Peter von Matt (* 20. Mai 1937 in Luzern; † 21. April 2025 in Zürich) war ein Schweizer Germanist und Schriftsteller. Er lehrte rund 25 Jahre lang Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Publizisten des Landes.
Peter von Matt entstammte einer Familie von Druckern, Buchbindern, Verlegern und Antiquaren. Er wuchs in Stans im Kanton Nidwalden auf und besuchte das von Kapuzinern geführte Gymnasium St. Fidelis. An der Universität Zürich und in Nottingham studierte er Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte. Von Matt wurde bei Emil Staiger über Franz Grillparzer promoviert. 1970 habilitierte er sich mit einer Arbeit über E. T. A. Hoffmann.
Von 1976 bis 2002 lehrte von Matt als Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich. 1980 war er Gastprofessor an der Stanford University in Kalifornien und 1992/1993 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Von Matt schrieb regelmässig Beiträge für die Frankfurter Anthologie. Marcel Reich-Ranicki hatte ihn für sie entdeckt. 1998 war von Matt der erste Preisträger der 1974 gegründeten Anthologie.
Der Literaturwissenschaftler war mit Max Frisch eng befreundet. Gemeinsam mit Siegfried Unseld, Peter Bichsel und Adolf Muschg war er Mitgründer der von Max Frisch 1979 initiierten Max Frisch-Stiftung, deren Präsident er von 1979 bis 2013 war. «Er galt als der Brückenbauer zwischen den Granden Frisch und Dürrenmatt einerseits und den Nachfolgegenerationen andererseits, nicht zuletzt war er entscheidend an der Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs beteiligt.»
Von Matt war Mitglied des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt, der Sächsischen Akademie der Künste, der Akademie der Künste Berlin, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Academia Europaea (1990).
Er war mit der Literaturkritikerin und Publizistin Beatrice von Matt verheiratet und lebte mit ihr ab 1975 in Dübendorf bei Zürich. Der Ehe entstammen zwei Kinder. Im Jahr 2022 gab das Schweizerische Literaturarchiv den Abschluss der Übernahme der Archive von Peter und Beatrice von Matt bekannt.
Im April 2025, knapp einen Monat vor seinem 88. Geburtstag, starb Peter von Matt nach langer Krankheit in Zürich.
Für von Matt ist Literatur Handlung. In seinen Büchern geht er von anthropologisch relevanten Konflikten aus (Liebesverrat, Generationenkonflikt, Intrige), die einerseits überhistorisch konstant sind, andererseits sich je nach sozialem oder geschichtlichen Umfeld anders artikulieren.
In seinem Buch Liebesverrat stellt er die These auf, dass es in Romanen und Dramen nur drei mögliche Schlüsse gebe, die er mit den Chiffren «Hochzeit», «Mord» und «Wahnsinn» bezeichnet. «Hochzeit» steht dabei für die Versöhnung, den Frieden, «Mord» für den radikalen Konflikt, «Wahnsinn» für das Heraustreten aus dem sozialen Ganzen, für das auch der Suizid stehen kann. Diese Theorie lehnt sich an die auf Paul Watzlawick zurückgehenden drei Grundmuster in der Begegnung zwischen zwei Menschen an: Anerkennung, Ablehnung und Ignorieren.
Der Grundriss von Grillparzers Bühnenkunst. Dissertation. Atlantis-Verlag, Zürich 1965.
Die Augen der Automaten. E.T.A. Hoffmanns Imaginationslehre als Prinzip seiner Erzählkunst. Habilitationsschrift. M. Niemeyer, Tübingen 1971, ISBN 3-484-18018-8. Reprint: De Gruyter, Berlin/Boston 2015: ISBN 978-3-48-418018-5.
Literaturwissenschaft und Psychoanalyse. Eine Einführung. Rombach, Freiburg (Breisgau) 1972; ISBN 978-3-7930-0964-1; Reclam, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-15-017626-9.
… fertig ist das Angesicht. Zur Literaturgeschichte des menschlichen Gesichts. Hanser, München/Wien 1983, ISBN 978-3-446-13861-2. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 978-3-518-38194-6. Dtv, München 2000, ISBN 978-3-423-30769-7. Hanser, München 2014, ISBN 978-3-446-24785-7.
Liebesverrat. Die Treulosen in der Literatur. Hanser, München 1989, ISBN 978-3-446-15611-1. Dtv, München 2008, ISBN 978-3-423-30143-5.
Das Schicksal der Phantasie. Studien zur deutschen Literatur. Hanser, München 1994, ISBN 978-3-446-17689-8.
Der Zirkelschmied. Hebels letzter Gauner (= Schriftenreihe des Hebelbundes Lörrach, Heft 41). 1994.
Verkommene Söhne, mißratene Töchter. Familiendesaster in der Literatur. Hanser, München 1995, Neuauflage: München 2014, ISBN 978-3-446-24783-3.
Die verdächtige Pracht. Über Dichtung und Gedichte. Hanser, München 1998, ISBN 978-3-446-19494-6.