Peter Hagendorf war ein deutscher Söldner des Dreißigjährigen Krieges, dessen umfangreiches Tagebuch als wichtiges Zeugnis des Söldnerlebens dieser Zeit gilt. Der überlieferte Teil des Tagebuchs umfasst den Zeitraum von 1625 bis 1649. Nach jüngsten Forschungen wird angenommen, dass er identisch mit dem gleichnamigen Richter und Bürgermeister von Görzke (* 1601/02; † 1679 in Görzke) ist, der ab November 1649 im Kirchenbuch der Dorfkirche Görzke unter der Berufsbezeichnung „Soldat“ belegt ist.
Name, Geburtsdatum und Geburtsort des Tagebuchschreibers waren zunächst unbekannt. Historiker gingen davon aus, dass er aus der Gegend um Zerbst/Anhalt stammen musste. Er beherrschte Lesen und Schreiben und war evangelisch. Spätere Forschungen verglichen existierende Taufregister mit Kindstaufangaben des Tagebuchs und ermittelten so den Namen Peter Hagendorf.
Anfang der 1620er Jahre zog Peter Hagendorf nach Italien und verdingte sich nach eigener Darstellung als Söldner in venezianischen Diensten in den Kämpfen 1625 ums Veltlin. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ließ er sich 1627 in Ulm – wohl aus Geldmangel – als Gefreiter in das Infanterieregiment von Gottfried Heinrich zu Pappenheim anwerben. Anschließend begab er sich zum Musterplatz in die Markgrafschaft Baden, wo er am 20. Mai des Jahres Anna Stadler aus Traunstein heiratete. In den Folgejahren nahm er mit dem Regiment Pappenheim auf Seiten der Katholischen Liga an Schlachten des Dreißigjährigen Kriegs teil. Unter anderem, nach eigener Bekundung, 1631 bei der Magdeburger Hochzeit, wo er in der Nähe des Hohepfortetors schwer verwundet wurde. Wegen seiner Lese- und Schreibkenntnisse wurde er vorzugsweise in bürokratischen Bereichen und als militärrechtlicher Richter eingesetzt, gelegentlich zum Korporal ernannt und er war Wachtmeister einer Kompanie. Zudem pflegte Hagendorf Freundschaften zu Führungskräften wie dem Feldscher Melchert Bordt, dem Profos Christoff Issel oder dem Oberstleutnant Quirinus Müller. 1633 starb Anna Stadler in seiner Abwesenheit zusammen mit ihrem vierten Kind im Lazarett in München. Keines der Kinder des Paares wurde älter als ein Jahr. Im selben Jahr traf er in Dinkelsbühl überraschend seinen Vetter, den Glockengießermeister Adam Ill Iligan, der 1622 dort Grundbesitz erworben hatte.
Am 23. Januar 1635 heiratete er in Pforzheim seine zweite Frau, Anna Maria, die Tochter von Martin Buchler, vermutlich ebenfalls einem Landsknecht, der mit seiner Familie Teil des Trosses war. Ab Juni 1641 übernahm Johann von Winterscheidt das Regiment Pappenheim. Zusammen mit einem Fähnrich Nodthaff wurde Hagendorf im November 1641 mit einer Gruppe Verwundeter ins thüringische Mühlhausen abkommandiert und blieb bis zum 7. April 1642. Das dortige Stadtarchiv nennt ihn namentlich als Empfänger von einem Pfund Fleisch, zwei Pfund Brot und einem Maß Bier pro Tag und Mann als Kontribution zur Verpflegung. Ende Februar 1647 kam Hagendorf nach Braunau „dicht am Inn“ und bezog im nahegelegenen Altheim Quartier. Bei seinem Abmarsch Mitte September gab er seinen vierjährigen Sohn Melchert Christoff in die Obhut des Schulmeisters der dortigen Stadtkirche St. Laurenz.
Den Westfälischen Frieden im Jahr 1648 erlebte er als Garnisonssoldat in Memmingen. Nach seinen Tagebuchaufzeichnungen hat er in 24 Jahren 22.400 km (Luftlinie) durch Italien, das Heilige Römische Reich, die Spanischen Niederlande und das Königreich Frankreich zurückgelegt.
Leben nach dem Westfälischen Frieden
Im Mai 1649 holte Hagendorf seinen Sohn aus Altheim und gab ihn an seinem Standort Memmingen im Alter von fünf Jahren und neun Monaten in die Schule. Gleich nach Abdankung der Garnison im September und Zahlung von 39 Gulden ausgehandeltem Sold sowie Abzugsgeld zog er am 26. September 1649 mit seiner Frau und den zwei Kindern auf direktem Weg aus Memmingen aus. Im gleichen Jahr entstand sein Tagebuch neu, als Reinschrift seiner Kriegserlebnisse; die Seiten gegen Ende beschreiben seinen Reiseweg, die letzten Seiten fehlen.
Aufenthalt in Görzke (1649 – 1679)
Unter dem Datum des 9. November 1649 verzeichnet das Kirchenbuch der Dorfkirche Görzke den Taufeintrag eines Jungen namens Peter; kurz darauf folgt dessen Todeseintrag. Als sein Vater wird beide Male „Peter Hagendorf, ein Soldat“ angegeben, der ein Jahr später im selben Kirchenbuch als „Richter und Bürgermeister“ bezeichnet wird. Die Renovierung der vom Krieg schwer zerstörten Dorfkirche fällt in sein erstes Amtsjahr.
Aus seiner ersten Ehe mit Anna Stadler hatte Hagendorf vier Kinder, die alle im ersten oder zweiten Lebensjahr starben. Von den zehn Kindern, die er mit Anna Maria Buchler hatte, erreichten nur Melchior Christoph (Melchert Christoff) und Anna Maria, die noch in Hagendorfs Zeit als Söldner geboren wurden, sowie die in Görzke geborenen Söhne Andreas und Johannes Leonhard das Erwachsenenalter.
Melchior Christoph (Melchert Christoff) Hagendorf (* 6. August 1643 in Pforzheim; † 1721 in Görzke) war dort 47 Jahre lang Richter und Kirchenvorsteher und gehörte zu den größten Grundbesitzern der Gegend.
Anna Maria (* 5. Januar 1648 in Memmingen; † unbekannt)
Andreas Hagendorf (* 1651 Görzke, † vermutlich 1726 in Rädigke) ging ins nahegelegene Rädigke und besaß dort einen Hof, den 1726 dessen Sohn Peter Hagendorf jun. übernahm, der von 1747 bis 1783 zusätzlich den Dornberger-Hof besaß.
Johannes (Hanß) Leonhard, (* Juni 1654 Görzke; † unbekannt) wurde Schneidermeister und Kirchenvorstand.
Das Tagebuch beginnt Anfang der 1620er Jahre, die erste konkrete Jahreszahl ist 1625. Es schildert, wie Hagendorf mit seinem besten Freund Christian Kresse aus Halle am Bodensee entlang durch die Schweiz nach Italien marschiert, um dort am Veltliner Krieg teilzunehmen. Hagendorf wandert über den Gotthardpass zurück nach Deutschland. Beim Abstieg verliert er dabei Kresse vermutlich während eines Wettersturzes.
Er lässt sich dann aus Geldmangel 1627 in Ulm erneut als Söldner anwerben. Nach der Ankunft am Musterplatz heiratet Hagendorf seine erste Frau Anna Stadler aus Traunstein, die ab diesem Zeitpunkt mitmarschiert. Sie bekommt vier Kinder, von denen keines länger als zwei Jahre lebt. Als Anna aufgrund der Folgen der letzten Geburt in einem Münchner Krankenhaus stirbt, trifft Hagendorf das hart. Zwei Jahre lang alleinstehend, schildert er u. a. zwei Begegnungen mit Frauen.
Jan Peters interpretiert das sowohl als mögliche Entführung, als auch als Begegnung mit sogenannten Marketendern. 1635 heiratet Hagendorf in Pforzheim seine zweite Frau, Anna Maria Buchler, die Tochter von Martin Buchler, der zusammen mit seiner Frau mitmarschiert, laut Peters vermutlich ebenfalls ein Landsknecht. Mit ihr bekommt Hagendorf während des Krieges noch sechs weitere Kinder. Hagendorf ist an der Erstürmung Magdeburgs beteiligt, wobei er schwer verwundet wird. Er kämpft hauptsächlich im Regiment Pappenheim, wird zwischenzeitlich jedoch auch von den Schweden zwangsrekrutiert – eine im Dreißigjährigen Krieg übliche Praxis. Seinen Sohn Melchior Christoph (Melchert Christoff) gibt er, als dieser aus dem Kleinkindalter herauswächst, zu einem Schulmeister in Pflege. Melchior Christoph und eine nachgeborene Tochter Anna Maria sind bis zum Schluss der Aufzeichnungen Hagendorfs am Leben.
Den Westfälischen Frieden erlebt Hagendorf in Memmingen und sieht ihn zwiespältig, da ihm dadurch seine Lebensgrundlage genommen wird und er sich nun mit Hilfsarbeit wie der eines Nachtwächters durchschlagen muss. Er beschreibt, wie sich seine Alkoholsucht nach Ende des Krieges wieder verstärkt Bahn bricht und sich seltsame Unfälle häufen, die laut Peters auf ein Unvermögen hinweisen, mit dem Frieden zurechtzukommen. Im Mai 1649 holt er seinen Sohn – ohne eine weitere Erläuterung im Tagebuch – vom Schulmeister im 260 km weit entfernten Altheim ab. Am 26. September 1649, nur einen Tag nach der Abdankung von seinem Regiment, an dem er 39 Gulden (drei Monatsgehälter) Abfindung erhalten hatte, fährt er mit Sohn, Tochter und Frau los. Er reist in hohem Tempo Richtung Nordosten, durchquert am 26. September Babenhausen, am 27. Günzburg, am 28. Gundelfingen, am 29. Nördlingen, am 30. Öttingen. Als letzter Städtename ist „Straszb[]rg“ erkennbar, danach reißen die Aufzeichnungen ab. Wohin seine Reise mit der Familie geht, bleibt offen.