Paul Emerson Carlyle Ince (* 21. Oktober 1967 in Ilford, London) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler und jetziger -trainer, zuletzt des FC Reading.
Der Mittelfeldspieler gewann mit Manchester United eine große Anzahl von Titeln, war der erste schwarze Kapitän einer englischen Fußballnationalmannschaft und neben sieben Vereinsstationen in England agierte er zudem zwei Jahre in Italien für Inter Mailand. Als Trainer der Blackburn Rovers war Ince der erste schwarze Brite als Chefcoach in der Premier League. Auch Inces Sohn Tom Ince ist mittlerweile als Fußballprofi aktiv.
Ince schloss sich seinem Jugendklub West Ham United an, nachdem er die Schule verlassen hatte, und debütierte im Alter von 19 Jahren am 30. November 1986 für die erste Mannschaft als Einwechselspieler bei einer 0:4-Niederlage gegen Newcastle United. In der anschließenden Spielzeit etablierte er sich immer mehr im Mittelfeld der Mannschaft und überzeugte in seinen vielseitigen Qualitäten, die sich neben einer überdurchschnittlichen Schnelligkeit und Ausdauer auch im Defensiv- und Passverhalten zeigten. Der zudem schussstarke Ince gelangte so schnell in die englische U-21-Nationalmannschaft, nachdem er zuvor bereits in der Jugendauswahl seines Landes gestanden hatte.
Im August des Jahres 1988 begann eine ereignisreiche Saison für Ince. In einer Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpfte, katapultierte er sich in den Fokus der nationalen Medien, als ihm im Ligapokal zwei spektakuläre Tore zum überraschenden 4:1-Sieg gegen den amtierenden Meister FC Liverpool gelangen. Obwohl die Hammers im Halbfinale des Wettbewerbs an Luton Town scheiterten und am Ende der Abstieg aus der obersten Spielklasse besiegelt wurde, hatte Ince durch gute Leistungen nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht.
Manchester United & Englische Nationalmannschaft (1989–1995)
Ince absolvierte noch ein Spiel für die Hammers in der zweitklassigen Second Division, bevor er dann für eine Ablösesumme von einer Million Pfund zu Manchester United wechselte. Damit fanden die Unstimmigkeiten rund um den Wechsel ihr vorläufiges Ende, die um ein Foto entstanden waren, das Ince im „Daily Express“ – noch in Diensten des Ostlondoner Vereins stehend – im Trikot von Manchester United gezeigt hatte. Der Aufenthalt in London entwickelte sich anschließend zu einem Spießrutenlauf für Ince, der vor Saisonbeginn auf eine rasche Beendigung der Formalitäten drängte, was sich aber aufgrund von Schwierigkeiten bei der ursprünglichen medizinischen Untersuchung bei Manchester United noch verzögert hatte.
Ince selbst äußerte sich später in einem Bericht des Magazins „FourFourTwo“ zu den Umständen dieses Transfers mit folgenden Worten:
Schließlich kam Paul Ince am 16. September 1989 bei einem 5:1-Sieg gegen den FC Millwall erstmals für Manchester United zum Einsatz und obwohl er während der gesamten Saison das Trikot mit der Nummer 2 – traditionell eher typisch für einen Abwehrspieler – trug, war er neben dem altgedienten Mannschaftskapitän Bryan Robson und dem ebenfalls neu zu United gestoßenen Neil Webb eine tragende Größe im Mittelfeld. Er gewann auf Anhieb mit seinem neuen Klub den FA Cup und schlug dabei im Finale Crystal Palace, wobei dem 1:0-Sieg im Wiederholungsspiel zuvor noch im Wembley-Stadion ein 3:3-Remis vorausgegangen war.
Als sich Robsons Karriere langsam dem Ende zuneigte, wurde Ince immer mehr zur neuen zentralen Schaltstelle im Spiel von Manchester United. Er war dabei vor allem in der Defensive bei der Balleroberung und im Aufbauspiel durch seine Pässe von großer Bedeutung. Obwohl Ince über einen harten Schuss verfügte, erzielte er hingegen nur recht selten selbst Tore. Seinen zweiten Titel errang er bereits im folgenden Jahr, als er im Jahre 1991 mit United das Finale im Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Barcelona in Rotterdam gewann. Erneut ein Jahr später fügte er mit dem Triumph im Ligapokal den dritten Titel seiner Sammlung bei – im Endspiel schlug er mit seinem Team Nottingham Forest.
Am 9. September 1992 debütierte Ince in Santander für die englische Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegen Spanien. Obwohl England mit 0:1 unterlag, war die Leistung von Ince zufriedenstellend und so kam er nur einen Monat später bei einem WM-Qualifikationsspiel daheim gegen Norwegen zu seinem zweiten Länderspiel, das mit einem enttäuschenden 1:1-Remis endete. Zur gleichen Zeit spielte er mit Manchester United in der ersten Saison der neu gegründeten Premier League um die erste Meisterschaft seit 26 Jahren und war mit seinem damals sehr guten Freund Ryan Giggs in einer hochkarätigen Mannschaft mit Namen wie Mark Hughes, Éric Cantona, Peter Schmeichel, Andrei Kantschelskis, Steve Bruce und Denis Irwin. Gemeinsam gewann das Team die englische Meisterschaft. Über die Vereinsgrenzen hinaus musste Ince jedoch einen Rückschlag hinnehmen. Er fehlte in zwei von fünf WM-Qualifikationsspielen, wobei Englands Chancen auf eine WM-Endrundenteilnahme am 2. Juni 1993 nach der 0:2-Niederlage in Norwegen – die zweite Pflichtspielpartie, bei der Trainer Graham Taylor auf Ince verzichtete – auf ein Minimum schrumpfte. Während einer Sommertournee in den Vereinigten Staaten im gleichen Jahr kam er in Abwesenheit von David Platt und Tony Adams hingegen sogar als erster dunkelhäutiger Kapitän einer englischen Fußballnationalmannschaft gegen den Gastgeber zum Einsatz – und verlor dort mit 0:2.
Während der anschließenden Saison 1993/94 kam Ince am 8. September 1993 beim 3:0-Sieg gegen Polen zu seinem zehnten Länderspiel. Damit war die Qualifikation weiter möglich, aber es wurde ein weiterer Sieg gegen die Niederlande in Rotterdam benötigt. Die Hoffnungen mussten jedoch begraben werden, als England dieses umkämpfte Spiel am 13. Oktober 1993 mit 0:2 verlor und so reichte der am 17. November 1993 errungene 7:1-Sieg gegen San Marino, in dem Ince seine ersten beiden Länderspieltore schoss, auch nicht mehr aus. Mit Manchester United setzte Ince die Dominanz im englischen Ligafußball fort und der Verein gewann 1994 das Double aus FA Cup und Meisterschaft.
Auch zum Ende der folgenden Saison 1994/95 spielte Manchester United ein weiteres Mal um den englischen Meistertitel. Am letzten Spieltag musste Ince dann ausgerechnet bei West Ham United antreten, wo ihm die Wechselumstände sechs Jahre zuvor weiterhin noch nicht verziehen worden waren. Aufgrund des Remis im Upton Park verpasste Ince seinen dritten Meistertitel in Serie – stattdessen gewannen die Blackburn Rovers die Ligatrophäe. Ein weiteres Mal war Ince danach nur zweiter Sieger, als er mit United im FA-Cup-Endspiel dem FC Everton unterlag. Sein Leistungsvermögen war zu diesem Zeitpunkt jedoch an einem Höhepunkt angelangt und Ince wurde von den eigenen Anhängern als „Guv'nor“ verehrt. Für acht Millionen Pfund wechselte Ince nach insgesamt 29 Toren in 281 Spielen für United nach Italien zu Inter Mailand. Trainer Ferguson verballhornte seinen ehemaligen Spieler anschließend öffentlich als „Big Time Charlie“, womit er ihm indirekt Habgier unterstellte.
Der Aufenthalt in Italien dauerte für Ince zwei Spielzeiten an. Nach einem unsicheren Start, als bei den Anhängern von Inter Mailand noch Skepsis dominiert hatte, entwickelte er sich aufgrund seiner hohen Einsatzbereitschaft schnell zu einem der Lieblingsspieler. Die Mannschaft spielte jedoch im Titelrennen keine nennenswerte Rolle und belegte am Ende nur den siebten Rang; dennoch konnte die erste Spielzeit von Ince als persönlicher Erfolg gewertet werden, da er nur in vier Ligaspielen unberücksichtigt blieb. In der anschließenden Saison kam Ince zu sechs Toren in 24 Ligaspielen für die „Nerazzurri“ und rangierte mit dem Klub auf dem dritten Platz. Daneben war er maßgeblich daran beteiligt, dass Inter im UEFA-Pokal bis ins Finale vordrang. Dabei hatte er in einer Drittrundenbegegnung bei Boavista Porto getroffen und im Endspiel stand er mit seinem Team Schalke 04 gegenüber. Bei der 0:1-Hinspielniederlage „auf Schalke“ am 7. Mai 1997 fehlte er noch, kehrte dann aber für das Rückspiel am 21. Mai 1997 zurück, in dem die Italiener nach 90 Minuten durch den Treffer von Iván Zamorano den Rückstand egalisierten. Im Elfmeterschießen zog Inter schließlich den Kürzeren – Ince selbst befand sich jedoch nicht unter den Schützen.