Peter Trawny (* 17. Dezember 1964 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Philosoph und Hochschullehrer an der Bergischen Universität Wuppertal. Er leitet dort das 2012 von ihm gegründete Martin-Heidegger-Institut.
Trawny stammt aus einer Familie von Bergleuten und arbeitete nach der Schule selbst im Bergbau. Er studierte Philosophie, Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum, wo er, nach einem Gastaufenthalt an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und an der Universität Basel, das Magisterium 1992 abschloss. 1995 wurde er in Wuppertal bei Klaus Held promoviert mit der Dissertation Grundstimmung. Martin Heideggers Phänomenologie der Welt zum Dr. phil., die mit dem Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert und 1997 mit dem Zweiten Förderpreis aller Fakultäten der Bergischen Universität Wuppertal ausgezeichnet wurde.
Danach folgte ein zweimonatiger Aufenthalt an der University of Kyoto in Japan mit einem Stipendium der Japan Society for the Promotion of Science. Ab 1997 war Peter Trawny wissenschaftlicher Assistent an der Bergischen Universität Wuppertal am Lehrstuhl des Phänomenologen Klaus Held. 2000 habilitierte er sich an der Universität Wuppertal zum Thema Die Zeit der Dreieinigkeit. Untersuchungen zur Trinität bei Hegel und Schelling. Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung arbeitete er nach seiner Habilitation von 2001 bis 2003 am Philosophischen Seminar der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität. Das Deutsche Literaturarchiv in Marbach am Neckar gewährte Trawny 2005 ein Vollstipendium und ehrte ihn 2006 mit dem Ernst-Jünger-Stipendium des Landes Baden-Württemberg. Im selben Jahr wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Philosophie an der Bergischen Universität Wuppertal ernannt.
2009 vertrat Trawny eine W3-Professur an der Bergischen Universität für Ästhetik und Kulturphilosophie. 2011 folgte eine weitere Vertretungsprofessur an der Södertörns Högskola in Stockholm am Center for Baltic and East European Studies. 2012 begründete Trawny das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, für dessen Unterstützung er unter anderem die Familie Heideggers gewinnen konnte.
Trawny lehrte neben seiner internationalen Vortrags- und Forschungstätigkeit als Gastprofessor an mehreren internationalen Universitäten, wie an der Universität Wien, der Tongji-Universität in Shanghai oder der Södertörns Högskola in Stockholm am Center for Baltic and East European Studies.
Seit 2015 ist er für die Planung des philosophischen Programms im Verlag Vittorio Klostermann zuständig.
Trawnys Zugang zu philosophischen Problemen bedient sich einer phänomenologisch-hermeneutischen Methode. Im Zentrum seiner Arbeit befinden sich Fragen der Politischen Philosophie, der Ethik, der Technik- und Medienphilosophie sowie Fragen der Kunst und Literatur.
Neben seiner Forschung und Lehre ist Trawny durchgängig an der wissenschaftlichen Edition der Martin-Heidegger-Gesamtausgabe beteiligt.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Peter Trawny als Herausgeber von Heideggers Notiz- und Denktagebüchern (den sogenannten Schwarzen Heften) bekannt, die die Debatte um Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus neu entfacht haben. Trawny zeigt, dass Heideggers Antisemitismus nicht nur sein Privatleben prägte, sondern auch seine Philosophie der Seinsgeschichte kontaminiert. Trawny wurde in diesem Zusammenhang vorgeworfen, seine unkritische Haltung zu Heideggers Antisemitismus habe auf die Herausgebertätigkeit abgefärbt.
Michèle Cohen-Halimi, Francis Cohen: Der Fall Trawny. Zu den Schwarzen Heften Heideggers. Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Oliver Precht (Neue Subjektile). Wien-Berlin: Verlag Turia + Kant 2016, ISBN 978-3-85132-850-9.
Martin Heideggers Phänomenologie der Welt, Karl Alber Verlag, Freiburg/München 1997, ISBN 978-3-495-47865-3
Die Zeit der Dreieinigkeit. Untersuchungen zur Trinität bei Hegel und Schelling, Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 978-3-8260-2370-5
Martin Heidegger. Einführung, Campus Verlag, Frankfurt und New York 2003, ISBN 978-3-593-37359-1
Heidegger und Hölderlin oder Der Europäische Morgen, Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 978-3-8260-2631-7
Denkbarer Holocaust. Die politische Ethik Hannah Arendts, Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 978-3-8260-3082-6
Sokrates oder Die Geburt der Politischen Philosophie, Königshausen & Neumann, Würzburg 2007, ISBN 978-3-8260-3625-5
Die Autorität des Zeugen. Ernst Jüngers politisches Werk, Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2009, ISBN 978-3-88221-643-1
„Adyton“. Heideggers esoterische Philosophie, Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2010, ISBN 978-3-88221-662-2