Peter Horst Neumann (* 23. April 1936 in Neisse, Oberschlesien; † 27. Juli 2009 in Nürnberg) war ein deutscher Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler. Er wirkte unter anderem als Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen.
Nach der Vertreibung 1945 wuchs der in Neiße (heute Nysa) geborene Peter Horst Neumann in Aue (Sachsen) auf, wo er 1955 auch sein Abitur bestand. In Leipzig studierte er von 1955 bis 1958 Musik (Gesang, Klavier, Kontrabass) und Musikwissenschaft; 1958 wurde er relegiert und floh nach West-Berlin. An den Universitäten von Berlin und Göttingen studierte er von 1958 bis 1965 Germanistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Philosophie. 1965 wurde er bei Walther Killy an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über Jean Pauls Roman Flegeljahre zum Dr. phil. promoviert. Von 1965 bis 1968 war Neumann wissenschaftlicher Assistent an der Universität Erlangen. Als Ordinarius für Neuere Deutsche Literaturgeschichte lehrte er von 1968 bis 1980 an der Universität Freiburg (Schweiz), von 1980 bis 1983 an der Justus-Liebig-Universität Gießen und von 1983 bis zu seiner Emeritierung 2001 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er war zudem als Gastprofessor an den Universitäten Genf, Bern und Neuenburg tätig, hielt Gastvorträge und publizierte literarische und kritische Beiträge in Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften. Von 1984 bis 2002 war er Präsident der Eichendorff-Gesellschaft; 1995 initiierte er mit Reinhard Knodt die Nürnberger Autorengespräche. Seit 2000 war er Präsident der Goethe-Gesellschaft in Erlangen. Gemeinsam mit Ilse Aichinger und anderen Autorenkollegen übte er im Frankfurter Appell Kritik an der Rechtschreibreform von 1996.
Peter Horst Neumann war katholisch und hatte 1960 geheiratet. Er lebte mit seiner Frau, der Malerin Astrid Neumann, geborene Steinkopf, in Nürnberg. Das Paar adoptierte zwei indische Kinder. Für sein lyrisches Schaffen, mit dem er spät an die Öffentlichkeit trat, wurde Neumann 2002 in die Bayerische Akademie der Schönen Künste berufen. Seit 2004 leitete er als Nachfolger von Albert von Schirnding deren Literaturabteilung.
1996 – Eichendorff-Literaturpreis des Wangener Kreises
1998 – Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde Esslingen
2001 – Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen (Laudatio: Dagmar Nick)
2002 – Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2005 – August-Graf-von-Platen-Preis der Stadt Ansbach
Jean Pauls Flegeljahre. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1966 (= Palaestra 245).
Zur Lyrik Paul Celans. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1968. – Neuausgabe 1990, ISBN 3-525-33567-9.
Konkordanz zur Lyrik Paul Celans. 1969.
Der Weise und der Elefant. Zwei Brecht-Studien. München (Wilhelm Fink) 1970.
Der Preis der Mündigkeit. Über Lessings Dramen. Stuttgart (Klett-Cotta) 1977.
Die Rettung der Poesie im Unsinn. Der Anarchist Günter Eich. Stuttgart (Klett-Cotta) 1981. – Neuausgabe: Aachen (Rimbaud) 2007 (= Rimbaud-Taschenbuch Nr. 57), ISBN 978-3-89086-578-2.
Erschriebene Welt. Essays und Lobreden von Lessing bis Eichendorff. Aachen (Rimbaud) 2004. Titelbild: Astrid Neumann, Feldzeichen. ISBN 978-3-89086-680-2.
Erlesene Wirklichkeit. Essays und Lobreden von Rilke, Brecht und George bis Celan, Jandl und Ilse Aichinger. Aachen (Rimbaud) 2005. Titelbild: Astrid Neumann, Aus Weiß wird Rot. ISBN 978-3-89086-636-9.
Die allegorische Spinne. Kleine Lesereise zum eigenen Gedicht. Hauzenberg (Edition Toni Pongratz) 2007 (Heft 87), ISBN 978-3-931883-48-5.
Gedichte. Sprüche. Zeitansagen. Bargfeld (Bücherhaus) 1994.