Peter David Ebdon (* 27. August 1970 in Islington, London) ist ein ehemaliger englischer Snookerspieler, der 29 Saisons zwischen 1991 und 2020 als Profispieler verbrachte. In dieser Zeit gewann er unter anderem die Snookerweltmeisterschaft 2002 und die UK Championship 2006, ist aber mangels eines Titels beim Masters nicht Mitglied der Triple Crown.
Ebdon wurde in London geboren und wurde Mitte der 1980er-Jahre zu einem der führenden Amateurspieler seiner Zeit. Während seiner Amateurzeit gewann er unter anderem die Pontins Spring Open 1989 und die U21-Amateurweltmeisterschaft 1990, bevor der damals durch sein unkonventionelles Aussehen bekannte Ebdon zur Saison 1991/92 Profispieler wurde. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein und binnen weniger Jahre gehörte er zur Weltspitze. Schon beim Grand Prix 1993 gewann er sein erstes Profiturnier, zahlreiche weitere Titel folgten in den nächsten Jahren. 1996 erreichte er das Finale der Snookerweltmeisterschaft, verlor aber gegen Stephen Hendry. Nach einer marginalen Verschlechterung auf der Weltrangliste kehrte er am Anfang der 2000er-Jahre wieder in die Weltspitze zurück. 2002 gelang ihm schließlich mit dem Gewinn der Snookerweltmeisterschaft sein größter Erfolg, der ihn auf Platz 3 der Weltrangliste führte.
Der für seine sehr durchdachte Spielweise bekannte und teilweise auch gefürchtete Ebdon fiel trotz einiger weiterer großer Erfolge wie dem Sieg bei der UK Championship 2006 und dem Vize-Weltmeistertitel im selben Jahr auf der Weltrangliste zurück. Zwar konnte er sich bis 2009 noch in den Top 10 halten, musste dann aber sukzessive Verluste auf der Weltrangliste hinnehmen. 2012 gewann er mit den China Open seinen letzten großen Titel. In den folgenden Jahren erreichte er nur noch zwei weitere Endspiele auf Profiebene und fiel auf der Weltrangliste bis in die Gegend um Platz 50 zurück. Im April 2020 gab er wegen anhaltender Schmerzen das Ende seiner Karriere bekannt.
Ebdon wurde im Londoner Ortsteil Islington geboren. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er im Northamptonshire. In seiner Kindheit spielte er Oboe und Cricket und setzte nach dem Erhalt der mittleren Reife seine Schullaufbahn zugunsten einer Snooker-Karriere nicht fort.
Ebdon ist Vater von vier Kindern und interessiert sich für den Pferdesport. Der Autor Chris Turner sieht dieses Interesse neben seiner Heirat und der Vaterschaft als einen Hauptgrund für seine zeitweilige Verschlechterung Ende der 1990er-Jahre an, da Ebdon sich intensiv Studien über die Stammbäume von Rennpferden und seiner Familie widmete. Davon abgesehen trat Ebdon auch als Popsänger in Erscheinung. Bis 2012 veröffentlichte er drei Singles, darunter eine Coverversion des Songs I Am A Clown von David Cassidy.
Ab Mitte der 1980er: Anfänge als Amateur
Seit Mitte der 1980er-Jahre nahm Ebdon an verschiedenen Amateurturnieren teil und wurde schnell zu einem der führenden Amateure seiner Zeit. 1987 nahm er an der English Amateur Championship und der Amateur-Weltmeisterschaft teil. 1989 gelang ihm mit dem Gewinn der Pontins Spring Open gegen Ken Doherty sein erster großer Erfolg. Im selben Jahr erreichte er das Halbfinale der U21-Amateurweltmeisterschaft und unterlag Jason Ferguson, bevor er bei den Dutch Open 1990 gegen Tony Knowles erneut ein Turnier gewann. Kurz danach besiegte er Oliver King im Finale der U21-Amateurweltmeisterschaft, bevor er 1991 beim World Masters gegen Gary Wilkinson sein Auftaktspiel verlor. Wenig später wurde er Profispieler.
Ebdon begann seine Profikarriere in der Saison 1991/92, in der die Profitour für alle Spieler geöffnet wurde und die Teilnehmerzahlen bei den Turnieren deshalb schlagartig anstiegen. Aus diesem Grund musste sich Ebdon durch zahlreiche Qualifikationsrunden kämpfen, was ihm auch mehrfach gelang. Insgesamt viermal konnte er die Runde der letzten 64 erreichen, hinzu kommt auch eine Achtelfinalteilnahme beim Grand Prix. Zum Saisonende kämpfte er sich bei der Snookerweltmeisterschaft durch acht Qualifikationsrunden inklusive eines 10:0-Sieges über Cliff Wilson, womit er sich auf Anhieb für die WM-Hauptrunde qualifizierte und diese mit einem 10:4-Sieg über den sechsfachen Weltmeister Steve Davis begann. Mit einem Sieg über Martin Clark erreichte er das Viertelfinale, in dem seine Siegesserie von Terry Griffiths gestoppt wurde. Durch diesen großen Erfolg wurde er in der folgenden Saison auf Rang 47 geführt, wodurch er sich einen Großteil der Qualifikationsrunden ersparen konnte. Zum Ende der Saison wurde Ebdon, der während der Saison seine beiden Maximum Breaks gespielt hatte, zum WPBSA Young Player Of The Year ernannt.
In der nächsten Saison erreichte er konstant mindestens die Runde der letzten 64, kam aber bei Ranglistenturnieren nie über das Achtelfinale hinaus. Trotzdem reichten seine Ergebnisse aus, um sich auf der Weltrangliste auf Rang 21 zu verbessern. Während der Saison 1993/94 schied Ebdon trotz einiger früher Niederlage mehrfach erst im Viertelfinale und bei den Welsh Open erst im Halbfinale aus. Beim Grand Prix erreichte er zum ersten Mal in seiner Profikarriere das Endspiel und gewann dort gegen Ken Doherty seinen ersten Titel. Auf der Weltrangliste verbesserte er sich dadurch auf Rang 10.
Trotz einiger Niederlagen in oder vor dem Achtelfinale konnte Ebdon in der Saison 1994/95 einige Endspiele erreichen, als er die Spielzeit mit einer Finalteilnahme beim Dubai Classic begann. Nachdem er dort dem Schotten Alan McManus unterlegen war, gewann er in der Saison mit dem Irish Masters und dem Pontins Professional lediglich zwei Turniere ohne Weltranglisteneinfluss. Hinzu kam auf Amateurebene ein verlorenes Finale bei den Pontins Spring Open. Auf der Profiebene erreichte er zudem vier weitere Male das Halbfinale – unter anderem bei der UK Championship – sowie weitere zwei Male das Viertelfinale, worunter auch die entsprechende Runde bei der Snookerweltmeisterschaft war. Trotz dieser Erfolge reichte es auf der Weltrangliste nicht für eine Verbesserung; Ebdon konnte allerdings seinen zehnten Platz halten.
1995–2000: Vizeweltmeister 1996 und Ausflug in die Top 8
In der Saison 1995/96 steigerte Ebdon seine Form erneut, als er trotz mehrerer relativ früher Niederlagen häufig mindestens das Viertelfinale und öfters auch ein Endspiel erreichte. Nach einer erneuten Finalniederlage zum Saisonauftakt, diesmal beim Scottish Masters, setzte er die Saison mit Finalniederlagen bei den drei Ranglistenturnieren UK Championship, European Open und Snookerweltmeisterschaft fort und gewann im Gegensatz zu diesen Spielen sein Finale beim Malta Grand Prix. Das WM-Finale hatte er mit Siegen über Jimmy White, Steve Davis und Ronnie O’Sullivan erreicht, doch im Finale gewann sein Gegner Stephen Hendry mit 18:12 seinen sechsten WM-Titel. Durch diese Erfolge konnte Ebdon auf der Weltrangliste punkten: er sprang auf Rang drei.
Etwas schlechter verlief die folgende Saison, als er mehrmals sein Auftaktspiel verlor und sich seine Teilnahmen bei höheren Runden verstärkt bei Turnieren ohne Weltranglisteneinfluss abspielten, auch wenn letztere immer noch eine große Rolle spielten. So gewann er neben dem Scottish Masters im zweiten seiner beiden Endspiele in der Saison die Thailand Open, die im Gegensatz zum Turnier in Schottland ein Ranglistenturnier waren. Doch da er bei den wichtigen Turnieren früh ausgeschieden war, verlor er auf der Weltrangliste zwei Plätze. Dieser Negativtrend setzte sich in den folgenden drei Spielzeiten fort, als er nur bei knapp einem Drittel der Turnieren zumindest das Viertelfinale, dies unter anderem bei der Snookerweltmeisterschaft 1998, erreichte, ansonsten aber teilweise früh ausschied. Unter diesen zehn Turnieren mit Viertelfinalteilnahmen waren zwar mehrheitlich Ranglistenturniere, doch während dieser drei Saisons erreichte er mit seiner Finalniederlage gegen Stephen Hendry bei den British Open 1999 nur ein einziges Endspiel. Seine Ergebnisse verursachten auf der Weltrangliste ein Verlust von mehreren Plätzen, sodass er sich im Jahr 2000 nur noch auf Rang zwölf befand.