Pedro de la Gasca (* August 1493 in Navarregadilla, Provinz Ávila; † 10. November 1567 in Sigüenza) war ein spanischer Jurist und Bischof. Durch sein Verhandlungsgeschick gelang es ihm, den Aufstand der Encomenderos in Peru im Jahr 1548 ohne große Verluste zu beenden.
Pedro de la Gasca kam im August 1493 in einem Ort zur Welt, der als „La Caballería de Navarregadilla“ bekannt war. Der Ort lag nahe der heutigen Stadt Santa María de los Caballeros in der Provinz Ávila. Pedro de la Gasca war der älteste Sohn von María Gasca und Juan Jiménez de Ávila. Seine Eltern entstammten dem Kleinadel und lebten in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen. Seine Schwestern waren María de la Gasca, die einen Bürger aus El Barco de Ávila heiratete und María de los Apóstoles, die als Ordensschwester in ein Dominikanerinnenkloster eintrat. Seine Brüder waren Juan Jiménez de Ávila der später Regidor in Málaga wurde, Francisco Jiménez de Ávila, er war später Kanoniker in Palencia und Diego de la Gasca, der zeitweise in Salamanca zusammen mit Pedro de la Gasca Rechtswissenschaften studierte und Richter (Oidor) an der Chancillería de Valladolid und Mitglied des Consejo Real de Castilla wurde. Ein Onkel war der Lizenziat (Licenciado) Diego González del Barco. Der Kleriker hatte enge Kontakte zu Kardinal Francisco Jiménez de Cisneros, dem Erzbischof von Toledo.
Der Schriftsteller Inca Garcilaso de la Vega wies darauf hin, dass Pedro de la Gasca sehr klein war, mit eigenartigem Körperbau. Von der Taille abwärts hatte er einen Körper wie jeder große Mann. Von der Taille bis zu den Schultern mass er nicht einmal ein Drittel. Auf dem Pferd reitend erschien er kleiner als er war. Das Gesicht war hässlich.
Seinen ersten Unterricht erhielt Pedro de la Gasca in El Barco de Ávila. Später schickten seine Eltern ihn nach Salamanca, um dort einen Unterricht zu bekommen, der ihn auf ein Universitätsstudium vorbereiten sollte.
Das Studium der Freien Künste an der Universität Alcalá beendete er als Magister (Maestro). Ab dem ersten Halbjahr 1519 studierte Pedro de la Gasca Theologie als Kollegiat (Colegial) des Colegio Mayor de San Ildefonso in Alcalá de Henares. Die Universität von Alcalá de Henares, die im Jahr 1508 ihren Lehrbetrieb aufnahm, war von Francisco Jiménez de Cisneros mit dem Ziel gegründet worden, die Ausbildung der Theologen im Königreich Kastilien zu verbessern. Grundlage des Theologiestudiums bildeten umfassende Kenntnisse der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache. Optimale Studienbedingungen und hervorragende Professoren ermöglichten es den Theologiestudenten alle damaligen Strömungen, den Scotismus, den Nominalismus und den Thomismus, kennenzulernen. Das Studium der Theologie schloss Pedro de la Gasca 1521 als Lizenziat (Licenciado) ab.
Während der Zeit der Comuneros-Aufstände, die auch an der Universität Alcalá zu starken Unruhen führten, stand Pedro de la Gasca auf der Seite der Königstreuen.
Zusammen mit seinem Bruder, Diego de la Gasca, begann Pedro de la Gasca im Januar 1522 in Salamanca das Studium des Allgemeinen- und Kanonischen Rechts (Leyes y Cánones). Im Februar des Jahres 1531 wurde er zum Subdiakon geweiht.
Im Jahr 1531 wurde Pedro de la Gasca Mitglied des Colegio Mayor de San Bartolomé in Salamanca. Dieses Colegio war das Ausbildungszentrum der bedeutendsten Politiker Spaniens in der Renaissance. Mit einigen seiner Studienkollegen arbeitete er später in Valencia und Amerika zusammen. Er schloss das Studium des Allgemeinen– und Kanonischen Rechts an der Universität Salamanca als Lizenziat (Licenciado) ab.
Juristische und kirchliche Tätigkeit
Nach Beendigung des Studiums übernahm Pedro de la Gasca verschiedene Aufgaben, zum Teil nur für kurze Zeit, in Vertretung der Amtsträger. Er wurde Leiter der Domschule (Maestrescuela) von Salamanca und stellvertretender Richter der Diözese. Kardinal Juan Pardo de Tavera, der Erzbischof von Toledo, berief Pedro de la Gasca 1537 in das Amt des Vicario eclesiástico (Vertreter des Bischofs) in Alcalá de Henares. Der lange Aufenthalt in Salamanca prägte seinen Charakter als Politiker, er vertiefte hier seine universitäre Ausbildung, er kam in Kontakt mit den hervorragendsten Vertretern der spanischen Gedankenwelt seiner Zeit, er gewann Geschicklichkeit in der Praxis der Justizverwaltung und übte verschiedene Verwaltungsfunktionen aus.
Als Ausdruck der Anerkennung der persönlichen Qualitäten schlug Kardinal Tavera, der Vorsitzender (Großinquisitor) der Spanischen Inquisition (Consejo de la Suprema y General Inquisición) war, ihn für eine Stelle in diesem Gremium vor. Im Januar 1541 begann er dort seine Tätigkeit als Richter (oidor).
Ein Fall, der den Consejo de la Suprema y General Inquisición in dieser Zeit stark beschäftigte, war von den Richtern des Santo Oficio de Valencia vorgelegt worden. In dem Prozess ging es um zeremonielle Kreuzschändungen durch eine Gruppe von Marranen. Was das Urteil in diesem Fall so kompliziert machte, waren die unterschiedlichen Aussagen der zahlreichen Zeugen und die Unbeständigkeit der Angeklagten, die ihre Geständnisse widerriefen, die sie im Bezug auf ihre eigene Schuld und auf das Verhalten anderer gemacht hatten. Im Oktober 1541 wurde im Consejo de la Inquisición der Beschluss gefasst, Francisco de Navarra und Pedro de la Gasca, die im Colegio Mayor de San Bartolomé Studienkollegen waren, in das Königreich Valencia zu entsenden. Sie erhielten die Aufgabe die Angelegenheit von Grund auf zu erforschen und so lange in Valencia zu bleiben, bis der Prozess abgeschlossen war.
Visitator im Königreich Valencia
Nach einem persönlichen Gespräch betraute Karl V. ihn 1542 mit einer juristisch-politischen Aufgabe, die ein hohes diplomatisches Geschick erforderte. Er sollte eine allgemeine Überprüfung der Amtsführung der Beamten der Krone, zu denen damals auch die Richter zählten, im Königreich Valencia vornehmen. Für diese Tätigkeit bekam er, durch ein Breve des Papstes, das Recht in Probleme einzugreifen, die normalerweise außerhalb der Tätigkeit von Klerikern liegen. Die Cortes von Valencia hatten diese allgemeine Überprüfung (visita general) ausdrücklich gebilligt. Pedro de la Gasca verbrachte drei Jahre im Gebiet von Valencia. In dieser Zeit befasste er sich mit den Problemen der Bekehrung und Festigung der Gemeinschaft der Morisken, der Vorbereitungen für die Verteidigung des Königreiches, er verbesserte die Rechnungslegung der Finanzbeamten und führte eine Rechenschaftspflicht der Justizbeamten ein. Eine besondere Schwierigkeit bestand für Pedro de la Gasca darin, dass es im Königreich Valencia ein eigenes Rechtssystem gab, das sich vom Rechtssystem Kastiliens in vielen Punkten unterschied, und dass die meisten Personen, mit denen er zu tun hatte Valencianisch sprachen, eine Varietät der katalanischen Sprache. Durch die Tätigkeit in Valencia erhielt er genaue Kenntnisse der Funktionsweise verschiedener Arten von Verwaltung. Seine Tätigkeit ist durch eine ganze Reihe von Berichten, die er an Karl V. schickte, gut dokumentiert.
Präsident der Audiencia de Lima
Mit den Leyes Nuevas, die Karl V. im November 1542 erließ, beabsichtigte er Neuerungen in der amerikanischen Verwaltung einzuführen, die die Macht der Krone stärken und die Ureinwohner schützten sollten. Der Versuch des 1543 ernannten ersten Vizekönigs von Peru, Blasco Núñez de Vela diese Vorschriften durchzusetzen, führte 1544 zu dem Aufstand der Encomenderos in Peru. In Cusco, der Hauptstadt des zerstörten Inkareiches, wurde Gonzalo Pizarro von den örtlichen Kolonisten zum Generalbevollmächtigten („Procurador general“) des Landes und Generalkapitän („Capitán general“) eines Heeres der Aufständischen bestimmt. Nachdem dieses Heer die Hauptstadt Lima erreicht hatte, verzichtete der Vorsitzende der Audiencia de Lima, Diego de Cepeda vor der Übermacht des Militärs auf jeden Widerstand, und unterschrieb, als Vertreter des Vizekönigs, am 23. November 1544 die Ernennung Gonzalo Pizarros zum Gouverneur des Landes.
Kaiser Karl V., der in Spanien als König Karl I. herrschte, hatte 1543 seinen damals sechzehnjährigen Sohn Philipp zum Regenten in Spanien eingesetzten. Er hielt sich im Juni 1545 mit seinem Hof in Valladolid auf. Hier trugen Abgesandte der beiden sich in Peru bekämpfenden Parteien ihre Sicht des Geschehens vor. Bei den Beratungen der Mitglieder des Indienrates (Consejo de Indias) und des Staatsrates (Consejo de Estado) ergaben sich zwei Vorgehensmöglichkeiten: Entweder der König benennt einen Militärexperten, der das Kommando über die königlichen Truppen ausübt und die aufständischen Siedler exemplarisch bestraft, oder er entsendet eine Person in das Vizekönigreich Peru, die mit Klugheit und Verhandlungsgeschick zwischen beiden Seiten vermittelt, mit dem Ziel, die Aufständischen zur Unterwerfung unter die Herrschaft des Königs und die Einhaltung der Gesetze zu bewegen. Durch die Ernennung einer Person mit diplomatischen Fähigkeiten, so war die Meinung der Mehrheit der Mitglieder der Rates, würden umfangreiche Ausgaben für Ausrüstung und Soldaten erspart und ein unnützes Blutvergießen vermieden. Einer der Kandidaten, die der Consejo für diese Aufgabe vorschlug, war Pedro de la Gasca. Am 29. August 1545 wurde dieser darüber informiert, dass der König ihn nach Amerika schicken wolle. Am 3. Oktober 1545 verließ Pedro de la Gasca das Königreich Valencia um sich am Hof des Regenten, der sich zu der Zeit in Madrid aufhielt, auf seine neue Aufgabe vorzubereiten.