Paul Thomas Anderson (* 26. Juni 1970 in Studio City, Kalifornien), auch bekannt unter seinen Initialen PTA, ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent, Kameramann und Oscar-Preisträger. Mit Filmen wie Boogie Nights (1997), Magnolia (1999), There Will Be Blood (2007), The Master (2012), Der seidene Faden (2017) und One Battle After Another (2025) avancierte er zu einem der renommiertesten Filmemacher der Gegenwart.
Paul Thomas Anderson wurde am 26. Juni 1970 als Sohn von Edwina und Ernie Anderson in Studio City, Kalifornien geboren. Sein Vater war DJ, Schauspieler und Synchronsprecher. Anderson wuchs in San Fernando Valley auf und hatte eine schwierige Beziehung zu seiner Mutter, dafür aber eine enge Verbindung zu seinem Vater, welcher ihn dazu ermutigte, Autor oder Regisseur zu werden. Er besuchte mehrere Schulen, unter anderen die Buckley School in Sherman Oaks sowie die John Thomas Dye School, die Campbell Hall School, die Cushing Academy und die Montclair College Preparatory School.
Anderson fing bereits in jungen Jahren mit dem Filmemachen an und hatte nie wirklich einen Alternativplan zu seinem Wunsch, Filmregisseur zu werden. Er drehte zuerst Filme mit einer Betamax-Videokamera, die ihm sein Vater 1982 kaufte, als Paul Thomas Anderson zwölf Jahre alt war. Später benutzte er 8-mm-Film, hielt aber Videofilm für viel einfacher zu handhaben. Er begann als Teenager zu schreiben und im Alter von 17 experimentierte er mit einer Bolex-16-mm-Kamera. Nach einigen Jahren schrieb und filmte er seine erste richtige Produktion mit dem Geld, welches er sich als Highschool-Schüler verdiente, indem er Käfige in einer Zoohandlung reinigte. Der Film war eine dreißigminütige Mockumentary, gefilmt auf Video, mit dem Namen The Dirk Diggler Story (1988), über einen männlichen Pornodarsteller (inspiriert durch John Holmes, welcher außerdem die Anregung für Andersons Film Boogie Nights war).
Die Filme von Anderson verfügen oft über eine große Anzahl von Figuren und komplexen, vielschichtigen Handlungen und kommen bei Kritikern und Publikum gleichermaßen gut an. Er galt zu Beginn seiner Karriere als eines von Hollywoods großen Talenten und wurde nach der Veröffentlichung von Boogie Nights und Magnolia bereits als Wunderkind gefeiert. Während seiner Liaison mit der Sängerin Fiona Apple inszenierte er auch ihre Musikvideos.
Anderson besuchte nie eine Filmschule und lernte sein Handwerk, indem er sich die Filme seiner Lieblingsregisseure anschaute, Bücher und Magazine über die technische Seite des Filmemachens las und sich Filme mit dem Audiokommentar der Regisseure ansah. Er glaubt, dass Filmschulen „kompletter Schwindel“ sind, weil „die Informationen bereits vorhanden sind, wenn man sie haben will“. Er nennt Martin Scorsese, Robert Altman, Jonathan Demme, Stanley Kubrick, Orson Welles und Max Ophüls als seine größten Inspirationen als Regisseur.
Schauspieler, die in seinen Filmen häufiger auftreten, sind unter anderem Philip Seymour Hoffman, Philip Baker Hall, Julianne Moore, William H. Macy, Luis Guzmán und John C. Reilly. Weitere Schauspieler in Andersons Filmen sind unter anderen Gwyneth Paltrow, Samuel L. Jackson, Mark Wahlberg, Daniel Day-Lewis, Burt Reynolds, Tom Cruise, Adam Sandler und Joaquin Phoenix. Seit 1999 ist Cassandra Kulukundis als Casting-Direktorin für Andersons Filme verantwortlich.
Nachdem Anderson zwei Semester Anglistik auf dem Emerson College und nur zwei Tage an der New York University studierte, begann er seine Karriere als Produktionsassistent für Fernsehfilme, Musikvideos und Gameshows in Los Angeles und New York. Mit etwas Geld, welches er bei Glücksspielen gewann, der Kreditkarte seiner Freundin und 10.000 US-Dollar, die ihm sein Vater für das College zur Seite legte, drehte Anderson einen zwanzigminütigen Film, den er als sein „College“ bezeichnete.
Der Film, den er machte, war Cigarettes & Coffee (1993), ein Kurzfilm über einen Zwanzig-Dollar-Schein, der mehrere Handlungsstränge miteinander verband. Der Film wurde 1993 auf dem Sundance Film Festival gezeigt und Anderson entschied sich, den Kurzfilm in einen abendfüllenden Spielfilm zu erweitern und wurde infolgedessen 1994 vom Sundance Institute zu einer Art Filmemacher-Workshop eingeladen. Dort fungierte Michael Caton-Jones als sein Mentor und sah Anderson als jemanden mit „Talent und einer vollständig ausgeformten kreativen Stimme, aber wenig praktischer Erfahrung“ und gab ihm einige nützliche Tipps.
Während des Sundance Film Festivals hatte Anderson bereits die Übereinkunft mit Rysher Entertainment getroffen, seinen ersten Spielfilm zu drehen, welcher 1996 unter dem Titel Last Exit Reno veröffentlicht wurde. Die Anerkennung für den Film eröffnete Anderson die Tür für seine weitere Karriere.
Anderson begann an dem Drehbuch für seinen nächsten Film während der Produktion von Last Exit Reno zu arbeiten und beendete es im Sommer 1995. Das Ergebnis war Andersons Durchbruchsfilm Boogie Nights (1997), ein Spielfilm, basierend auf seinem Kurzfilm The Dirk Diggler Story. Das Drehbuch landete bei New Line Cinemas Geschäftsführer, Michael De Luca, welcher es nach dem Lesen „total gaga“ nannte. Der Film wurde 1997 in den USA veröffentlicht und war sowohl kommerziell als auch künstlerisch ein großer Erfolg. Der Film belebte die Karriere von Burt Reynolds wieder und bedeutete den Durchbruch für Mark Wahlberg und Julianne Moore. Der Film erhielt drei Oscarnominierungen, für den besten Nebendarsteller (Burt Reynolds), die beste Nebendarstellerin (Julianne Moore) und das beste Originaldrehbuch.
Nach dem Erfolg von Boogie Nights wurde Anderson von New Line zugesichert, dass er bei seinem nächsten Film machen könne, was er wolle, und die volle kreative Kontrolle hätte, ohne dass sie überhaupt die Idee für sein nächstes Projekt kannten. Obwohl er ursprünglich einen Film machen wollte, der „intim und minimalistisch“ werden sollte, wurde das Drehbuch während des Schreibens immer umfangreicher. So entstand das Ensemblewerk Magnolia (1999), das die Geschichte der eigentümlichen Wechselwirkung zwischen den Leben von mehreren Personen in San Fernando Valley, California, erzählt.
Anderson benutzte die Musik von Aimee Mann als Basis und Inspiration für den Film und gab ihr den Auftrag, acht weitere Songs zu schreiben. Magnolia erhielt drei Oscarnominierungen, für den besten Nebendarsteller (Tom Cruise), den besten Originalsong für Save Me von Aimee Mann und für das beste Originaldrehbuch. In einem Interview nach Veröffentlichung des Films wurde Anderson mit folgenden Worten zitiert: „…was ich wirklich fühle, ist, dass Magnolia, wohl oder übel, der beste Film ist, den ich je machen werde.“
Nach der Veröffentlichung von Magnolia gab Anderson an, in Zukunft gerne einmal mit Adam Sandler arbeiten zu wollen. Er machte seine Ankündigung wahr, indem er 2002 die romantische Komödie Punch-Drunk Love mit Adam Sandler und Emily Watson drehte. Die Geschichte handelt von einem Kleinunternehmer (Sandler) mit Wutproblemen und sieben dominanten Schwestern. Sandler erhielt viele positive Kritiken für seine erste ernste Rolle, abseits der Mainstream-Komödien, welche ihn zum Star machten. Roger Ebert schrieb, dass „Sandler unerwartete Tiefe als Schauspieler offenbart. Wenn man diesen Film sieht, kann man ihn sich in Dennis-Hopper-Rollen vorstellen. Er hat Düsterkeit, Obsession und Kraft.“ Auf dem Cannes Film Festival 2002 gewann der Film den Preis für die beste Regie und war für die goldene Palme als bester Film nominiert.
There Will Be Blood (2007) basierte lose auf dem Roman Oil! von Upton Sinclair. Das Budget des Films betrug 25 Millionen Dollar und spielte weltweit 76,1 Millionen Dollar ein. Anderson äußerte schon früher den Wunsch, mit Daniel Day-Lewis arbeiten zu wollen, der hier die Hauptrolle übernahm und dafür einen Oscar gewann. Paul Dano erhielt eine BAFTA-Nominierung als bester Nebendarsteller. Anderson wurde von der Directors Guild of America als bester Regisseur nominiert. Der Film erhielt außerdem acht Oscarnominierungen, gemeinsam mit No Country for Old Men die meisten in diesem Jahr. Anderson bekam Nominierungen für den besten Film, die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch, unterlag jedoch in allen drei Kategorien den Coen-Brüdern für No Country For Old Men. There Will Be Blood wurde weitgehend als einer der größten Filme des Jahrzehnts betrachtet und einige erklärten ihn zu einem der besten amerikanischen Filme, die je gemacht wurden.