Peter Howard Selz (* 27. März 1919 in München; † 21. Juni 2019 in Albany, Kalifornien) war ein amerikanischer Kunsthistoriker, Museumsleiter, Ausstellungskurator und Hochschullehrer der University of California, Berkeley deutscher Herkunft.
Peter Howard Selz (ursprünglich Hans Peter Selz) wurde als Sohn des jüdischen Augenarztes Eugen Selz (1871–1947) und seiner Ehefrau, Edith, geschiedene Weil, geborene Drey, in München geboren. Mit ihm und dem älteren Sohn Edgar Selz (München 1915–2009 Fullerton, Kalifornien) emigrierte das Ehepaar 1936 angesichts der nationalsozialistischen Judenfeindlichkeit aus Deutschland in die Vereinigten Staaten.
Von 1941 bis 1946 diente Peter Selz in der Armee der Vereinigten Staaten. Seine Einbürgerung erfolgte 1942. Er war in erster Ehe von 1948 bis 1965 mit Thalia Cheronis (1925–2010) verheiratet, in zweiter Ehe ab 1983 mit Carole Schemmerling.
Selz besuchte von 1937 bis 1938 die Columbia University in New York. In dieser Zeit nahm er auch mit seinem entfernten Verwandten, dem einflussreichen Künstler, Galeristen und Mäzen Alfred Stieglitz Kontakt auf, der ihn mit vielen New Yorker und europäischen exilierten Künstlern bekannt machte.
Nach dem Krieg schrieb er sich an der University of Chicago ein und erhielt 1949 den Magistergrad (A.M.). Ein erstes Fulbright-Stipendium ermöglichte ihm einen Jahresaufenthalt von 1949 bis 1950 an der Université de Paris und der École du Louvre.
Zurückgekehrt nach Chicago arbeitete er an seiner Dissertation über das von Ulrich Middeldorf vorgeschlagene Thema, den Deutschen Expressionismus. Ein zweites Fulbright-Stipendium 1953 ermöglichte ihm, seine Studien an den Musées Royaux d’Art et d’Histoire in Brüssel fortzusetzen. 1954 promovierte er mit dem Grad eines Ph.D. bei Joshua Charles Taylor zu dem Thema German Expressionist Painting from its Inception to the First World War. Zeitgleich, von 1950 bis 1955, unterrichtete er bereits am Institute of Design in Chicago, Illinois Institute of Technology.
1955 siedelte er nach Claremont in Kalifornien über und übernahm die Leitung des Fachbereichs Kunst des dortigen Pomona College sowie die Leitung der Kunstgalerie für drei Jahre.
Bereits 1958 wurde er als Kurator an das renommierte Museum of Modern Art (MoMA) in New York berufen für den Bereich Malerei- und Skulpturen-Ausstellungen. Am MoMA kuratierte er 1959 „New Images of Man“, die von der Kritik negativ bewertet wurde, und später die berühmte Ausstellung „Homage to New York“ des Künstlers Jean Tinguely mit der sich selbst zerstörenden Skulptur, dazu die erste Retrospektive Auguste Rodins und 1965 eine umfassende Ausstellung der Werke von Alberto Giacometti.
1965 wurde er als Gründungsdirektor des Berkeley Art Museum an die University of California, Berkeley, berufen und leitete das Museum bis 1973. Hier kuratierte er u. a. 1966 die Ausstellung „Directions of Kinetic Sculpture“.
Neben seiner Museumstätigkeit unterrichtete er Kunstgeschichte, z. B. 1976 als Gastprofessor an der Hebräischen Universität Jerusalem im Rahmen der Sam and Ayala Zacks Visiting Lectureship oder 1987 an der City University of New York. Zusätzlich leistete er Gremienarbeit (Advisory Council of the Archives of American Art, dem National Endowment for the Humanities u. a.).
1988 wurde er an der Berkeley-Universität emeritiert.
Selz hatte den glücklichen Vorteil, die deutschen Expressionisten oder deren Nachkommen in den 1950er Jahren noch selbst befragen zu können. Er war einer der ersten Kunsthistoriker, die den deutschen Expressionismus („Die Brücke“, „Der Blaue Reiter“) nicht nur unter dem formalistischen Aspekt einer Abfolge der Stile untersuchten, sondern als Resultat der politischen Verhältnisse. Sein Werk German Expressionism war eines der ersten zu diesem Bereich der Kunstgeschichte, das aus einer englischsprachigen Institution hervorging.
Sein Interesse, Kunst und Politik gemeinsam zu betrachten, blieb fortwährend in seinen Studien erhalten, zuletzt in seinem Werk Art of engagement (2006). Zum anderen trug er auch vermittelnd zum Verständnis der amerikanischen Kunst in Europa bei. Die mit den Kunsthistorikern Chipp, Taylor und Stiles herausgegebenen Sammelwerke künstlerischer Positionen wurden zu Standardnachschlagewerken.
Noch im hohen Alter vermittelte er in einer Vorlesung anlässlich des The Art, Technology, and Culture Colloquium am 23. Februar 2004 in Berkeley seine jahrzehntelangen Erfahrungen und seine Rolle als Professor an der New Bauhaus School von László Moholy-Nagy, als Kurator der monumentalen Jean-Tinguely-Ausstellung „Homage to New York“ 1960 im MoMA New York, als Gründungsdirektor des Berkeley Art Museum und als Kurator der bahnbrechenden Ausstellung „Directions of Kinetic Sculpture“ 1966.
Peter Selz veröffentlichte rund 20 Bücher zur Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts sowie zahlreiche Kritiken und Beiträge.
1967 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für seine Forschungen zum deutschen Expressionismus
German expressionist painting. University of California Press, Berkeley 1957. (Zugleich: University of Chicago, Ph.D., 1954 unter dem Titel: German expessionist painting from its inception to the First World War.).
New images of man. With statements by the artists. [Arno Press, New York 1959] (Nachdruck: 1969).