Paul Camille Denis, seit 1852 Ritter von Denis (* 26. Juni 1795 auf Schloss Les Salles bei Montier-en-Der, Département Haute-Marne; † 3. September 1872 in Dürkheim), war einer der führenden Ingenieure in der Frühzeit der Eisenbahn in Deutschland und Teilnehmer am Hambacher Fest.
Paul Camille Denis war der Sohn des Forstbeamten Pierre Denis (* 24. November 1752 in Saint-Christophe-en-Brionnais; † 22. Januar 1816 in Neustadt an der Weinstraße) und dessen Ehefrau Marie Anne Etienette († 1850 in Fontainebleau), geborene de Porte. Neben Paul Camille hatten sie noch drei weitere Kinder,
Jules (* 13. Juni 1813 in Mainz)
Die Familie zog wohl 1799 in das linksrheinische, von Frankreich 1797 annektierte Gebiet, wo der Vater, Pierre Denis, der sein französisches Gut verpachtet hatte, Forstinspektor des Département du Mont-Tonnerre wurde. Er leitete die Forstoberinspektion in Mainz, eine von zwei Oberinspektionen für das linksrheinische, annektierte Gebiet. Auch die Familie zog nach Mainz, wo sie erstmals 1801 nachweisbar ist. Pierre Denis erwarb bei der Versteigerung von Gütern aus ehemals kirchlichem und adeligen Besitz die Ortschaft Wooghaus in der Gemeinde Neuhofen und verkaufte seine Güter in Frankreich. 1810 wurde Pierre Denis Stadtrat in Mainz.
Paul Camille Denis heiratete 1821 Henriette Reine Vauterau († 1868 in München), Tochter eines Domäneninspektors in Saarbrücken. Die Ehe blieb kinderlos.
Paul Camille Denis besuchte in Mainz Volksschule und Gymnasium bis 1813. Anschließend ging er auf das Lycée Louis-le-Grand in Paris. 1814/15 studierte er an der Pariser Polytechnischen Schule, wo zu seinen Lehrern unter anderem André-Marie Ampère gehörte. Nachdem in der Restauration die Schule 1816 geschlossen worden war, kehrte er zu seiner Familie in die inzwischen Bayerische Pfalz zurück.
Paul Camille Denis begann zum 15. Juni 1816 als Praktikant bei der staatlichen Bauverwaltung, die soeben, zum 30. April 1816, königlich bayerisch geworden war. Zunächst war er „Baukondukteur“ in Germersheim. Die insgesamt acht Baukondukteure, die in der Pfalz damals tätig waren, beschäftigten sich hauptsächlich mit Straßenbau und dem Wasserbau am Rhein. Zum 17. April 1818 wurde er von König Maximilian I. zum „Inspections-Ingenieur“ (Bauinspektor) in Kaiserslautern ernannt. Es gab damals zwei Bauinspektoren in der Bayerischen Pfalz. Denis blieb bis Ende 1822 in Kaiserslautern, wo unter anderem das Zentralgefängnis und das Pfarrhaus der Martinskirche von ihm gebaut wurden. Dann wurde er nach Speyer versetzt, zum 24. Oktober 1826 nach Zweibrücken und erhielt dort eine Ingenieurstelle erster Klasse. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war der Straßenbau.
Das Engagement Paul Camille Denis‘ für die Eisenbahn begann mit einer Studienreise, die er 1832 antrat. Er besuchte dabei Belgien, England und die USA, alles Länder, in denen damals bereits Eisenbahnen mit Dampflokomotiven betrieben oder, wie in Belgien, gerade gebaut wurden. In England traf er auch George Stephenson. Im Herbst 1832 traf er in New York ein, wo er Kanalbauten und Eisenbahnen besichtigte. Das führte ihn in der damals in Deutschland – und gerade in Bayern – heftig diskutierten Frage „Kanal oder Eisenbahn“ zur eindeutigen Stellungnahme zu Gunsten des neuen Verkehrsmittels. 1833 fuhr er nach England zurück, verlängerte seinen Urlaub noch einmal und kehrte im März 1834 in den bayerischen Staatsdienst zurück. Er wurde zum technischen Ministerialkommissar ernannt mit dem Auftrag, den Entwurf zum Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanal zu prüfen. In das Bauprojekt stieg er jedoch nicht ein, da er – wie sich später herausstellte: zu Recht – davon ausging, dass es zu etwa 50 % unterfinanziert war.
Die Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft hatte eigentlich einen englischen Ingenieur für ihr Projekt einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth gesucht. Eine englische Fachkraft erwies sich aber als sehr teuer. Entsprechende Verhandlungen mit George Stephenson schlugen fehl. Der Direktor der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft, Georg Zacharias Platner, wurde in einem Briefwechsel mit dem Hofbaudirektor Leo von Klenze von letzterem auf Denis aufmerksam gemacht und konnte auch bewirken, dass dieser für das Projekt staatlicherseits, wenn auch zögerlich, für nur kurze Zeiträume, aber wiederholt, freigestellt wurde. Zwischenzeitlich wurde Denis am 12. März 1835 zum Bezirksingenieur der Bauinspektion München, Bezirk I, ernannt. Er konnte die Bauaufgabe vollenden und an der Einweihung am 7. Dezember 1835 teilnehmen, musste dann aber sofort nach München zurückkehren, um seine dortigen Aufgaben wieder wahrzunehmen. Im Dezember 1836 wurde er mit der Leitung der Bauinspektion München, Bezirk II, beauftragt.
Denis nahm sich nun zwei Monate Urlaub, um die neuesten Entwicklungen im Eisenbahnwesen in England und Frankreich zu studieren. Am 24. Juni 1836 wurde Denis von der München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft mit der Vorplanung für deren Stammstrecke beauftragt. Die Ausführung erfolgte dann zwar bis 1840 nach seiner Planung, er war daran aber nicht mehr beteiligt, weil es diesbezüglich zu keinem Vertrag zwischen der ausführenden Gesellschaft und ihm kam. Darüber hinaus hatte er andere, interessante Angebote erhalten. Dazu zählte die Taunus-Eisenbahn von Frankfurt nach Wiesbaden, deren Bau er bis 1840 betreute.
Die bayerische Regierung erkannte diese Erfolge an, und Denis strebte in die Pfalz zurück, wo die Stelle des Kreisbaurates in Speyer frei geworden war. Er bewarb sich darauf, wurde angenommen, übernahm die Stelle Ende Oktober 1840 provisorisch und zum 1. März 1841 endgültig. Dort beschäftigte er sich vor allem mit Straßenbau. Noch im gleichen Jahr wurde er in die königliche Eisenbahn-Baukommission berufen, die den Bau der bayerischen Hauptstrecken als Staatsbahnen vorbereiten sollte, der
Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau über Augsburg und Bamberg nach Hof und
Ludwigs-Westbahn von Bamberg nach Aschaffenburg.
Denis war dort zusammen mit Friedrich August von Pauli und Franz Joseph Dürig unter der Aufsicht des Geheimen Oberbaudirektors Leo von Klenze für den gesamten Staatsbahnbau in Bayern verantwortlich. Aber schon ein Jahr später kehrte er in die Pfalz zurück. Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Es war wohl zu Meinungsverschiedenheiten in der Verwaltung gekommen, bei denen er sich nicht durchsetzen konnte. 1843 plante er die Bonn-Cölner Eisenbahn.
In der Pfalz hatte sich mittlerweile die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft gegründet. Sie erteilte Denis am 25. April 1844 den Auftrag, die Planung für die Stammstrecke aus den Jahren 1838/1839 zu überprüfen. Diese Stammstrecke führte von Ludwigshafen am Rhein nach Bexbach, dem Grenzbahnhof zu Preußen, mit dem Fernziel einer Verbindung nach Paris. Es ist der Mittelteil der heutigen Bahnstrecke Mannheim–Saarbrücken. Dies war die erste Bahnstrecke in Deutschland, die ein Gebirge, den Pfälzerwald, überquerte. Allein zwischen Neustadt und Hochspeyer waren 12 Tunnel und 15 Brücken erforderlich. Denis legte seinen Bericht am 6. August 1844 vor und schlug vor, den Bahndamm in seiner Breite gleich für ein zweites Streckengleis zu errichten, das dann später verlegt werden könne, und stärkere Lokomotiven einzusetzen, als ursprünglich geplant, um schwerere Züge befördern zu können. Denis erhielt die Bauaufgabe am 23. September 1844 übertragen. Am gleichen Tag wurde ein Direktorium für die Eisenbahn eingerichtet, dem Denis als Baudirektor angehörte. Er war dabei sowohl für den Bau der Eisenbahninfrastruktur als auch für die Beschaffung der Fahrzeuge zuständig. Durch Ausschreibungen und strikte Aufsicht über die Baustellen gelang es ihm, Zeit- und Kostenpläne einzuhalten. Während er mit dem Bau der Pfälzischen Ludwigsbahn beschäftigt war, versuchte die sächsische Regierung, ihn für den Bau der Bahnstrecke Leipzig–Hof zu gewinnen, was aber die bayerische Verwaltung blockierte, da er für den Bahnbau in der Pfalz gebraucht wurde. Auch eine „Oberaufsicht“ über den Bau der Bahnstrecke Frankfurt–Hanau verzeichnen die Akten.
Paul Camille Denis errichtete sich zeitgleich mit dem Bahnbau 1845 bis 1849 als Landsitz die Villa Denis am Fuß der Ruine der Burg Diemerstein in Diemerstein, die ihm die Ludwigsbahn-Gesellschaft geschenkt hatte. Das Anwesen liegt einen knappen Kilometer vom Bahnhof Frankenstein (Pfalz) entfernt. Als er die Pfalz 1856 verließ, um die Leitung der Bayerischen Ostbahn zu übernehmen, verkaufte er das Anwesen an den Mannheimer Bankier Ladenburg, einen der Großaktionäre der Pfalzbahn-Gesellschaft, der das Anwesen als Sommersitz nutzte.