Paul Wachtsmuth (* 15. Mai 1879 in Mitau, Gouvernement Kurland, Russisches Kaiserreich; † 20. März 1919 in Riga, Lettische SPR), mit vollem Namen Paul Alexander Hermann Walter Wachtsmuth, auch Paul Wachsmuth geschrieben, lettisch Pauls Vahtsmuts beziehungsweise Pauls Vahsmuts, war ein deutsch-baltischer evangelisch-lutherischer Pastor. Er gilt als evangelischer Märtyrer und ist auf dem Rigaer Märtyrerstein verzeichnet.
Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.
Paul Wachtsmuths Vater war der Oberhofgerichtsadvokat Paul Wachtsmuth. Paul Wachtsmuth der Jüngere ging im Jahr 1887 zum Gouvernements-Gymnasium in Mitau und von 1888 bis 1892 zur Stavenhagenschen Schule. Von 1892 bis 1894 besuchte er Privatkurse in Mitau. Von 1894 bis 1897 ging er dann in Sankt Petersburg zur Petrischule. Dies war damals der einzige Ort in Russland, an dem das Abitur in deutscher Sprache abgelegt werden konnte. Wachtsmuth profitierte von der im Vergleich zu seiner Heimat urbaneren Umgebung.
Er studierte zunächst von 1897 bis 1901 an der Kaiserlichen Universität Dorpat Theologie. 1897 wurde er in die Studentenverbindung Curonia aufgenommen. In dieser war er Burschenrichter, Chargierter und Ehrenrichter. Seit dem 15. September 1899 war er Mitglied des Theologischen Vereins Dorpat; 1900 wurde er dessen Protokollführer, 1901 dessen Präses. 1900 erhielt er eine goldene Preismedaille. Er schloss sein Studium mit dem Kandidatengrad ab. 1902 bestand er seine Prüfungen vor dem Konsistorium in Mitau.
Im Jahr 1902 erhielt er von der Curonia ein Reisestipendium. Mit dieser Finanzierung ging er von 1902 bis 1903 zu Studienzwecken nach Deutschland, zunächst nach Berlin, was seinen Horizont noch mehr erweiterte. Für drei Monate konnte er bei der Berliner Stadtmission arbeiten, während diese von Adolf Stoecker geleitet wurde. In dieser Zeit entwickelte er sein Verständnis für die bedeutenden sozialen Aufgaben der Kirche. Auch besuchte er die von Georg Wilhelm Schulze („Tränenschulze“) gegründete Jesus-Gemeinde, welche damals vom Stadtmissionsinspektor Max Braun betreut wurde. Das Gemeindeideal, das Wachtsmuth hier kennenlernte, versuchte er später in seiner eigenen Gemeinde zu verwirklichen.
Danach, im Jahre 1903, besuchte er die Von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, wo ein bedeutender Vertreter der inneren Mission, Friedrich von Bodelschwingh der Ältere, ihn ausbildete. Die Zeit im dortigen Kandidatenkonvikt erschien ihm bereichernd.
Wachtsmuth hielt sein Probejahr von Juni bis September 1902 bei Pastor Krüger in Sessau in Kurland und von September bis November 1903 bei Pastor Seeberg in Doblen in Kurland. Er wurde am 9. November 1903 in Mitau von Generalsuperintendent Panck ordiniert. Von 1903 bis 1905 war er Pastor-Adjunkt für die lettische Gemeinde in Doblen. Am 30. Dezember 1903 heiratete er Marianne Schwartz († 1922), eine Tochter des Rigaer Oberlehrers Nikolai Schwartz.
Rektor der Diakonissenanstalt in Mitau
1905 wurde Paul Wachtsmuth zum Pastor der deutschen Stadtgemeinde St. Johannis in Mitau sowie zum Rektor und Hausprediger an der örtlichen Diakonissenanstalt gewählt. Damit wurde er Nachfolger von Pastor Katterfeld, der als Vater der Inneren Mission in Kurland galt, und ein Schüler Wilhelm Löhes war. Paul Wachtsmuth führte hier keine Neuerungen ein, sondern führte Bewährtes fort. Er versuchte, die Gemeinde hinsichtlich Gottesdienst und Dienst am Nächsten zu beleben. Die Diakonissen sollten ein „Stoßtrupp im Kampfe der Kirche mit dem Reiche der Finsternis“ werden. Mit seiner dankbaren Art gewann er die Menschen und Mittel für seine Arbeit.
Im Januar 1907 war er Schriftführer bei der Missionskonferenz in Dorpat.
Auf der Nachmittagssitzung der kurländischen Provinzialsynode am 4. September 1908 referierte er über die Stellung der Diakonie innerhalb der allgemeinen Wohlfahrtspflege. Wegen Zeitmangels musste er den Vortrag am Folgetag fortsetzen; es folgte eine rege Debatte.
Als Pastor der Johanniskirche war Wachtsmuth auch Leiter derer Kindergottesdienste. Im Dezember 1908 nahm er entsprechend an der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Kindergottesdienste an der St. Trinitatiskirche teil. Dabei sprach er die Begrüßungsworte und übergab ein aufwendig gestaltetes Protokollbuch als Festgeschenk. Außerdem hielt er einen Vortrag über das Verhältnis der Kindergottesdienste zum Religionsunterricht.
Am 27. Februar 1909 hielt er die Gedächtnisrede und vollzog die Beerdigung für den damals bekannten Lehrer Heinrich Seesemann; am 2. Juni 1909 sprach er bei der Beerdigung des ebenfalls bekannten Arztes Dr. med. Leo Baron Sacken, der an der ophthalmologischen Klinik der Diakonissenanstalt gearbeitet hatte.
Im März 1910 informierte Wachtsmuth in den Mitteilungen und Nachrichten für die evangelische Kirche in Rußland über die Provinzialsynode, die im September 1909 in Mitau stattfand.
Im selben Jahr erhielt er einen Ruf vom Kollegium der Leipziger Mission, er möge Missionssuperintendent in Indien werden. Da sich das tropische Klima schlecht auf die angeschlagene Gesundheit seiner Frau ausgewirkt hätte, musste er diese Stelle ablehnen. Die Bitte verstärkte aber seine Bemühungen, für die äußere Mission zu werben.
Im Mai 1912 hielt Wachtsmuth eine Trauerrede und vollzog die Beerdigung für den damals bekannten Feuerwehrchef Mag. J. Hertel.
Am 4. Februar 1913 beteiligte sich Wachtsmuth an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Kandauer Diakonie-Krankenhauses. Dabei überbrachte er die Grüße des von ihm geleiteten Mutterhauses sowie ein Altarbild und dankte für die Hilfe des örtlichen Pastorats und der Ärzte für die Schwestern.
Im Januar 1914 nahm Wachtsmuth an der 8. Tagung der livländischen Missions-Konferenz in Dorpat teil und überbrachte die Grüße der kurländischen Missionskonferenz.