Paul Frederic Simon (* 13. Oktober 1941 in Newark, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Musiker und Songwriter. Zusammen mit Art Garfunkel bildete er 1957 das Duo Simon & Garfunkel, für das Simon praktisch alle Songs schrieb. Der kommerzielle Durchbruch gelang ihnen 1965 mit dem Lied The Sound of Silence.
Nach der Trennung 1970 begann Simon eine erfolgreiche Solokarriere. Höhepunkt war 1986 das Album Graceland, bei dem er afrikanische Musik mit westlicher Popmusik vereinte. Es war sein kommerziell erfolgreichstes Album, für das er zwei von insgesamt zwölf Grammy Awards erhielt.
Paul Simons Vorfahren stammen von ungarischen Juden ab. Er wurde 1941 in Newark geboren und wuchs im New Yorker Stadtteil Queens auf. Wie sein Schulfreund Art Garfunkel schloss er 1959 die High-School ab. Simon studierte daraufhin englische Literatur.
Als Simon 1964 nach England zog, lernte er Kathleen Mary Chitty – in späteren Werken Simons als „Kathy“ bezeichnet – kennen. Er trat in einem Folk-Club auf, wo Chitty die Eintrittskarten verkaufte. Die beiden, er 22 und sie 17 Jahre alt, wurden ein Paar. Im selben Jahr unternahmen sie zusammen eine Bustour durch die USA, von der Chitty früher nach England zurückkehrte als Simon. Als das Lied The Sound of Silence Simon und Garfunkel in den USA zu immer mehr Erfolg und Popularität verhalf, kehrte Simon in seine Heimat zurück, wobei Chitty in England zurückblieb und sich von Simon trennte. Sie wollte sich ihr Privatleben erhalten und nicht Teil des großen Erfolgs Simons werden. Die Werke, in denen Paul Simon Bezug auf „Kathy“ Chitty nimmt, sind Kathy’s Song, America, Homeward Bound, The Late Great Johnny Ace. Auf dem Cover von The Paul Simon Songbook ist ein Bild von Paul Simon und Kathy Chitty zu sehen.
Mit seinem jüngeren Bruder, dem Gitarristen Eddie Simon, gründete Paul Simon 1973 das Guitar Study Center in New York City; es wurde um 2000 in die New School in New York aufgenommen.
Mit zwölf Jahren bekam Simon von seinen Eltern eine Akustikgitarre geschenkt, mit 13 Jahren schrieb er seinen ersten Song (The Girl for Me). Im Frühsommer 1953 lernte er bei den Proben zum Schauspiel Alice im Wunderland Art Garfunkel kennen und bildete mit ihm zunächst das Musiker-Duo Tom & Jerry (nach den gleichnamigen Zeichentrickfiguren). Nach dem ersten Hit im Jahre 1957, Hey, Schoolgirl, bei dem ein Auftritt in einer bekannten Rock-’n’-Roll-Fernsehshow und 2500 Dollar an Tantiemen heraussprangen, widmete Simon sein weiteres Leben ganz der Musik, zunächst in dem erfolglosen Bemühen, mit Rock ’n’ Roll weitere Hits zu landen.
Als True Taylor veröffentlichte er 1958 die Soloplatte True or False. Er veröffentlichte als Student auch unter den Namen Jerry Landis weitere Singles und zwischen 1960 und 1963 als Tico und Mitglied der Doo-Wop-Gruppe Tico & the Triumphs Titel wie seinen ersten Solo-Hit The Lone Teen Ranger (als Jerry Landis, Anfang 1963) und Motorcycle (Tico & the Triumphs, 1962), das als Motorbiene in Deutschland in der Fassung mit Benny Quick zum Hit wurde. Außerdem verwendete er als Komponist einige Male das Pseudonym Paul Kane.
Ab 1963 folgte er dem Folk-Boom und schrieb anspruchsvolle Songs. Seine Texte waren weniger politisch als zum Beispiel die des frühen Bob Dylan, sondern betrachteten mehr die Probleme des einzelnen Menschen. 1964, im Jahr seines Umzugs nach England veröffentlichte Simon (wiederum alias Jerry Landis) dort He Was My Brother. In den USA erschien der nicht in die Charts gelangte Titel unter dem Pseudonym Paul Kane. Im selben Jahr nahmen Simon & Garfunkel, wie sie sich, von dem Produzenten Tom Wilson zusammen mit Art Garfunkel in den USA unter Vertrag genommen, nun nannten, das Album Wednesday Morning, 3 A.M. für Columbia Records auf, das sich aber nur bescheiden verkaufte. Simon trennte sich erneut von seinem Musiker-Partner und zog nach London. Dort wurde er in der Folk-Szene immer mehr zu einer beachteten Größe, zuletzt mit Gagen von 20 Pfund pro Abend, von denen er gut leben konnte.
Es folgten Radiosendungen, ein Fernsehauftritt sowie sein erstes Soloalbum Songbook in Zusammenarbeit mit der BBC, das allerdings auch kein bahnbrechender Erfolg wurde. Jedoch wurde die Elektro-Folk-Rock-Bearbeitung des Titels The Sound of Silence von Tom Wilson plötzlich zum Hit für Simon & Garfunkel.
Simon kehrte wieder in die USA zurück und begann mit Garfunkel am Album Sound of Silence zu arbeiten, das neben der Neufassung des gleichnamigen Single-Hits auch Homeward Bound und I Am a Rock enthalten sollte.
1970 trennte sich das Duo. 1972 veröffentlichte er das Album Paul Simon, aus dem drei Singles ausgekoppelt wurden. Die erfolgreichste Mother and Child Reunion wurde sowohl in den USA als auch in Großbritannien ein Top-10-Hit. Im selben Jahr erschien die Single Duncan, eine Chartplatzierung konnte Simon jedoch nicht verbuchen. Das Album lässt sich am besten im Folkrock-Genre einordnen, allerdings deuten Lieder wie der Titelsong Mother and Child Reunion und Me and Julio Down by the Schoolyard bereits auf Simons Faszination für Weltmusik hin, die er später stärker auslebte.
Während der 1970er Jahre veröffentlichte er zwei weitere Alben (There Goes Rhymin’ Simon und Still Crazy After All These Years) und hatte bis zum Jahre 1977 fünf Singles in den US-Top-10, davon wurden drei zu Millionen-Sellern (Loves Me Like Rock, 50 Ways to Leave Your Lover und Slip Slidin’ Away). Still Crazy After All These Years wurde außerdem 1976 mit dem Grammy Award als Album des Jahres ausgezeichnet.
Nachdem Simon bereits im Jahre 1977 einen Kurzauftritt in Woody Allens Film Der Stadtneurotiker gehabt hatte, kam im Jahre 1980 der Film One-Trick Pony in die Kinos. Für diesen Film schrieb er das Drehbuch und den Soundtrack und spielte außerdem die Hauptrolle. Der Film floppte allerdings. In Deutschland kam er gar nicht erst in die Kinos, sondern lief einige Jahre später unter dem Titel Wenn die Lichter verlöschen im Fernsehen. Auch das dazugehörige Album erreichte trotz des Top-10-Hits Late in the Evening nicht die früheren Verkaufszahlen, erlangte aber Goldstatus.
Am 19. September 1981 gaben Simon & Garfunkel im New Yorker Central Park ein Konzert, das als The Concert in Central Park bekannt wurde. Es war ein Beitrag der beiden Musiker zur Sanierung des heruntergekommenen Stadtparks im Zentrum Manhattans. Zu dem Benefizkonzert kamen bei freiem Eintritt mehr als eine halbe Million Zuschauer. Es markierte gleichzeitig die vorübergehende Wiedervereinigung von Paul Simon und Art Garfunkel nach mehrjähriger Trennung.
Den kommerziellen Tiefpunkt seiner Karriere erreichte Simon 1983 mit dem Album Hearts and Bones. Ursprünglich als Duett-Album geplant, brachte es Simon wegen Meinungsverschiedenheiten mit Garfunkel allein heraus. Obwohl alle Aufnahmen mit Garfunkel fertig waren, nahm Simon das Album nochmals solo auf und veröffentlichte es, ohne weiter Werbung dafür zu machen.
1986 kehrte Simon zurück. Für das südafrikanisch beeinflusste Album Graceland, an dem neben Ladysmith Black Mambazo, Los Lobos und Stimela auch Youssou N’Dour (Percussion bei Diamonds on the Soles of Her Shoes) und Morris Goldberg mitwirkten, bekam Simon zwei Grammy Awards. Die Platte war ein großer Erfolg und erreichte Platz 3 in den US-Album-Charts. Allerdings wurde Simon beschuldigt, den kulturellen Boykott gegen Südafrikas Apartheidsregime missachtet zu haben. Das Anti-Apartheid-Komitee der Vereinten Nationen teilte diese Meinung jedoch nicht, da das Album das Talent schwarzer Künstler repräsentiere. Außerdem warfen ihm einige Schwarze vor, ihre Kultur zu missbrauchen, um damit Geld zu verdienen. Bei einem Konzert in Südafrika gab es sogar Morddrohungen, falls er auftreten sollte; das Konzert fand trotzdem statt.
1990 wurde das Nachfolgealbum The Rhythm of the Saints veröffentlicht, für das sich Simon in Brasilien aufhielt. Das Album spiegelte das wider; so wirkt bei der Hit-Auskopplung The Obvious Child die Gruppe Olodum mit, bei mehreren anderen Liedern Naná Vasconcelos. Im August 1991 gab Simon ein Gratiskonzert im New Yorker Central Park vor ca. 750.000 Besuchern.