An diesem Tag

Petra Kelly

Deutsche Politikerin, MdB, Friedensaktivistin und Gründungsmitglied der Grünen (1947-1992)

Anúncio

Petra Karin Kelly (* 29. November 1947 als Petra Karin Lehmann in Günzburg; † vermutlich 1. Oktober 1992 in Bonn) war eine deutsche Politikerin (Die Grünen) und international bekannte Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin. Sie war Gründungsmitglied der Partei Die Grünen und von 1983 bis 1990 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Kindheit, Jugend und Ausbildung

Petra Lehmann wurde in Günzburg als einzige Tochter von Margarete Marianne Birle und Richard Siegfried Lehmann geboren. Der Vater verließ die Familie, als sie sieben Jahre alt war. Nach eigenen Angaben wurde sie „aufgrund vieler Nierenoperationen über Jahre hinweg“ „seit dem siebten Lebensjahr sehr häufig geröntgt“. Da die Mutter ganztags arbeitete, wurde Lehmann vor allem von der Großmutter aufgezogen. Mit zwölf Jahren hatte sie die Vorstellung, eine „engagierte Nonne in der Dritten Welt“ werden zu wollen. Durch die Heirat ihrer Mutter mit dem in Würzburg stationierten US-Offizier John Edward Kelly änderte sich ihr Familienname in Kelly. Im Mai 1959 wurde die Schwester Grace Patricia geboren. Ende 1959 übersiedelte die Familie in die USA, 1960 kam der Bruder John Lee zur Welt.

Die Familie lebte in Columbus, Georgia, wo Petra Kelly die Baker High School besuchte, und in Hampton, Virginia, wo sie die Hampton High School besuchte. 1966 machte sie dort ihren Schulabschluss mit Auszeichnung als beste Schülerin und begann anschließend ihr Studium der politischen Wissenschaften und Weltpolitik an der American University in Washington, D.C. Wenige Monate später erkrankte ihre Schwester an Krebs. Die Eltern zogen mit den beiden Geschwistern zurück nach Deutschland, um sie am Universitätsklinikum Heidelberg behandeln zu lassen. Sie verstarb am 17. Februar 1970.

Während ihres Studiums in Washington war Petra Kelly Mitglied im Studentenrat, organisierte politische Seminare und Vorträge und nahm an Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und die Rassendiskriminierung teil. Sie lernte dabei die politische Kultur der US-amerikanischen Gesellschaft und den gewaltfreien Protest der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung kennen. Ihre Vorbilder waren unter anderem Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Sie beschäftigte sich mit weiblichen Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg, George Sand, Emma Goldman und Helen Keller und entwickelte ein „feministisches Bewusstsein“. Ihr Eintritt in die praktische Politik erfolgte mit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 1968, in dem sie sich für Senator Robert F. Kennedy und nach dessen Ermordung für Vizepräsident Hubert H. Humphrey engagierte.

Petra Kelly schloss ihr Studium in Washington mit dem Bachelor of Arts ab, ausgezeichnet als „beste ausländische Studentin“ („Most Outstanding Foreign Women Student“). Im Herbst 1970 kehrte sie nach Europa zurück und erwarb im Jahr 1971 an der Universiteit van Amsterdam den Master of Arts in Politischen Wissenschaften und Europäischer Integration. Gleichzeitig arbeitete sie als Forschungs-Assistentin am Europa-Institut.

Weiterer Werdegang – politisches und zivilgesellschaftliches Engagement

Petra Kellys berufliche Laufbahn begann im Herbst 1971 bei der EG-Verwaltung in Brüssel. Im Jahr 1973 wurde sie Verwaltungsreferendarin im Wirtschafts- und Sozialausschuss, später Verwaltungsrätin im Sekretariat der Fachgruppen Sozialfragen, Umweltschutz, Gesundheitswesen und Verbrauch. Sie war bis 1982 für die Europäische Kommission in Brüssel tätig und arbeitete an etwa 150 Stellungnahmen für den Rat und die Kommission der Europäischen Gemeinschaft mit.

Inspiriert durch Willy Brandt und seine neue Ostpolitik trat Kelly im Jahr 1972 in die SPD ein. Im selben Jahr wurde sie aktives Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und Mitarbeiterin des BBU-Umweltmagazins. Sie übernahm die Aufgabe, internationale Kontakte herzustellen, und wurde 1979 in den Bundesvorstand des Verbands gewählt.

Ein Jahr zuvor, 1978, verlor sie, wie sie im Jahr 1982 mitteilte, ein Kind in der 6. Schwangerschaftswoche. Sie sagte dazu: „Dass es an den Röntgenaufnahmen lag, kann ich niemals beweisen“, und fragte sich: „Doch wenn sie schon bei einem Fötus irren – wie steht es dann mit der gesamten Atomindustrie?“

Mit weiteren im BBU Aktiven wurde sie Redaktionsmitglied der von den Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) herausgegebenen Zeitschrift Forum Europa, in deren Umfeld sich ein wichtiges Netzwerk für die künftigen Grünen entwickelte. Sie engagierte sich in zahlreichen Gremien wie der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner e. V., der „Union Syndicale“ in Brüssel, der Humanistischen Union und der „Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion“ in Lüchow-Dannenberg. Ferner unterstützte sie gewaltfreie Frauen-, Ökologie- und Friedensbewegungen in Europa, den USA, Japan und Australien.

Kelly war der Ansicht, dass Bundeskanzler Helmut Schmidt die SPD von den Prinzipien Willy Brandts wegführte, und weigerte sich, seine Zustimmung zur Stationierung amerikanischer Pershing-Raketen in der BRD mitzutragen. Im Jahre 1979 erklärte sie in einem Offenen Brief an Helmut Schmidt ihren Austritt aus der SPD als „Frage des Gewissens“: „Die Sozialdemokratische Partei und Sie … sind dem sich aufdrängenden Zusammenhang zwischen Umweltbelastungen und Gesundheitsgefährdungen nicht gerecht geworden“. Sie kündigte eine „neue Form der politischen Vertretung“ an, „wo nicht nur der Lebensschutz und der Frieden endlich Priorität erhalten werden, wo aber auch der Grundsatz von der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen echt praktiziert wird.“

Als anerkannte und über die deutschen Grenzen hinaus bekannte Vertreterin der Anti-Atomkraft-Bewegung wurde sie zur Spitzenkandidatin der Sonstigen Politischen Vereinigung (SPV) „Die Grünen“ für die Europawahl 1979 – sie teilte sich diese Position gemäß Rotationsprinzip mit Herbert Gruhl.

Petra Kelly gehörte 1980 zu den Gründungsmitgliedern der Partei Die Grünen, wurde im März 1980 in deren Bundesvorstand und neben August Haußleiter und Norbert Mann zur Bundesvorstandssprecherin gewählt. In den Anfangsjahren der Partei war Kelly eines ihrer prominentesten Mitglieder. Auf dem Parteitag in Offenbach 1981 erfolgte ihre Wiederwahl in den Parteivorstand. In diesem Jahr beteiligte sie sich an der Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten gegen atomare Aufrüstung.

Zu dem von Kelly mit Jo Leinen herausgegebenen Buch Prinzip Leben, in dem ökologische Probleme und ein potentieller Atomkrieg diskutiert werden, schrieb Gerhard Schröder 1982 einen Beitrag in Die Zeit. Bei den bayerischen Landtagswahlen trat Kelly als Spitzenkandidatin an, die Grünen scheiterten aber mit 4,6 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Auf dem Parteitag im November 1982 verzichtete sie wegen des Rotations-Prinzips auf eine erneute Kandidatur für das Sprecheramt im Bundesparteivorstand.

Im Jahre 1983 zogen die Grünen erstmals in den Deutschen Bundestag ein, Petra Kelly erhielt ein Mandat über die bayerische Landesliste. Sie wurde erste Fraktionssprecherin neben Otto Schily und Marieluise Beck-Oberdorf und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses sowie der Unterausschüsse für Abrüstung und Rüstungskontrolle und für Fragen der Europäischen Gemeinschaft. Ferner vertrat sie die Grünen in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats und der Westeuropäischen Union. Schwerpunkte ihrer Arbeit im Bundestag und in der Fraktion Die Grünen waren Friedenspolitik und Menschenrechte. Petra Kelly arbeitete auch als Bundestagsabgeordnete weiterhin eng mit außerparlamentarischen Gruppen, insbesondere mit internationalen Friedens- und Menschenrechtsorganisationen zusammen und unterstützte Oppositionsgruppen in den sozialistischen Ländern Osteuropas. Sie besuchte beispielsweise Dissidenten in der DDR und versorgte sie heimlich mit dort schwer zu beschaffenden Materialien wie Schreibmaschinen und Literatur und förderte so die politische Bedeutung und die Wirkungsmöglichkeiten der DDR-Bürgerrechtsbewegung.

Am 4. Mai 1983 führte sie zusammen mit der Abgeordneten Gabriele Gottwald im Bundestag anlässlich einer Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl eine Protestaktion durch. Dabei wurde Kohl für den Tod des wenige Tage zuvor in Nicaragua von Contras ermordeten deutschen Arztes Albrecht Pflaum mitverantwortlich gemacht. Am 12. Mai entrollten Kelly, Gert Bastian und drei weitere Bundestagsabgeordnete der Grünen vor der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Berlin-Ost ein Transparent mit der Aufschrift „Die Grünen – Schwerter zu Pflugscharen“ und trafen sich nach ihrer vorübergehenden Festnahme mit DDR-Oppositionellen. Dies duldeten die DDR-Behörden, weil die westdeutschen Grünen den NATO-Doppelbeschluss ablehnten. Im Oktober 1983 empfing Staatsratschef Erich Honecker Petra Kelly, Gert Bastian und weitere Grüne zu einem Gespräch. Kelly trug einen Pullover, auf dem „Schwerter zu Pflugscharen“ gedruckt stand. Sie forderte die Freilassung aller „Verhafteten der DDR-Friedensbewegung“ und fragte Honecker, warum er in der DDR verbiete, was er im Westen unterstütze. Im September 1983 nahm Kelly an der Sitzblockade des Raketenstützpunktes auf der Mutlanger Heide teil.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Petra Kelly | World in Stories