An diesem Tag

Peter Lilienthal

Deutscher Drehbuchautor, Filmregisseur und Schauspieler

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Peter Lilienthal (* 27. November 1927 in Berlin; † 28. April 2023 in München) war ein deutscher Regisseur und Drehbuchautor.

Peter Lilienthal war der Sohn von Erna Lilienthal, geborener Israel, und des Bühnenbildners Hans Lilienthal sowie ein Nachkomme des Flugpioniers Otto Lilienthal. 1939 floh seine jüdische Mutter mit ihm vor den Nationalsozialisten nach Uruguay, wo sie ein kleines Hotel eröffnete. Lilienthal besuchte ein Gymnasium in Montevideo und studierte nach dem Abitur an der Universität Montevideo Kunstgeschichte, Musik und Jura. Im Universitäts-Filmclub beteiligte er sich an der Produktion von Kurzfilmen.

Von 1956 bis 1959 studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin. 1959 konnte er seinen ersten eigenen Film fertigstellen, den Dokumentarfilm Im Handumdrehen verdient über einen Berliner Leierkastenmann. 1959 bis 1961 arbeitete er als Regie- und Produktionsassistent beim Südwestfunk, 1961 bis 1964 als Hausregisseur beim gleichen Sender in der Abteilung Fernsehspiel. 1964 zog er nach Berlin zurück und arbeitete als freier Regisseur hauptsächlich für den Sender Freies Berlin.

In einer Zeit, in der Einschaltquoten noch eine untergeordnete Bedeutung hatten, inszenierte er für das Fernsehen eine Reihe von Adaptionen des absurden Theaters, die wiederholt mit Fernsehpreisen ausgezeichnet wurden. Auch sein erster Spielfilm, Malatesta, wurde zuerst im Fernsehen gezeigt. 1971 gründete er mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren, aus dem er 1974 wieder ausschied.

In den siebziger Jahren wandte Lilienthal sich in seinen Filmen mehrmals den Problemen in Südamerika zu (La Victoria, Es herrscht Ruhe im Land, Der Aufstand, Das Autogramm).

Einen seiner größten Erfolge feierte er mit dem Film David, der auf der Berlinale 1979 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. In dieser Verfilmung eines autobiografischen Romans schildert er das Leben einer jüdischen Rabbinerfamilie, die zu spät die Gefahren des Nationalsozialismus erkennt. Zu Peter Lilienthals regelmäßigen Mitarbeitern gehörte unter anderen der Kameramann Michael Ballhaus. Bisweilen trat er auch als Schauspieler vor die Kamera, so ist er etwa als Gangster in Wim Wenders’ Der amerikanische Freund von 1976/77 zu sehen.

Lilienthal wurde 1984, auf Anregung von Günter Grass, Gründungsdirektor der Sektion Film- und Medienkunst an der West-Berliner Akademie der Künste. In den neunziger Jahren gründete er eine Sommerakademie, die zu einem begehrten Treffpunkt von Filmschaffenden wurde.

2006 drehte Lilienthal den Dokumentarfilm Camilo – Der lange Weg zum Ungehorsam, eine Produktion der Filmwerkstatt Münster. Der Film handelt von Camilo Mejia, der nach einem zweiwöchigen Heimaturlaub desertiert und zum ersten Kriegsdienstverweigerer des letzten Irakkriegs wird. Neben Camilo, der aus Nicaragua stammt und in den USA im Militärgefängnis wegen Desertion inhaftiert war, ist Fernando Suarez del Solar die zweite Hauptperson, ein gebürtiger Mexikaner, der seinen Sohn in ebendiesem Krieg verlor. In dem Verlangen, in ihrer Wahlheimat USA ein angepasstes Leben zu führen, werden sie beide zu Komplizen der Gewalt. Doch ihre Verwandlung zu aktiven Kriegsgegnern kann ihre Schuldgefühle nicht verdecken. Lilienthal geht es darum zu zeigen, dass Hoffnung besteht, solange Menschen bereit sind, sich zu verändern.

Lilienthal lehrte an der Kunsthochschule für Medien Köln und ab 1966 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Sein Archiv befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.

Peter Lilienthal lebte zuletzt in München. Dort starb er Ende April 2023 im Alter von 95 Jahren. Er wurde auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München beigesetzt.

1965: Berliner Kunstpreis (damals: Preis der Jungen Generation)

1965: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (Frankfurt am Main) für Seraphine oder die wundersame Geschichte der Tante Flora

1967: Adolf-Grimme-Preis in Gold für Der Beginn

1970: Bundesfilmpreis: Filmband in Gold (für Malasteta)

1973: Ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis für Shirley Chisholm for President

1974: Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für La Victoria

1976: Deutscher Filmpreis für den besten Spielfilm für Es herrscht Ruhe im Land

1979: Goldener Bär auf der Berlinale 1979 für David

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