagen durch den Mangel an weitverbreiteter Anerkennung und an Schreibblockade leidend, nahm Ochs nach seinem 1970 erschienenen Album Greatest Hits, das entgegen dem Titel nur aus neuem Material bestand, keine weiteren Platten mehr auf.

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