Paul-Émile Borduas (* 1. November 1905 in Mont-Saint-Hilaire/Québec; † 22. Februar 1960 in Paris) war ein kanadischer Maler.
Am 13. August 2024 ehrte die kanadische Regierung, vertreten durch das Historic Sites and Monuments Board of Canada, Paul-Émile Borduas und erklärte ihn wegen seiner „herausragenden und dauerhaften Beitrages zur kanadischen Geschichte“ sowie seiner Bedeutung als „Pionier der abstrakten Kunst und Führer der Avantgarde-Bewegung in Kanada“ zu einer „Person von nationaler historischer Bedeutung“.
Borduas war ein Schüler des Kirchenmalers Ozias Leduc und studierte nach dem Besuch der École des Beaux-Arts in Montreal von 1928 bis 1930 in Paris. Ab 1937 unterrichtete er an der École du Meuble des Montreal Art College.
Anfang der 1940er Jahre gründete er dort mit einigen Schülern die Gruppe Les Automatistes. Eine Auswahl ihrer Werke wurde 1947 für eine Ausstellung mit dem Titel Automatisme in der Galerie du Luxembourg in Paris von Jean-Paul Riopelle und Fernand Leduc zusammengestellt. Auch Marcelle Ferron trat der Gruppe bei. 1948 erschien das Manifest Refus global, in dem Borduas den engstirnigen Katholizismus der Ära des konservativen Provinzpremiers Maurice Duplessis kritisierte, der Kirche und Gelderwerb in den Mittelpunkt stellte und proklamierte die „poetische Revolution“.
Die Unterzeichner des Manifests wurden sämtlich 1998 mit dem Prix Condorcet ausgezeichnet. Sein Engagement für den Automatismus kostete Borduas zunächst jedoch den Lehrauftrag, wonach er mit gesundheitlichen und finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Zudem gingen die Künstler der Automatistengruppen zunehmend eigene Wege, und diese löste sich auf. Borduas übersiedelte 1953 nach New York und kam hier unter den Einfluss von Vertretern des abstrakten Expressionismus wie Willem de Kooning, Adolph Gottlieb, Robert Motherwell, Jackson Pollock und Franz Kline. 1955 zog er nach Paris, wo er nach fünf produktiven Jahren als Maler an einem Herzinfarkt starb.
1971 wurde in Paris und Montreal die Ausstellung Borduas et les Automatistes gezeigt. 1977 wurde der Sparten-Preis für Malerei des Prix du Québec nach ihm Prix Paul-Émile-Borduas benannt.
Werke in öffentlichen Sammlungen
Musée d’art contemporain de Montréal
Guggenheim International Award, 1960 für: Black Star von 1957. Öl auf Leinwand, 63 × 51, Collection Montreal Museum of Fine Arts. Gestiftet von der Solomon R. Guggenheim Foundation
Sophie Dubois: "Refus global." Histoire d’une réception partielle. Presses de l’Université de Montréal 2017
François-Marc Gagnon: Paul-Émile Borduas, 1905–1960. Biographie critique et analyse de l’œuvre. Collection Artistes Canadiens. Galerie nationale du Canada, 1976; Fides, 1978, ISBN 0-7755-0698-2, McClelland & Stewart, 1990 (frz.) Governor General’s Awards, Sparte Essay, 1978
Übers. ins Engl. Peter Feldstein: Paul-Émile Borduas, 1905–1960. National Gallery of Canada, 1976; Montreal Museum of Fine Arts 1989; Northeastern University Press 1990; McGill-Queen's University Press 2013 (=Beaverbrook Canadian Foundation Studies in Art History, 12). Governor General’s Awards, Sparte Übersetzung Französisch –> Englisch, 2014
Ursula Mathis-Moser: Zeit der Verweigerung, in Reingard M. Nischik u. a. Hgg.: Kanadische Literaturgeschichte. Kap. Ankunft in der Moderne 1918–1967, Abs. Die frankokanadische Literatur. J. B. Metzler, Stuttgart 2005, S. 183 f. (mit Bild Borduas')
Paul-Émile Borduas. In: The Canadian Encyclopedia. Abgerufen im 1. Januar 1 (englisch, französisch).
Borduas bei der virtuellen Galerie der Canadian National Gallery
Refus global (frz.) bei Wikisource
Die Erfindung der Moderne. Das Manifest "Refus global" und die identitätsstiftende Rezeption von Surrealismus und Automatismus in Québec, von Sabine Alice Grzonka. Diss. phil. TH Dresden (Romanistik), 2002
Borduas im Canadiana-OPAC der SUB Göttingen