PayPal [ˈpeɪˌpæl] () (englisch, wörtlich Bezahlfreund, angelehnt an pen pal, Brieffreund) ist ein börsennotierter Betreiber eines Online-Bezahldienstes, der zur Begleichung von Mittel- und Kleinbeträgen zum Beispiel beim Ein- und Verkauf im Online-Handel genutzt werden kann. Nach eigenen Angaben hat PayPal mehr als 277 Millionen aktive Nutzer in über 200 Märkten mit der Möglichkeit von Zahlungen in über 100 Währungen (Stand: März 2020). Ende 2020 gab es weltweit 377 Millionen genutzte Kundenkonten. Der Nettogewinn im Geschäftsjahr 2020 betrug 4,2 Milliarden US-Dollar.
Der Sitz des Unternehmens ist San José, das europäische Tochterunternehmen ist PayPal (Europe) S.à r.l. & Cie, S.C.A. mit Sitz in Luxemburg.
Seit 2015 werden die Aktien an der Nasdaq gehandelt. Das Unternehmen ist Bestandteil des S&P 500 und ersetzte den ehemaligen Mutterkonzern eBay im S&P 100.
PayPal geht auf den Zusammenschluss von Confinity und X.com im März 2000 zurück. Confinity wurde im Dezember 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek in Palo Alto, Kalifornien, gegründet. Ursprünglich war es eine Firma für Bezahlmethoden („reconciling beamed payments“) und Kryptografie für den Palm Pilot mit Bezahlung per E-Mail als Merkmal. X.com wurde von Elon Musk im März 1999 gegründet, ebenfalls als Internet-Finanzdienstleister mit Bezahlung per E-Mail.
Beide Firmen hatten ihre Büros an der University Avenue in Palo Alto und starteten ihre Webseiten Ende 1999. Bei Confinity waren viele der ersten Angestellten ehemalige Mitarbeiter der Studentenzeitung The Stanford Review, die ebenfalls von Peter Thiel gegründet worden war. Die meisten der ersten Entwickler kamen von der University of Illinois at Urbana-Champaign, an der sie von Max Levchin angeworben worden waren. Für X.com rekrutierte Elon Musk ein breites Spektrum an technischem und Geschäftspersonal, einschließlich vieler, die aufs Engste mit dem Geschäftserfolg der Firma verbunden waren, wie zum Beispiel Amy Klement, Sal Giambanco, Roelof Botha, Sanjay Bhargava und Jeremy Stoppelman. Die zahlreichen Mitbegründer und frühen Mitarbeiter des Unternehmens, welche später andere erfolgreiche Unternehmen (YouTube, SpaceX) gründeten, wurden später als PayPal-Mafia bekannt.
eBay beobachtete das Wachsen einer Reihe von Online-Bezahlfirmen und versprach sich als Online-Auktionsanbieter strukturelle Vorteile für die Kundschaft. Im Mai 1999, noch bevor es PayPal gab, kaufte eBay Billpoint, benannte es um in „eBay Payments“ und machte es zu seinem offiziellen Bezahlsystem, beschnitt aber Funktionalitäten von Billpoint, indem es dieses nur noch für Zahlungsvorgänge für eBay-Auktionen zuließ. PayPal wurde in Auktionen aber sehr viel häufiger genannt als Billpoint. Im Februar 2000 gab es ungefähr 200.000 Auktionen täglich, die für den Service von PayPal warben.
Eine Erklärung für die Entstehung und den Erfolg von PayPal sind die Eigenheiten des Zahlungsverkehrs in den USA. Dort wurden meist Schecks verwendet, die für die Begleichung von Verpflichtungen aus Onlinetransaktionen nicht geeignet sind. Zum Beispiel werden in Deutschland Rechnungen seit Jahrzehnten meist per Überweisung bezahlt. Im internationalen Zahlungsverkehr wurden und werden Gebühren erhoben, die PayPal unterbieten konnte. Erst durch die Regulierung des europäischen Zahlungsverkehrs – Internationale Bankkontonummer (IBAN) und SWIFT – wurde es möglich, dass auch EU-Überweisungen großteils gebührenfrei sind.
Im Oktober 2002 kaufte eBay PayPal für 1,5 Milliarden US-Dollar. PayPal war zuvor die beliebteste Bezahlmethode von mehr als der Hälfte der eBay-Benutzer und der Service konkurrierte mit eBays Tochtergesellschaft Billpoint. eBay ließ anschließend seinen Billpoint-Service zugunsten PayPals auslaufen. Auch andere Hauptkonkurrenten wurden eingestellt oder verkauft: Citibanks c2it-Service schloss Ende 2003 und Yahoos PayDirect-Service Ende 2004; Western Union gab im Dezember 2005 die Schließung seines BidPay-Services bekannt, verkaufte ihn aber 2006 an die CyberSource Corporation.
Seit Februar 2004 steht eine deutschsprachige PayPal-Website zur Verfügung. Die Integration in eBay erfolgte im Juni. Nach der anfänglichen Phase der passiven Werbung bot eBay 2005 im Folgejahr aktive Anreize (kostenlose Zahlungen und Zahlungsempfang) und verlangte schließlich von allen gewerblichen Verkäufern, PayPal als Grundzahlungsmethode einzurichten. Im Zuge dieser Maßnahmen stieg die Anzahl der PayPal-Nutzer in Deutschland sprunghaft; im August 2013 hatte PayPal in Deutschland über 16 Millionen Kundenkonten. Ende 2020 gab es 29,1 Millionen aktive Nutzer. PayPal-Nutzer können in Deutschland mittels Lastschrift, Kreditkarte, Online-Überweisung und Guthaben auf dem PayPal-Konto bezahlen.
Seit dem 13. Juli 2017 können Kunden an teilnehmenden Shell-Tankstellen in Hamburg und Berlin ihren Kraftstoff direkt an der Zapfsäule mit ihrem Smartphone bezahlen. Die deutschlandweite Einführung von SmartPay im Shell-Tankstellennetz war für das vierte Quartal 2017 geplant. Im Juli 2019 startete PayPal in Europa Xoom, einen Service für Auslandsüberweisungen. PayPal startete Xoom europaweit in insgesamt 32 Märkten.
Sitz in Luxemburg 2007 und europäische Banklizenz
Am 2. Juli 2007 erhielt PayPal von der luxemburgischen Finanzaufsichtsbehörde CSSF eine Banklizenz, gültig nach EU-Richtlinien für die ganze EU. Alle Konten wurden dabei von PayPal (Europe) Ltd., das bis dahin in Großbritannien als E-Geld-Institut registriert war, zu PayPal Luxemburg transferiert. Das hatte auch eine Überarbeitung der Nutzungsbedingungen zur Folge. Der Wechsel des Kontos von PayPal (Europe) Ltd. zu PayPal Luxemburg erfolgte automatisch. Die genaue Bezeichnung der neuen Firma lautet PayPal (Europe) S.à r.l. & Cie, S.C.A.
2013 kaufte PayPal den Zahlungsdienstleister Braintree mit seiner Tochter Venmo auf, die PayPal im Bereich der Transaktionen über soziale Netzwerke und zwischen Endbenutzern mobiler Geräte damals voraus waren.
Im September 2014 wurde bekanntgegeben, dass eBay und PayPal eine Trennung der Geschäftsbereiche in eigenständige und unabhängige börsennotierte Unternehmen planen. Die Trennung wurde am 17. Juli 2015 vollzogen.
Auslaufen der Partnerschaft mit eBay
Anfang Februar 2018 gab eBay bekannt, die Zusammenarbeit mit PayPal nur noch bis 2020 in der bestehenden Form fortzuführen. Bis Juli 2023 sollte es weiterhin möglich sein, Zahlungen bei eBay mit PayPal abzuwickeln. Nach der Ankündigung durch eBay sank der Kurs der PayPal-Aktie zeitweise um 10 %.
Anfang 2019 begann PayPal, Online-Casinos von seinen Angeboten auszuschließen. 888 Holdings war eines der ersten dieser Unternehmen.
Im Oktober 2020 gab PayPal bekannt, dass Kunden in den USA künftig über die PayPal-Plattform Bitcoin und andere Kryptowährungen handeln und aufbewahren können. Ab Anfang 2021 sollte es zudem möglich sein, bei Händlern via PayPal mit Kryptowährungen zu bezahlen. Das Angebot sollte im Jahr 2021 auf weitere Länder erweitert werden.