Philip David Charles „Phil“ Collins, LVO, (* 30. Januar 1951 in Chiswick, Vereinigtes Königreich) ist ein britischer Schlagzeuger, Sänger, Songwriter, Produzent, Schauspieler und Buchautor.
Er wurde sowohl als Mitglied der Rockband Genesis als auch als Solokünstler bekannt, gehört mit über 150 Millionen verkauften Tonträgern (plus 150 Millionen mit Genesis) zu den weltweit erfolgreichsten Musikern der Branche und belegte 2017 Platz 23 der Billboard Hot 100 All-Time Top Artists. 2016 veröffentlichte der Rolling Stone eine Liste der „100 größten Schlagzeuger aller Zeiten“, auf der er den 43. Platz belegt. Seit 2009 erschwert der sich kontinuierlich verschlechternde Gesundheitszustand seine musikalischen Aktivitäten. 2026 wird er als Solo-Künstler in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Collins verzeichnete zwischen 1984 und 1989 sieben Nummer-eins-Erfolge in den US-Single-Charts; hinzu kommt ein Nummer-eins-Hit mit Genesis (Invisible Touch). Er ist unter anderem Oscar-, siebenfacher Grammy- und zweifacher Golden-Globe-Preisträger, wurde als Mitglied der Gruppe Genesis im Jahr 2010 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und ist seit 2003 Mitglied der Songwriters Hall of Fame. Seit 1970 gehörte er als Schlagzeuger zu Genesis, seit 1976 auch als Sänger. Seine internationale Popularität hatte maßgeblichen Anteil am kommerziellen Erfolg von Genesis, die sich mit ihm als Frontmann von einer progressiven Rockgruppe zu einer hitparadentauglichen Pop-Rock-Band wandelte.
Neben seiner Solokarriere und der Mitgliedschaft bei Genesis suchte Collins bereits in den frühen 1980er Jahren immer wieder die stilübergreifende Abwechslung und Herausforderung, mit anderen Musikern in Fremdprojekten zu arbeiten. Dies führte über die Jahre zu einer Reihe von Produktionen, unter anderem mit Eric Clapton, Frida, Robert Plant, Tina Turner, Phenix Horns, Philip Bailey, Brand X und vielen anderen namhaften Künstlern. Er begann, sehr erfolgreich Filmmusik zu schreiben und gründete in den 1990er Jahren seine eigene Bigband.
Collins’ Privatleben ist von intensiven persönlichen Problemen begleitet, insbesondere was seine Beziehungen angeht, aus denen er fünf Kinder hat. Er war dreimal verheiratet. Zudem brachte er immer wieder zum Ausdruck, sein Familienleben und seine Kinder durch seine Karriere über Gebühr zu belasten und zu vernachlässigen. Die persönlichen Erfahrungen machte er häufig zum Gegenstand seiner Musik und versuchte so, das Erlebte zu verarbeiten.
Nachdem er 2007 noch bei zahlreichen Konzerten mit Genesis aufgetreten war, wurde 2009 bekannt, dass Collins unter erheblichen Gesundheitsproblemen leidet. Er kündigte an, zugunsten seines Privat- und Familienlebens seine musikalischen Aktivitäten und sein enormes Arbeitspensum der vergangenen Jahrzehnte deutlich einzuschränken, jedoch nicht gänzlich aufzugeben. Sein bislang letztes Studioalbum Going Back entstand Anfang 2009 und erschien 2010. Bereits im Dezember 2009 hatte sich Collins unter anderem zu seinem seit einer missglückten Rückenoperation stark angegriffenen Gesundheitszustand geäußert,
Collins’ musikalischen Fähigkeiten und seinem großen kommerziellen Erfolg steht eine bisweilen kontroverse, mitunter diskreditierende Berichterstattung und Kritik gegenüber, die vereinzelt auch als Grund für seinen zwischenzeitlichen Rückzug aus dem Musikgeschäft verantwortlich gemacht wird. Während seine herausragende Virtuosität als Schlagzeuger nie bezweifelt wurde und insbesondere seine Veröffentlichungen aus den 1970er und frühen 1980er Jahren von den meisten Kritikern geschätzt wurden, wurde ihm vor allem auf dem Höhepunkt seiner Solokarriere um 1990 oftmals vorgeworfen, seichte Musik für ein Massenpublikum zu produzieren. Collins selbst dementierte jedoch irgendeinen Zusammenhang zwischen seinem Rückzug und der Kritik und äußerte ironisch, dass die Person, über die in dieser Form von einigen Journalisten berichtet wurde, gar nicht er sein könne, da sie rein gar nichts mit ihm gemeinsam habe.
Nach einem weiteren persönlichen Tief, überwundener Alkoholkrankheit und der zeitweiligen Aussöhnung mit seiner dritten Ex-Frau Orianne Cevey kündigte Collins 2015 an, an neuen Titeln zu arbeiten und seine musikalische Tätigkeit wieder aufnehmen zu wollen. Nach einem vollständigen Remastering veröffentlichte er seine sämtlichen Studioalben als Komplettbox neu. Im Frühjahr desselben Jahres spielte er für eine Benefizshow nach siebenjähriger Bühnenpause zusammen mit seinem 15-jährigen Sohn Nic am Schlagzeug seiner Begleitband sein erstes Solokonzert.
Im Sommer 2017 gab Phil Collins trotz erkennbar angeschlagener Gesundheit sein Comeback mit Konzerten in London und Köln und nahm so mit einiger Ironie direkt Bezug auf den Titel seiner ein Jahr zuvor erschienenen Autobiografie Not Dead yet. Auch 2018 und 2019 war Collins, wenn auch gesundheitlich sichtbar eingeschränkt, mit einer 14-köpfigen Band weltweit wieder auf Tournee. Im März 2020 kündigte er an, ab November desselben Jahres erstmals seit 2007 wieder gemeinsam mit Tony Banks und Mike Rutherford sowie seinem Sohn mehrere Genesis-Konzerte in Großbritannien und den USA geben zu wollen. Die Tournee musste wegen der weltweiten COVID-19-Pandemie verschoben werden und begann im September 2021. Collins bestätigte in Interviews, seit 2009 nicht mehr Schlagzeug spielen zu können, betrat die Bühne mit Gehhilfe und musste die Konzerte sitzend bestreiten, die Drums übernahm wieder sein Sohn. Mit Beendigung der Tour im März 2022 gab Collins auch das Ende der Live-Aktivitäten von Genesis bekannt.
Collins besitzt mehrere Ehrendoktortitel und ist Ehrenbürger des US-amerikanischen Bundesstaates Texas. Er lebt seit 2006 meist zurückgezogen in seinem Haus in Féchy am Genfersee. Daneben erwarb er 2015 ein Anwesen an der Biscayne Bay in Miami Beach, das er 2021 wieder zum Verkauf anbot.
Phil Collins wuchs als jüngstes von drei Kindern von Greville Collins (1907–1972) und June Strange (1913–2011) mit Bruder Clive und Schwester Carole im Londoner Vorort Hounslow auf. Im Alter von fünf Jahren bekam er zu Weihnachten ein Spielzeugschlagzeug geschenkt. Dann baute ihm sein Onkel ein provisorisches Schlagzeug, auf dem Collins regelmäßig spielte und so seine Fertigkeiten verbesserte. Als er zwölf Jahre alt war, beteiligte sich seine Mutter mit 50 % des Kaufpreises an der Anschaffung eines richtigen Schlagzeugs, wobei sich Collins die anderen 50 % durch den Verkauf der Modelleisenbahn seines Bruders beschaffte. Er übte, indem er zur Musik im Fernsehen und im Radio spielte, lernte jedoch nie das Lesen oder Schreiben konventioneller Notation; stattdessen verwendete er später ein selbst entwickeltes Notensystem. Er ist Linkshänder.
Collins betätigte sich gerne als Schauspieler und nutzte jede Möglichkeit aufzutreten. Im Alter von 14 Jahren besuchte er die Barbara-Speake-Schauspielschule und erhielt dann in der Westend-Produktion Oliver! als Artful Dodger seine erste Hauptrolle. Im Beatles-Film A Hard Day’s Night trat Collins als Komparse auf. Er sprach auch für die Rolle des Romeo im Film Romeo und Julia vor.
Trotz dieser Anfänge einer Schauspielkarriere konzentrierte sich Collins weiterhin auf die Musik. Während seiner Zeit in der Chiswick Community School gründete er die Schulband The Real Thing und schloss sich später The Freehold an, mit denen er seinen ersten Song Lying Crying Dying schrieb. Seinen ersten Plattenvertrag erhielt Collins als Schlagzeuger von Flaming Youth. Dem 1969 veröffentlichten und durch die Mondlandung inspirierten Konzeptalbum Ark 2 blieb trotz wohlwollender Plattenkritiken der kommerzielle Erfolg versagt. Zwar kürte der Melody Maker das Werk zum Pop-Album des Monats und beschrieb es als „wunderbar gespielte Musik für Erwachsene mit schönen, dichten Harmonien“, doch wurde die Singleauskopplung From Now On im Radio nicht gespielt, und die Plattenverkäufe blieben gering. Ein Jahr lang begab sich die Gruppe auf Tournee, löste sich dann wegen Bandstreitigkeiten und anhaltender Erfolglosigkeit auf.