An diesem Tag

Peter Handke

Österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur, Träger des Nobelpreises für Literatur 2019

Anúncio

Peter Handke (* 6. Dezember 1942 in Griffen, Kärnten) ist ein österreichischer Schriftsteller und Übersetzer.

Er wurde vielfach ausgezeichnet und gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren. Im Jahre 2019 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Nach seiner Kritik an Sprach- und Bewusstseinsschablonen befasste sich Handke vor allem mit der Entfremdung zwischen Subjekt und Umwelt. Frühwerke wie Publikumsbeschimpfung und Die Angst des Tormanns beim Elfmeter machten ihn ab den späten 1960er Jahren innerhalb kurzer Zeit bekannt. Ab 1996 stellte er sich in den Jugoslawienkriegen wiederholt an die Seite Serbiens und serbischer Nationalisten, was bis in die Gegenwart zu Kontroversen führt.

1942 bis 1945 – Geburt und Kriegsjahre

Peter Handke wurde im Haus seines Großvaters Gregor Sivec (Siutz) (1886–1975) im Griffener Ortsteil Altenmarkt (slowenisch: Stara vas) am 6. Dezember 1942 geboren. Zwei Tage später empfing er in der Stiftskirche Maria Himmelfahrt in Griffen die katholische Taufe. Seine Mutter war Maria Handke, geborene Sivec (Siutz) (1920–1971), eine Kärntner Slowenin. Sie hatte 1942 seinen bereits verheirateten leiblichen Vater, den deutschen Bankangestellten Erich Schönemann, der als Soldat in Kärnten stationiert war, kennengelernt. Noch vor seiner Geburt heiratete seine Mutter dann den Berliner Straßenbahnschaffner und Wehrmachtssoldaten Adolf Bruno Handke († 1988), seinen späteren Stiefvater. Peter Handke erfuhr erst kurz vor seiner Matura 1961 von seinem leiblichen Vater.

Zunächst blieb die Familie Siutz vom Krieg weitgehend verschont, doch wurden alle drei Söhne zur Wehrmacht eingezogen. Im Juli 1943 kam der jüngste Bruder der Mutter, der 20-jährige Hans Siutz, an der Ostfront ums Leben; im November 1943 auch der älteste Bruder, Gregor Siutz junior. Kurz vor Kriegsende waren die Auswirkungen des Krieges auch in Griffen zu spüren: Einheimische Slowenen wurden in Konzentrationslager verschleppt, und gelegentlich war die Gegend das Ziel von Aktionen slowenischer Partisanen. Auch Bomben fielen, wobei die Dorfbewohner Felsenhöhlen als Luftschutzbunker nutzten.

1945 bis 1948 – Berlin und Rückkehr nach Griffen

Die Familie bezog eine Wohnung in Pankow, das zum sowjetischen Sektor der stark zerstörten Stadt Berlin gehörte. Doch weder fand Adolf Handke eine dauerhafte Arbeit noch machte die politische Situation Hoffnungen auf Besserung. Kurz vor der am 24. Juni 1948 verhängten Berlin-Blockade verließ die inzwischen vierköpfige Familie (Tochter Monika war am 7. August 1947 zur Welt gekommen) im Morgengrauen die Stadt und fuhr mit der Bahn zurück in Richtung Griffen. Die Grenzüberfahrt nach Österreich erfolgte mangels Pässen illegal in einem Lastwagen. Für Peter Handke gehörte dieses Abenteuer zu den ersten intensiven Kindheitserlebnissen, an die er sich später erinnern konnte. In einem Schulaufsatz von 1957 beschrieb er die Umstände der Rückkehr ausführlich.

1948 bis 1954 – Dorfleben und erste Schuljahre in Griffen

In Griffen soll der sechsjährige Peter auch wegen seines zwischenzeitlich erworbenen Berliner Dialekts zunächst nur schwer Anschluss an Spielkameraden gefunden haben. Der Vater erhielt eine Zeit lang Arbeitslosenunterstützung, die er jedoch zunehmend für Alkohol ausgab. Zwischen den Eltern kam es regelmäßig zu Streitereien. Schließlich fand der Vater Anstellung bei seinem Schwager Georg Siutz, aber die Handkes gehörten weiterhin zur ärmeren Bevölkerung. Handke selbst nannte sich später einen „Kleinhäuslersohn“.

Neben diesen Problemen erlebte das Kind auch eine provinzielle Dorfidylle, die von wiederkehrenden Arbeiten, Kirchenbesuchen, Spaziergängen, Schlachtfesten und Kartenspielen geprägt war. Viele dieser Eindrücke verarbeitete Handke später in seinen Büchern. So besteht sein Erstlingsroman „Die Hornissen“ aus vielen bildreichen Schilderungen dieses Dorflebens.

Peter Handke wurde am 13. September 1948 eingeschult und besuchte die Volksschule Griffen bis 1952. Nach der vierten Klasse wechselte er für zwei Jahre bis zum 10. Juli 1954 auf die Griffener Hauptschule für Knaben und Mädchen. Seine schulischen Leistungen wurden fast ausschließlich mit „gut“ und „sehr gut“ benotet. Den anschließenden Wechsel in das Priesterseminar Marianum in Maria Saal mit dem angeschlossenen katholisch-humanistischen Gymnasium Tanzenberg unternahm der Zwölfjährige selbst, indem er sich vom Pfarrer im Stift die nötigen Formulare besorgte. Das Marianum diente primär der Heranbildung von Priesternachwuchs, eine Aufnahme erfolgte in der Regel nur auf Empfehlung eines Geistlichen. Doch am Gymnasium lehrten weltliche Schulprofessoren in humanistischer Tradition. Am 7. Juli 1954 bestand Handke die Aufnahmeprüfung, wurde aber auf Anraten eines Schulprofessors in die zweite – statt in die altersmäßig angemessene dritte – Klasse des Gymnasiums eingeschult, da er noch über keinerlei Lateinkenntnisse verfügte.

1954 bis 1959 – Internatszeit in Tanzenberg

Kurz nach Schulbeginn in Tanzenberg verfasste der Schüler Peter Handke einen sechzehnseitigen Text mit dem Titel Mein Leben. 2. Teil – die Anfänge seiner Affinität zum Schreiben. Seine schulischen Leistungen blieben auch im Gymnasium hervorragend, er schloss alle Klassen mit sehr guten Ergebnissen ab. Zur sprachlichen Ausbildung gehörten Latein, Griechisch, Englisch sowie – jeweils nur ein Jahr – Italienisch und Slowenisch. Eine wichtige Beziehung baute er zum Schulprofessor Reinhard Musar auf, der 1957 die Klasse übernahm und Deutsch und Englisch unterrichtete. Musar erkannte sein Schreibtalent und bestärkte ihn darin. Handke las ihm Texte vor und besprach sie mit ihm auf Spaziergängen. Später nahm Musar Einfluss auf die Studienwahl Handkes: Er empfahl ihm, der Schriftsteller werden wollte, ein Jurastudium, da dieses nur wenige Monate im Jahr intensives Faktenlernen erfordere und der Rest der Zeit zum Schreiben frei bleibe. Prägend in dieser Zeit wurde für Handke die in dem katholischen Internat verbotene Lektüre der Bücher William Faulkners und Georges Bernanos’. In der Tanzenberger Zeit veröffentlichte er erste literarische Texte in der Internatszeitschrift Fackel.

1959 bis 1961 – Schulabschluss in Klagenfurt

Mitte des Schuljahres 1959, in der siebten Gymnasialklasse, wechselte er auf eigenen Wunsch die Schule. Die katholische Internatsenge mit ihren morgendlichen Messen und vielen Verboten war dem Schüler zunehmend unerträglich geworden. Als ihm eines Tages die Lektüre verbotener Bücher (von Graham Greene) nachgewiesen wurde, zog er selbst die Konsequenz. Er kehrte nach Griffen zurück, wo die Eltern ein Haus auf dem Grundstück des Großvaters gebaut hatten, und besuchte fortan das humanistische Bundesgymnasium im 35 Kilometer entfernten Klagenfurt. Die Fahrt dorthin legte er täglich mit dem Bus zurück. Noch 1959 nahm er an einem Klagenfurter Schüler-Literaturwettbewerb teil und erhielt dort eine Auszeichnung, woraufhin zwei Texte von ihm (Der Namenlose am 13. Juni 1959 und In der Zwischenzeit am 14. November 1959) in der Kärntner Volkszeitung veröffentlicht wurden. Von seinen nun intensiveren Schreibversuchen gibt auch eine Aussage der Schwester Monika Zeugnis, die sich über seine schlechte Laune beschwerte, wenn es mit dem Schreiben nicht voranging. 1961 erlangte er die Matura mit Auszeichnung.

1961 bis 1965 – Studium in Graz

Noch 1961 begann Handke ein Studium der Rechtswissenschaften an der Juristischen Fakultät der Universität Graz. Während der gesamten Studienzeit bewohnte er ein kleines Zimmer im Stadtteil Graz-Waltendorf zur Untermiete. Seine Studienpflichten absolvierte er, wenn auch nicht mit Begeisterung, so doch regelmäßig und erfolgreich. Prüfungen absolvierte er meist mit Auszeichnung. Das Studium finanzierte er mit einem Stipendium, Geld von den Eltern und Arbeiten neben dem Studium. Er gab Nachhilfe in Griechisch und arbeitete in einem Warenversandhaus. Durch die Arbeit in einem von Leuchtstofflampen erhellten Verpackraum schmerzten mit der Zeit seine Augen, weshalb ihm ein Arzt eine Brille mit dunklen Gläsern verschrieb. Die dunklen Brillengläser wurden später zum Markenzeichen bei seinen öffentlichen Auftritten.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Peter Handke | World in Stories