An diesem Tag

Paul Raabe

Deutscher Literaturwissenschaftler und Bibliothekar

Anúncio

Paul Raabe (* 21. Februar 1927 in Oldenburg; † 5. Juli 2013 in Wolfenbüttel) war ein deutscher Literaturwissenschaftler und Bibliothekar, laut FAZ „Deutschlands bekanntester Bibliothekar“.

Paul Raabe wurde als Sohn des Holzbildhauers Wilhelm Raabe (1897–1944)

geboren und wuchs in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen auf. Über seine Kindheit und Jugend mit ihren Anregungen und Prägungen hat er persönlich berichtet.

Während des Zweiten Weltkrieges war er von 1943 bis 1945 als Luftwaffenhelfer eingesetzt und leistete Reichsarbeitsdienst. Nach dem Abitur im Jahr 1946 an der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg machte er zunächst ein unbezahltes Praktikum an der Oldenburger Landesbibliothek, an das sich die Ausbildung zum Diplom-Bibliothekar an der damaligen Bibliotheksschule in Hamburg anschloss. Es folgte von 1951 bis 1957 ein Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Hamburg. Er promovierte 1957 mit einer Arbeit über die Briefe Friedrich Hölderlins und habilitierte sich 1967 in Göttingen.

Von 1958 bis 1968 war er Leiter der Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs Marbach, wo er sich in zahlreichen Veröffentlichungen und Veranstaltungen mit dem literarischen Expressionismus beschäftigte, bevor er im Jahre 1968 die Leitung der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel übernahm. Hier begann er die Bibliothek, die im 17. Jahrhundert als die größte in Europa galt, zu einer modernen, international anerkannten Studien- und Forschungsstätte für das Mittelalter und die frühe Neuzeit auszubauen und zu öffnen. So wurden unter anderem ein Stipendien- und Forschungsprogramm, eine Publikationsabteilung und ein Schülerprogramm eingerichtet. Nach und nach wurden weitere Gebäude in die Bibliothek mit einbezogen, so dass ein regelrechtes Bibliotheksquartier entstand.

Als Bibliothekar in Wolfenbüttel stand Raabe in der Nachfolge von Gottfried Wilhelm Leibniz, Gotthold Ephraim Lessing und Erhart Kästner. 1987 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Jagiellonen-Universität in Krakau und der Technischen Universität Braunschweig. Im Jahre 1991 bekam Raabe die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wolfenbüttel verliehen.

Nach seiner Pensionierung als Bibliotheksdirektor in Wolfenbüttel war Raabe von 1992 bis 2000 Direktor der Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale). Außerdem war er Mitglied des Stiftungsrates der Klassik Stiftung Weimar und des Kuratoriums Weimar ’99.

Im Februar 1997 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, am 21. Februar 2002 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Halle (Saale) verliehen.

Raabe veröffentlichte zahlreiche Werke zur Buch-, Bibliotheks- und Quellengeschichte, zur Literatur des Expressionismus, der Aufklärung und zur Weimarer Klassik. Seinen wissenschaftlichen Nachlass vermachte er der Landesbibliothek Oldenburg.

Paul Raabe war seit 1953 verheiratet mit der Bibliothekarin Mechthild Raabe († Juni 2005) geb. Holthusen, der Schwester des Schriftstellers Hans Egon Holthusen, für deren Ausbildung er als Direktor der Landesbibliothek in Oldenburg verantwortlich war. Der Ehe entstammen vier Kinder, darunter Katharina Raabe, Lektorin für osteuropäische Literatur im Suhrkamp Verlag Berlin, und Christiane Raabe, seit 2007 Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek München.

Raabes elf Jahre jüngere Schwester Elisabeth Raabe (geb. 9. Juli 1939 in Oldenburg) machte sich nach einem Studium der Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte sowie verschiedenen Lektoratstätigkeiten zusammen mit ihrer Schweizer Co-Verlegerin Regina Vitali (geb. 1942) mit der Übernahme des Arche Verlags selbständig (1983–2008); sie führte ihn 2008–2017 als Arche Kalender Verlag und 2018–2024 als edition momente weiter. Paul Raabe arbeitete dabei als Autor, Herausgeber und Mentor eng mit der Schwester zusammen. Im Gegensatz zu seinen populären „Arche-Spaziergängen“ durch Weimar, Sils Maria und Wolfenbüttel blieb allerdings der von ihm herausgegebenen Reihe „Arche Editionen des Expressionismus“, die ihm ein Herzensanliegen war („Mein expressionistisches Jahrzehnt. Anfänge in Marbach am Neckar“, 2004), der verlegerische Erfolg versagt.

Paul Raabe starb am 5. Juli 2013 in Wolfenbüttel nach einem Schlaganfall.

1975: Korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften

1987: Ordentliches Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft

1992: Großes Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens

1997: Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern

1997: Niedersächsische Landesmedaille

1999: Karl Friedrich Schinkel-Ring des Deutschen National-Komitees für Denkmalschutz

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Paul Raabe | World in Stories