Pedro Álvares Cabral oder auch Pedralvarez de Gouvêa (* 1467/ 1468 oder 1469 wahrscheinlich in Belmonte, Portugal; † vor dem 3. November 1520 vermutlich in Santarém, Portugal) war ein portugiesischer Seefahrer. Er gilt als der offizielle Entdecker Brasiliens. Ursprünglich sollte er den Gewürzhandel in Calicut an der Malabarküste in Indien aufbauen.
Über Pedro Álvares Cabral gibt es nur wenige gesicherte Informationen. So werden etwa für sein Geburtsjahr auch 1467/1468 oder 1470 angegeben und für sein Todesjahr 1520.
Cabral entstammte einem alten portugiesischen Adelsgeschlecht. Er war der dritte Sohn von Fernão Cabral, Gouverneur der Beira und der Festung Belmonte, und Isabel Gouvea. 1478 kam der Zwölfjährige an den Hof von König Afonso V., wo er eine gediegene Ausbildung erhielt.
Er heiratete später Isabel de Castro, Tochter des angesehenen und reichen, aus dem Hochadel stammenden Fernão de Noronha und Nichte von Afonso de Albuquerque. Die beiden hatten sechs Kinder.
Befehlshaber der zweiten Indienexpedition
Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Asien entdeckt hatte (siehe Indienhandel), ernannte König Manuel I. Cabral zum Befehlshaber der zweiten königlich-portugiesischen Indienflotte. Er reiste in diplomatischer Mission. Cabral sollte Frieden und Freundschaft für die portugiesische Krone gewinnen und einen Handelsweg für Gewürze ab Calicut (Kozhikode an der Malabarküste) aufbauen. Auf seiner Reise nach Indien stieß er dabei im April 1500 auf Brasilien, das er im Namen des portugiesischen Königs Manuel I. in Besitz nahm. Im Mai erfolgte die Weiterfahrt nach Indien, wo sie im September des gleichen Jahres ankamen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten gelang es ihm, den Gewürzhandel mit Indien zu etablieren.
1502 lehnte Cabral ein weiteres Kommando für eine Indienreise ab, da er sich dieses mit einem anderen Befehlshaber hätte teilen müssen. Danach zog er sich auf seine Güter bei Santarém zurück. Hier starb er 1519 oder 1520, sicher aber vor dem 3. November 1520. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in einem schlichten Grab in der Graça-Kirche direkt am Largo Pedro Álvares Cabral („Cabral-Platz“) in Santarém.
Eine Reihe von Denkmälern wurden ihm zu Ehren errichtet, darunter ein Ehrenmal in Lissabon.
Nachdem bereits zuvor ein Weg nach Indien entdeckt worden war, sollte nun in einer vom König Portugals genehmigten Expedition ein Handelsweg für Gewürze aufgebaut werden. Hierfür engagierte er Cabral. Der Aufbruch Cabrals war Anlass zu Feierlichkeiten, an denen sowohl der König als auch das Volk teilnahmen. Einen Tag darauf am 9. März 1500 stachen unter dem Kommando Cabrals insgesamt 13 Schiffe mit 1500 Mann (andere Quellen gehen von 1200 aus) von der Tejo-Mündung in Lissabon aus in See. Erstmals wurden auch Karavellen, sogenannte „caravela redonda“, eingesetzt, deren Lastigkeit die der bisher verwendeten Schiffe übertraf. Vermutlich waren einige mit Waffen bestückt.
Unter den Kapitänen der gut ausgerüsteten Expedition befanden sich berühmte Seeleute wie Bartolomeu Dias, sein Bruder Diogo Dias, Pêro Escolar, João de Sá und Nicolao Coelho, der schon an der ersten portugiesischen Reise nach Indien unter Vasco da Gama teilgenommen hatte sowie Pêro Vaz de Caminha, der während der Expedition als Schreiber tätig war. Am 23. März verlor die Flotte aus ungeklärten Gründen in den Gewässern um die Kapverdischen Inseln ein Schiff. Trotz Suche blieb das Schiff weiterhin verschollen.
Um die Passatwinde zu nutzen und den widrigen Strömungen und Windverhältnisse an der westafrikanischen Küste zu entgehen, ließ Cabral bei den Kapverdischen Inseln die Schiffe in einem weiten Bogen nach Westen ausschwenken. Der Äquatorialstrom des Atlantiks trieb seine Flotte zur Küste eines bis dahin nur gesichteten Landes, das später Brasilien genannt werden sollte. Als sie fast einen Monat später, am 21. April im Meer umhertreibendes Seegras entdeckten, glaubten sie, es seien erste Anzeichen für nahendes Land. Bereits einen Tag später sollte sich ihre Vermutung bestätigen, denn am Abend des 22. April erblickten sie einen großen Berg, niedrige Gebirgsketten und flaches Land – Brasilien. Cabral landete im heutigen Bundesstaat Bahia nördlich der Stelle, an der später die Stadt Porto Seguro gegründet wurde und nannte das Land Ilha da Vera Cruz („Insel des wahren Kreuzes“), da die Portugiesen anfänglich eine Insel vermuteten. Später nannten sie es Terra da Santa Cruz („Land des heiligen Kreuzes“).
Doch erst am Morgen des folgenden Tages wurde Nicolau Coelho auf Befehl Cabrals in einem Boot zu Wasser gelassen, um genauere Erkenntnisse über das Entdeckte zu erlangen. Nachdem dieser sich der Küste genähert hatte, zeigten sich die ersten Einwohner. Pêro Vaz de Caminha beschrieb in einem Brief an König Dom Manuel die Einwohner des Landes wie folgt:
„[…] dunkelhäutige Menschen standen [an der Küste], allesamt nackt ohne irgendetwas, das ihre Scham bedeckt hätte. Sie trugen Bogen in den Händen und Pfeile. Alle eilten geradewegs auf die Barkasse zu, und Nicolau Coelho bedeutete ihnen, die Bogen abzulegen, und sie legten sie ab.“
Nachdem Geschenke ausgetauscht worden waren, kehrte Nicolau Coelho zurück zum Boot. Die positiv verlaufene Begegnung veranlasste Cabral dazu, am nächsten Tag mit der Mannschaft an Land zu gehen. Dabei war es Pêro Vaz de Caminha möglich, genauere Beobachtungen über die Bewohner des fremden Landes anzustellen, die er in seinem Brief an den König festhielt. Die folgenden Tage verbrachte die Mannschaft damit, das Land zu erkunden und alle Vorräte aufzustocken.
Für Sonntag, den 26. April nach Ostern ordnete Cabral eine Heilige Messe an. Hierfür ließ er einen Altar an der Küste errichten. Letztendlich wohnten dem Gottesdienst nicht nur Cabrals Mannschaft bei, sondern auch einige Einwohner Brasiliens. Zwischenzeitlich ließ Cabral ein Kreuz aus Holz anfertigen, welches am Freitag, den 1. Mai aufgestellt wurde als Zeichen der Inbesitznahme Portugals. Eine weitere Messe wurde in den folgenden Tagen abgehalten.
Inwieweit das Land über Gold oder Silber sowie Metalle oder Eisen verfügte, konnte Pêro Vaz de Caminha nicht feststellen. In seinem Brief betonte er jedoch die Vielfalt der Natur und den Wasserreichtum des Landes.
Cabral schickte am 2. Mai 1500 das kleinste Schiff der Flotte, ein Versorgungsschiff unter dem Kommando von Gaspar de Lemos, mit einem Brief des Chronisten Pêro Vaz de Caminha nach Lissabon zurück. Es sollte die Nachricht von der Entdeckung Brasiliens und seiner Inbesitznahme dem König übermitteln. Auf dem Schiff wurden auch Papageien, Amulette und andere Tauschwaren nach Portugal gebracht. Um jedoch noch mehr über das entdeckte Land zu erfahren, beschloss Cabral zwei Verbannte vor Ort zu lassen, die die Sprache, die Menschen und das Land für etwaige weitere Erkundungsfahrten kennen lernen sollten. Noch am gleichen Tag machte sich Cabral und der Rest seiner Flotte auf den Weg nach Calicut.
Diese Interpretation eines Zufallsfundes ist eine gängige Meinung unter Historikern. Es gibt aber auch Forscher, die der Auffassung sind, dass Pedro Álvares Cabral im Auftrag des Königs bewusst den Kurs nach Brasilien nahm, da den Portugiesen seit Ende 1498 die Existenz von Land in diesem Seegebiet durch Duarte Pacheco Pereira bekannt war. Diese Auffassung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, da auch die Spanier die Entdeckung Brasiliens im Januar 1500 durch Vicente Yáñez Pinzón für sich beanspruchten.