Paul John Gascoigne (* 27. Mai 1967 in Gateshead, Tyne and Wear, England), auch bekannt als „Gazza“, ist ein ehemaliger englischer Fußballprofi. Er galt während seiner aktiven Zeit als einer der talentiertesten offensiven Mittelfeldspieler seiner Generation und wurde besonders durch seine Kreativität, Technik und Spielübersicht bekannt. Internationale Berühmtheit erlangte er vor allem bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1990, als er mit der englischen Nationalmannschaft das Halbfinale erreichte.
Im Laufe seiner Karriere spielte Gascoigne unter anderem für Newcastle United, Tottenham Hotspur, Lazio Rom, die Glasgow Rangers und den FC Everton. Gascoigne erreichte aufgrund seines kreativen Spielstils sowie vor allem durch seine humoristischen Einlagen gegenüber Mitspielern, Trainern und Schiedsrichtern bei den Fans Kultstatus. Außerhalb des Fußballsports geriet er jedoch aufgrund seiner Alkoholkrankheit und Pöbeleien wiederholt negativ ins Blickfeld der Öffentlichkeit.
Paul Gascoigne wurde am 27. Mai 1967 in Gateshead, Tyne and Wear, geboren und wuchs in einfachen sozialen Verhältnissen im Nordosten Englands auf. Er war das zweite von vier Kindern. Sein Vater John Gascoigne war Bauarbeiter, während Mutter Carol verschiedene Gelegenheitsjobs ausübte, um die Familie zu unterstützen. Die finanziellen Mittel waren begrenzt, und das familiäre Umfeld galt als schwierig und teilweise instabil.
Ein besonders prägendes Erlebnis seiner Kindheit war ein Unfall, bei dem ein enger Freund seines Bruders von einem Auto überfahren und tödlich verletzt wurde – ein Ereignis, dessen Zeuge Gascoigne war und das ihn nachhaltig traumatisierte. Solche Erfahrungen trugen zu emotionalen und verhaltensbezogenen Schwierigkeiten bei, die sich bereits in seiner Schulzeit bemerkbar machten. Er hatte Probleme mit Autoritäten und fiel durch impulsives Verhalten auf. Gleichzeitig zeigte sich früh eine außergewöhnliche fußballerische Begabung.
Ein Weggefährte meinte über den jungen Gascoigne: „Doch so sehr sie Paul auch tackelten und in die Zange nahmen, er klebte einfach am Ball und spielte die richtigen Pässe. Seine absolute Entschlossenheit hat mich beeindruckt. Gute Spieler hatten wir viele. Er aber hatte dieses Extra an sich, das man für ganz oben braucht.“
Nachdem er für lokale Jugendmannschaften gespielt hatte, wurde Gascoigne 1980 in die Nachwuchsabteilung von Newcastle United aufgenommen. Dort fiel er sowohl durch seine herausragenden technischen Fähigkeiten als auch durch seine temperamentvolle Persönlichkeit auf und galt bald als eines der vielversprechendsten Talente des Klubs.
1984–1988: Debüt bei Newcastle United
Gascoigne stieß 1982 zur Jugendmannschaft von Newcastle United und bestritt für den Verein auch zwei Jahre später am 13. April 1984 sein erstes Profispiel gegen die Queens Park Rangers. Er feierte in der Saison 1983/84 vorerst seine sportlichen Erfolge im Jugendbereich und konnte die Jugendmannschaft von Newcastle zum Sieg im FA-Junioren-Pokal führen. Erst 1985, nachdem Willie McFaul Jack Charlton bei den „Magpies“ (en. „Elstern“) als Trainer ablöste, rutschte Gazza in die Startelf von United.
Er wurde schnell zum Publikumsliebling und konnte auch seine Leistung von Saison zu Saison steigern. Dementsprechend wurde Gascoigne für die Nationalmannschaft Englands nominiert und bestritt am 14. September 1988 sein internationales Debüt gegen Dänemark. Im Verein blieb der Erfolg dagegen bescheiden: Newcastle erreichte jeweils nur zweistellige Tabellenplätze ohne Aussicht auf die Qualifikation für einen Europapokal.
Daher entschloss sich Gascoigne am Ende der Saison 1987/88, den Verein zu wechseln. Einige namhafte Vereine Englands waren auf ihn aufmerksam geworden (z. B. Manchester United) und er schloss sich letztendlich für 2 Millionen Pfund Tottenham Hotspur an.
Eine der berühmtesten Szenen im Newcastle-Trikot erlebte Gascoigne im Jahr 1987 in einem Spiel gegen den FC Wimbledon, als sein Gegenspieler Vinnie Jones (Spitzname „The Axe“ – „Die Axt“) ihm in die Intimzone griff. Er nahm die Sache jedoch mit Humor und sandte Jones eine Rose als Dank – Dieser erwiderte seinerseits den Gruß und schenkte Gascoigne eine Toilettenbürste.
Gascoignes Start in London verlief nicht optimal. Er hatte Übergewicht in der Saisonvorbereitung und musste zunächst seine Fitness wieder steigern, um sich im Team von Terry Venables behaupten zu können. Trotzdem erreichte er mit Tottenham zum Saisonende Platz sechs und in der Folgesaison sogar den dritten Rang. Sein großer Auftritt folgte jedoch noch.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien gehörte er zu den besten Mittelfeldspielern des Turniers und führte die englische Nationalmannschaft bis ins Halbfinale, wo sie allerdings im Elfmeterschießen gegen Deutschland verlor. Im Verlauf dieser Partie bekam Gascoigne die Gelbe Karte, wodurch er automatisch im möglichen Finale gesperrt gewesen wäre. Daraufhin fing er auf dem Platz an zu weinen, was ihn in seiner Heimat sehr populär machte, da er augenscheinlich mit wahren Gefühlen und Emotionen spielte – so wie es in England gerne gesehen wird. Aufgrund seiner Leistungen und seines Auftretens in diesem Turnier wurde er zur BBC Sports Personality of the Year, zum Sportler des Jahres in Großbritannien, gewählt.
Nach seiner Rückkehr aus Italien spielte Gascoigne mit den „Spurs“ nur eine mittelmäßige Saison und landete auf Platz zehn. Dies wurde allerdings durch den Gewinn des FA Cup 1990/91 überstrahlt. Im Halbfinale besiegte Hotspur den FC Arsenal und Gazza glänzte mit einem sehenswerten Freistoßtreffer. Im Finale schließlich bezwang Tottenham Nottingham Forest mit 2:1 und errang damit den ersten Titel seit sieben Jahren. Die Siegesfeier fand jedoch ohne Gascoigne statt. Schon wenige Minuten nach Beginn des Spiels verletzte er sich selbst verschuldet nach einem harten Foul an Forest-Spieler Gary Charles. Gascoigne beschädigte sich die Kreuzbänder am rechten Knie und musste fast ein Jahr pausieren. Aufgrund dessen verschob sich auch sein geplanter Wechsel zu Lazio Rom.
Bezeichnend für Gascoignes unsteten Lebenswandel ist, dass er seine Genesung selbst hinauszögerte, als er sich im angetrunkenen Zustand in einem Nachtclub erneut verletzte. Doch im Sommer 1992 wechselte er schließlich für 5,5 Millionen Pfund in die italienische Hauptstadt.
1992–1998: Verletzungssorgen und Rückkehr
Die Zeit in Rom war für Paul Gascoignes nicht allzu erfolgreich, denn er war zu sehr gebremst durch Verletzungen und schaffte es daher in drei Jahren in Pokal und Liga nur auf 47 Spiele und sechs Tore. Deswegen verließ er Italien 1995 und schloss sich dem schottischen Traditionsverein Glasgow Rangers an. Er regenerierte sich wieder und konnte an seine glanzvollen Leistungen aus den frühen 1990ern anknüpfen. Im letzten Spiel der Saison 1995/96 gegen den FC Aberdeen gelang Gascoigne ein Hattrick und die Rangers errangen damit die achte Meisterschaft in Folge. Darüber hinaus gewann Glasgow noch den schottischen Pokal und Ligapokal. Gazza wurde zum Fußballer des Jahres in Schottland ernannt.
Mit diesen Leistungen schaffte er es auch wieder zurück in die Nationalmannschaft. Auf dem Rückflug von einer Länderspielreise nach Asien zerstörte der alkoholisierte Gascoigne Ende Mai 1996 im Flugzeug zwei Bildschirme und einen Tisch, daraufhin verhängte Englands Nationaltrainer Terry Venables ein Alkoholverbot für die Fußball-Europameisterschaft 1996. Bei dem Turnier im eigenen Land war Gascoigne erneut einer der prägenden Spieler und erzielte darüber hinaus eines der sehenswertesten Tore des Turniers: Im prestigeträchtigen Spiel gegen den Erzrivalen Schottland lupfte er zunächst aus vollem Lauf den Ball mit links über den schottischen Verteidiger Colin Hendry, um ihn dann aus der Luft volley mit rechts im Tor zu platzieren. Trotzdem reichte es auch dieses Mal – wie schon 1990 – nicht für Gascoigne und England, denn im Halbfinale scheiterte die Mannschaft erneut im Elfmeterschießen an Deutschland. Gascoigne hatte in der Verlängerung sogar die Gelegenheit, mit einem Golden Goal England den Sieg zu sichern. Doch er verfehlte eine Hereingabe nur um wenige Zentimeter.