Eine Pferdebahn, Pferdeeisenbahn, Pferderollbahn, Pferdestraßenbahn, Pferdetramway, Pferdetram oder schweizerdeutsch Rösslitram ist ein auf Schienen laufendes Verkehrsmittel, bei dem Pferde beziehungsweise seltener Maultiere oder Ochsen als Zugtiere dienen. Pferdebahnen gelten als technische Vorläufer der heutigen Eisenbahnen und Straßenbahnen, die heute in aller Regel mittels Lokomotiven oder Triebwagen bewegt werden.
Die ersten Eisenbahnen auf eisenbeschlagenen Holzbohlen wurden mit Arbeitspferden als Zugtieren betrieben; es waren meist kurze Grubenbahn-Strecken. Doch gab es auch längere Strecken, so war beispielsweise die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden, auf der Pferde die Kutschen und Wagengespanne zogen, 128 Kilometer lang. Im Ruhrgebiet gab es schon vor der Eröffnung der ersten mit Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahnen um 1835 bis 1838 ein Pferdebahn-Netz von etwa 50 km Gesamtlänge.
Folgende Eisenbahnstrecken wurden ganz oder teilweise als bedeutende Pferdebahn betrieben:
Waggonway Tranent–Cockenzie, erste Pferde-Feldbahn in Schottland, 1722. Umspurung und Umstellung auf Dampftraktion 1880.
Little Eaton Gangway oder Derby Canal Railway, 1792–1908, Güterbahn mit 6 km Länge auf Rillenschienen in Little Eaton in Derbyshire
Rauendahler Schiebeweg in Bochum-Sundern/Hattingen-Baak 1787 oder 1794, Gefällestrecke(n), Bewegung der beladenen Wagen durch Schwerkraft, Rückführung der leeren Wagen mit Pferdekraft.
Pferdegezogene Schmalspurbahn der Hay Railway Company, 1816 eröffnet. Diese Bahn verband Eardisley in Herefordshire, England, mit Brecon in Wales auf einer Streckenlänge von 24 Meilen. Die Gesellschaft ging 1860 in der Hereford, Hay and Brecon Railway auf und die Strecke wurde für den Betrieb mit Dampflokomotiven auf Normalspur umgestellt.
Stratford and Moreton Tramway, 1826, zwischen Stratford-upon-Avon und Moreton-in-Marsh mit einer späteren Stichstrecke nach Shipston-on-Stour, etwa 25 km, hauptsächlich Güterverkehr; 1889 teilweise auf Dampfbetrieb umgestellt, Rest um 1904 stillgelegt.
Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden 1827, alte Handelsstraße Goldener Steig, erste Ferneisenbahn des europäischen Kontinents, bei Umstellung auf Dampfbetrieb großteils neu trassiert.
Bahnstrecke Saint-Étienne–Andrézieux, 1827–1844 als Pferdebahn, danach Lokomotivbetrieb
Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn zwischen Silschede und Haspe, 1828–1877, danach Dampfbetrieb mit zwei Lokomotiven
Bahnstrecke Saint-Étienne–Lyon, Personenverkehr 1829–1844 als Pferdebahn, Güterzüge von Anfang an teilweise mit Dampfbetrieb.
Wuppertal-Vohwinkel–Essen-Überruhr als Prinz-Wilhelm-Eisenbahn 1831–1847, danach Dampfbetrieb
Ludwigseisenbahn-Gesellschaft erhielt am 19. Februar 1834 die königlich bayerische Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg und Fürth, erstmals wurde der Pferdebahnbetrieb in Deutschland 1835 mit einer Dampflokomotive (Adler) ergänzt.
Tyrnauer Pferdeeisenbahn, 1840: erster Teil zwischen Pressburg–Sankt Georgen (1846: 63 km, umgebaut in eine Lokomotiveisenbahn in den 1870er Jahren)
Pferdebahn Hennef–Ruppichteroth 1860–1863, danach Dampfbetrieb (ab 1934 auch Dieseltriebwagen). Bis 1971.
Cottbus-Schwielochsee-Eisenbahn 1846–1879 – etwa 31 km lang, konnte nicht nachgerüstet werden.
Die 1853 eröffnete nordirische Bahnstrecke Fintona Junction–Fintona lief im Personenverkehr als Pferdebahn, während die Güterzüge von Dampfloks gezogen wurden.