An diesem Tag

Pete Seeger

US-amerikanischer Folk-Musiker

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Pete Seeger (* 3. Mai 1919 in New York City, New York; † 27. Januar 2014 ebenda; bürgerlich Peter Seeger) war ein US-amerikanischer Folk-Musiker, Singer-Songwriter sowie politischer Aktivist und Umweltschützer, der mit seinen Liedern die Friedensbewegung, die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterbewegung, die Bürgerrechtsbewegung und weitere soziale Bewegungen zunächst in den USA selbst, mit zunehmender Bekanntheit auch international inspirierte.

Obwohl als Anhänger und Vertreter sozialistischer Positionen vor allem im eigenen Land während des Kalten Krieges politisch umstritten, zählt Seeger zu den kulturellen Größen der Vereinigten Staaten. Weltbekannt wurde er insbesondere durch seine heute als Traditionals geltenden Songs Where Have All the Flowers Gone, We Shall Overcome, If I Had a Hammer und Turn! Turn! Turn!

Wie sein 1967 verstorbener Freund und musikalischer Gefährte Woody Guthrie, dessen Lieder – vor allem This Land Is Your Land – Seeger in wechselnden Formationen bis kurz vor seinem eigenen Tod spielte, beeinflusste er zahlreiche Künstler der nachfolgenden Generationen von Folk- und Rockmusikern, Liedermachern und Protestsängern, die seine Songs aufgriffen, coverten oder neu interpretierten, darunter Bob Dylan, Joan Baez und Bruce Springsteen.

Pete Seeger war der Sohn des pazifistischen, politisch engagierten Musikwissenschaftlers und Komponisten Charles Seeger und der Konzertgeigerin und Geigenlehrerin Constance de Clyver Edson (1886–1975). Er widmete sich nach einem abgebrochenen Soziologiestudium an der Harvard-Universität, wo er Mitglied der Young Communist League geworden war, der Sammlung und Katalogisierung von traditionellen Spirituals, Gospels, Südstaaten-Blues, Hillbilly-Musik, Bluegrass- und Country-Songs – eine bezahlte Tätigkeit in der Library of Congress, die ihm Alan Lomax vermittelt hatte. Beim Hören zahlreicher alter Schallplatten erwarb er außergewöhnliche Kenntnisse über die Wurzeln der Folkmusik. Zudem spielte er mit dem fünfsaitigen Banjo diese und eigene Lieder, in denen er sich mit der Arbeiterbewegung, mit Minderheiten und der Dritten Welt solidarisierte.

1940 lernte er den knapp sieben Jahre älteren Woody Guthrie kennen, mit dem er sich anfreundete und einige Monate als Hobo (Wanderarbeiter) in Güterwagen und per Anhalter durch die USA fuhr. Gemeinsam sangen sie am Folk orientierte Gewerkschaftslieder, u. a. den nach alter Musik hauptsächlich von Guthrie geschriebenen bekannten Song Union Maid mit einem Refrain, in dem jeweils I’m sticking to the union wiederholt wird. Guthrie sagte den Liedtext jeweils zum Mitsingen an, was Seeger übernahm und seitdem erfolgreich praktizierte. 1941 gründete er zusammen mit Woody Guthrie, Lee Hays und Millard Lampell die politische Folkgruppe The Almanac Singers, die zusätzlich zu ihren Gewerkschaftsliedern wie Talking Union, an dessen Entstehung Seeger beteiligt war, zunächst ein Album mit Antikriegsliedern Songs für John Doe herausbrachte. Nach dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 unterstützten die Almanac Singers, zu denen zeitweise weitere Musiker wie Sonny Terry und Brownie McGhee stießen, mit den Songs der Platte Dear Mr. President die Intervention der USA im Zweiten Weltkrieg. Bei den Almanac Singers, die sich als eine Art „singende“ politische «Zeitung» verstanden, trat Seeger unter dem Pseudonym Pete Bowers auf.

Im selben Jahr rief Seeger zusammen mit Woody Guthrie und anderen in New York mit Peoples Song die erste Folk-Musiker-Gewerkschaft ins Leben, die sich von wissenschaftlichen Folk-Musik-Organisationen abgrenzte. In den 1940er Jahren spielte er darüber hinaus in Clubs und war als Plattenaufleger im Radio zu hören.

Häufig sang er den 1936 entstandenen Song Joe Hill („I dreamed I saw Joe Hill last night …“), dessen Melodie Earl Robinson für ein Gedicht von Alfred Hayes über den legendären Wanderarbeiter, Gewerkschafter und Folk-Singer-Songwriter Joe Hill komponiert hatte, der 1915 aufgrund einer unbewiesenen Mordanklage hingerichtet worden war. 1946/47 hatte Woody Guthrie Ballads of Sacco & Vanzetti zur Erinnerung an die 1927 hingerichteten anarchistischen Arbeiter Sacco und Vanzetti aufgenommen. Das Album erschien erst 1960 und enthielt auch Seegers Lied Sacco’s Letter To Son aus dem Jahr 1951. Seeger hatte den Abschiedsbrief von Nicola Sacco an seinen Sohn Dante vertont.

Am Pazifikkrieg nahm Seeger als Flugzeugmechaniker teil. Gleichzeitig trat er häufig vor Soldaten auf.

1946 wirkte er im Spielfilm To Hear Your Banjo Play mit und im folgenden Jahr war er bei der Produktion des Folk-Musicals Dark of the Moon dabei. In dem Jahr gab er auch erstmals das Peoples Song Bulletin heraus, den Vorläufer von Sing Out!

Nachdem er 1948 den progressiven Präsidentschaftskandidaten Henry A. Wallace im Wahlkampf unterstützt hatte, gründete Pete Seeger 1949 zusammen mit dem Sänger Lee Hays sowie Ronnie Gilbert und Fred Hellermann das Quartett The Weavers, genannt nach dem Theaterstück Die Weber von Gerhart Hauptmann. Gemeinsam mit Lee Hays schuf er 1949 das wirkmächtige Lied If I Had a Hammer, das als kommunistisch bezeichnet zunächst auf starke Ablehnung traf, 1962 von Peter, Paul und Mary und ein Jahr später von Trini Lopez gesungen aber großen Erfolg hatte. Der lyrische und zugleich politische Text handelt vom vehementen Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe zwischen allen Menschen im gesamten Land, unabhängig von Ethnie und Geschlecht. 1950 hielten die Weavers mit Goodnight Irene wochenlang die Spitze der Charts, zu einem Zeitpunkt, als andere Songs und Auftritte schon negativ vom FBI registriert worden waren. Auf der B-Seite der Single befand sich Tzena, Tzena, Tzena, womit die Weavers die Nr. 2 der Charts erreichten. Auch der Guthrie-Song So Long It’s Been Good to Know You kam in die Hitparade. Im selben Jahr erschien zum ersten Mal das von Seeger mit herausgegebene Folk-Magazin Sing Out!, das Vorbildcharakter für zahlreiche andere Publikationen ähnlicher Art hatte. Etwa zu diesem Zeitpunkt begann der mehr als fünfzehnjährige Boykott der meisten US-Medien gegenüber Pete Seeger. Die Weavers mussten sich 1953 wegen der Zunahme der politischen Repression in den USA auflösen. 1955 und 1959 kamen sie für kurze Zeit wieder zusammen und spielten 1959 beispielsweise das Spiritual Kumbaya, das Seeger schon im Jahr davor allein gesungen hatte, später ein Lied der Bürgerrechtsbewegung und heute weltbekannt.

Während der McCarthy-Ära wurde auch Seeger vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe geladen. Bereits seit 1952 lag dort eine Aussage vor, wonach er Mitglied der Kommunistischen Partei der USA sei. Er hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er zu Studentenzeiten in deren Jugendorganisation eingetreten war. Allerdings habe er die Organisation vor 1950 verlassen, sei aber den kommunistischen Idealen treu geblieben. Vor dem Ausschuss verweigerte er 1955 die Aussage unter Berufung auf seine verfassungsmäßigen Rechte, was 1957 zur Folge hatte, dass er wegen staatsfeindlicher Tätigkeiten und Missachtung der Institution verurteilt wurde und seinen Aufenthalt jeweils den Behörden zu melden hatte, wenn er einen eng begrenzten Bezirk New Yorks verließ. 1961 verurteilte ihn ein Gericht zu einer zehnjährigen Haftstrafe. Das Urteil wurde angefochten und 1962 revidiert, sodass er nach einem Jahr entlassen wurde. In den Jahren, als er auf der sogenannten Schwarzen Liste stand, verdiente Seeger den Lebensunterhalt für seine Familie hauptsächlich durch Plattenaufnahmen und Folkmusikunterricht in Schulen und Ferienlagern.

1959 fand auf seine und Theodore Bikels Anregung hin das erste Newport Folk Festival in Newport in Rhode Island statt, wo Joan Baez debütierte. Von 1963 bis 1964 ging Seeger zusammen mit seiner Frau Toshi und den drei Kindern auf eine Welttournee. Er sang u. a. das Spiritual Michael Row the Boat Ashore aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, ein Lied, das er schon mit den Weavers aufgenommen hatte, und We Shall Overcome, zu dessen Urhebern er 1945 gehört hatte, weil er den Titel des traditionellen Gospels We Will Overcome Some Day umformuliert hatte. Zudem schrieb er weitere Strophen: We’ll walk hand in hand und The whole wide world around. Das Lied wurde – vor allem in der Version von Joan Baez, für die er Vorbild und Mentor war – zu einer der Hymnen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und ist inzwischen weltweit eines der meistverbreiteten Freiheitslieder. Auch If I Had a Hammer, noch heute populär, ist eng mit der Bürgerrechtsbewegung verknüpft. Peter, Paul und Mary sangen das Lied 1963 während des Marsches auf Washington für Arbeit und Freiheit, als Martin Luther King am 28. August 1963 seine große Rede I Have a Dream hielt; Joan Baez trug We Shall Overcome bei.

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