Paul Brohmer (* 8. November 1885 in Sangerhausen; † 30. Januar 1965 in Kiel) war ein deutscher Biologe und Biologiedidaktiker, Begründer des biologischen Grundlagenwerkes Fauna von Deutschland und paradigmatischer, bedeutender bzw. führender Repräsentant der NS-Biologiedidaktik.
Paul Brohmer wurde 1885 in Sangerhausen als Sohn eines Oberbahnassistenten geboren. Nach der Schulzeit (Volksschule Besuch der Präparandenanstalt) besuchte er das evangelische Lehrerseminar in Erfurt. Sein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Jena schloss er 1909 mit der Promotion ab. Während seines Studiums wurde er Mitglied beim Verein Deutscher Studenten Jena.
Danach war er kurzzeitig Privatassistent von Ernst Haeckel, ab 1910 Seminarlehrer und -oberlehrer an evangelischen Lehrerseminaren. Sein weiteres Leben ist von Funktionen in diesem Bereich dominiert.
Brohmer war ein Vertreter der von Georg Kerschensteiner begründeten Arbeitsschulbewegung im Biologieunterricht. Für die von Cornel Schmitt begründete Methodik der Exkursionen verfasste er die Bestimmungsbücher.
Im Juli 1914 erschien im Verlag Quelle & Meyer die Erstauflage der Fauna von Deutschland, das erste Buch, mit dem es möglich sein sollte, alle in Deutschland lebenden Tierarten zu bestimmen. Es ergänzte die von Otto Schmeil und Jost Fitschen 1903 begründete Flora von Deutschland.
Im Nachhinein bezeichnete Brohmer dieses Buch als „Wagnis“, das nur „von einem jungen Manne gelöst werden“ konnte, „dem noch gar nicht alle Schwierigkeiten sowie die Hindernisse und die vorhandenen Unzulänglichkeiten bewusst geworden waren und der sich über alle Einwände und sonstige Steine des Anstoßes lächelnd hinwegsetzte“ (Vorwort zur 9. Auflage 1964). Erst nach dem Erscheinen der Erstausgabe fand Brohmer Mitarbeiter, die ständige Verbesserungen und Erweiterungen vornehmen konnten; diese Mitarbeiter waren nicht nur Zoologen, sondern auch zoologisch geschulte Lehrer, die sowohl die fachwissenschaftliche als auch pädagogische Arbeit leisteten. Zu den ständigen Verbesserungen der Fauna gehörte etwa die Neuaufnahme der Meeresfauna. Brohmer gab sie bis zur 9. Auflage im Jahr 1964 heraus.
Grundsätze der Fauna waren und sind:
Ein einbändiges Werk, das bei Exkursionen ohne Probleme mitgeführt werden kann; dies bedingt eine hohe Informationsdichte und Beschränkung auf die zur Tierbestimmung nötigen Informationen.
Vollständigkeit des Artenspektrums (was bei Wirbellosen, besonders Insekten, problematisch ist).
Statt der Bildführer verwendet die Fauna Bestimmungsschlüssel mit kleinen Skizzen der für die Bestimmung wichtigen Merkmale. Die Technik der Bestimmungsschlüssel ermöglicht nur die Bestimmung von Objekten, d. h. meist toten Tieren und nicht von Beobachtungen, wie sie etwa in der Ornithologie üblich sind.
Die Tiere sind anhand der Taxonomie angeordnet.
Das Buch soll für die Lehre an Universitäten und Schulen geeignet sein, aber auch von interessierten Biologen und Laien benutzt werden können.
Brohmers Fauna gehört noch heute zur Grundlagenliteratur etwa des Biologiestudiums, wobei die Tierbestimmungsübungen vielfach mit dem Brohmer durchgeführt werden.
Politisierung des naturwissenschaftlichen Unterrichtes
Schon in der Weimarer Republik erweiterte Brohmer seine Lernziele um eine staatspolitische Dimension. Das macht der Titel „Erziehung zur Staatsgesinnung durch arbeitskundlichen Biologieunterricht“ (1923) ebenso deutlich wie die geopolitische Zielsetzung, „möglichst viele Erdölfelder in die Hand zu bekommen“, obwohl Deutschland „jetzt von diesen Plätzen an der Sonne ausgeschlossen ist“, wie er 1929 in Der naturkundliche Unterricht für den Chemieunterricht vorschlug.
Im Rahmen seines beruflichen Aufstiegs wurde Brohmer 1926 zum Dozenten an der infolge einer Neuordnung der preußischen Volksschullehrerbildung gegründeten Pädagogischen Akademie Kiel (unter dem NS-Regime zu einer Hochschule für Lehrerbildung (HfL) umgebildet) berufen; ein Jahr später wurde er dort Professor für Biologie. Zu Beginn der 1930er Jahre war er stellvertretender Direktor dieser Hochschule.
Aufstieg im nationalsozialistischen Staat
Im Januar 1933 nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler hisste Brohmer zusammen mit dem Direktor der Hochschule die Hakenkreuzflagge über dem Hochschulgebäude und trat so öffentlich für den Nationalsozialismus ein.