Patrick Vieira (* 23. Juni 1976 in Dakar, Senegal) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler und heutiger -trainer. Als 107-maliger Nationalspieler gewann er mit der französischen Nationalmannschaft 1998 die Welt- und zwei Jahre später die Europameisterschaft. Auf Vereinsebene hatte er in England mit dem FC Arsenal und in Italien mit Inter Mailand seine größten Erfolge. Dabei errang er mit Arsenal drei englische Meisterschaften (1998, 2002, 2004) und danach mit Inter dreimal den Scudetto (2007, 2008, 2009).
Vieira wuchs zunächst im Senegal auf. Der portugiesische Nachname erklärt sich aus der kapverdischen Abstammung der Mutter, während der Vater – ein Student aus Gabun – keine nachhaltige Rolle in seinem Leben einnahm. Seine Mutter wanderte dann nach Frankreich aus, wobei sich erleichternd bei den Formalitäten auswirkte, dass ihr Vater in der französischen Armee gedient hatte. Gemeinsam mit dem einzigen, ein Jahr älteren Bruder und einem Onkel reiste Patrick Vieira nach Europa. Er war acht Jahre alt, als er 1984 in Paris ankam. Nach drei Jahren in Trappes, einer Planstadt im Umland der französischen Hauptstadt, ging es für die Familie etwas weiter westlich nach Dreux. In Dreux fiel auch erstmals sein fußballerisches Talent nachhaltig auf. Er war im Alter von 16 Jahren bereits 1,90 Meter groß und der Zweitligist FC Tours nahm ihn unter Vertrag. Ein Jahr danach wechselte er zur AS Cannes. Der dort aktive Trainer Luis Fernández war neben Frank Rijkaard Vieiras Kindheitsidol gewesen.
Über Cannes nach Mailand (1993–1996)
Er spielte gut zwei Jahre für Cannes in der ersten französischen Liga. Im Oktober 1995 zog es ihn nach Italien zur AC Mailand. Bei „Milan“ kam er jedoch über die Rolle des Ersatzmanns nur selten hinaus. Das lag zum einen daran, dass maximal drei Ausländer in einer Mannschaft stehen durften und Vieiras Konkurrenz mit Marcel Desailly, George Weah, Paulo Futre, Dejan Savićević und Zvonimir Boban hochkarätig war. Des Weiteren galt auf seiner Mittelfeldposition neben Desailly und Boban noch der italienische Nationalspieler und „Dauerbrenner“ Demetrio Albertini als „gesetzt“. Nachdem er in der Saison 1995/96 nur zwei Ligaspiele in der Serie A absolviert hatte, strebte er einen erneuten Wechsel an. Der damals noch in Japan beschäftigte Trainer Arsène Wenger hatte ihn bereits beobachtet und bot ihm nach einem möglichen Transfer die Chance für regelmäßige Einsätze an. Vieira reiste im Juli zunächst nach Atlanta zu den Olympischen Sommerspielen, musste dort jedoch vor Beginn des Turniers seine Teilnahme aufgrund einer Knieverletzung absagen. Nach einer kleinen Operation mit anschließender „Reha“ flog er dann nach London und unterzeichnete einen Vertrag beim FC Arsenal. Er war Wengers erste Verpflichtung und diese wurde bereits zu einem Zeitpunkt wirksam, bevor Wenger offiziell das Traineramt bei den „Gunners“ übernommen hatte.
Durch seine betont physische Spielweise fand sich Vieira im englischen Fußball gut zurecht – ein Umstand, der damals überraschte, da nicht-britische Akteure häufig als „zu weich“ galten. Mit dem Ausgleich zum 2:2 in der Nachspielzeit gegen Derby County am 7. Dezember 1996 schoss er sein erstes Tor für Arsenal. Dazu beeindruckte er mit einem guten Passspiel und erinnerte damit die Londoner Anhänger an den berühmten Ex-Spieler Liam Brady. Vieira galt als Schlüsselspieler des FC Arsenal, der in der Saison 1997/98 das „Double“ aus englischer Meisterschaft und FA Cup gewann. Dabei zeigte er sich im Mittelfeldzentrum an der Seite seines französischen Nationalmannschaftskollegen Emmanuel Petit konstant, zweikampfstark, passsicher und mit einer guten Übersicht ausgestattet. Vieira verpasste lediglich sieben Pflichtspiele und war besonders im letzten Drittel der Saison formstark. Im Jahr darauf folgte eine weitere Vizemeisterschaft und wenngleich er häufiger durch Verwarnungskarten auffiel (die nicht auf „böse Absichten“ zurückzuführen waren), wurde er zum Ende der Spielzeit 1998/99 in die „Mannschaft des Jahres“ gewählt – er gewann diese Auszeichnung auch in den folgenden fünf Jahren. Mittlerweile auch bei der „Équipe Tricolore“ zum Stammspieler gereift, zog Vieira mit Arsenal in der Saison 1999/2000 ins Endspiel des UEFA-Pokals ein. Dieses ging am 17. Mai 2000 im Elfmeterschießen verloren und Vieira verschoss den entscheidenden Strafstoß, wobei sich sein Mitspieler Davor Šuker zuvor vergeblich versucht hatte.
Nach dem Gewinn der Europameisterschaft 2000 startete Vieira unglücklich mit zwei roten Karten in die neue Saison 2000/01, meldete sich dann mit zwei Toren zum 5:3-Erfolg gegen Charlton Athletic zurück. Mit seinen raumgreifenden Schritten durch das Mittelfeld verlagerte er das Arsenal-Spiel häufig in die gegnerische Hälfte und beim 2:1-Halbfinalsieg gegen den Lokalrivalen Tottenham Hotspur gelang ihm im FA Cup ein weiterer wichtiger Treffer. Schlagzeilen hatte dazu am 17. Oktober 2000 ein Vorfall während eines Champions-League-Spiels gegen Lazio Rom gemacht, als ihn der gegnerischen Kapitän Siniša Mihajlović rassistisch als „schwarzen Affen“ beschimpft hatte. Vier Jahre nach dem ersten heimischen Doppelerfolg gewann Vieira mit den „Gunners“ in der Saison 2001/02 ein zweites Mal sowohl den Premier-League-Titel als auch den englischen Pokal. Danach beerbte er den langjährigen Kapitän Tony Adams nach dessen Rücktritt. Aufgrund einer Knieverletzung verpasste Vieira jedoch in der Saison 2002/03 eine Reihe von Ligapartien und auch beim Finalsieg im FA Cup war er nur Zuschauer; er wurde beim 1:0-Erfolg gegen den FC Southampton als Kapitän von David Seaman vertreten.
Zwar musste er auch in den ersten beiden Monaten der Saison 2003/04 pausieren, aber anschließend gewann er mit Arsenal seine dritte englische Meisterschaft. Dabei zählte er zu der „Die Unbesiegbaren“ („The Invincibles“) genannten Mannschaft, die in diesem Jahr kein einziges Ligaspiel verlor. Im Sommer 2004 mehrten sich die Gerüchte über einen möglichen Transfer von Vieira zu Real Madrid und nachdem er den Spekulationen eine Absage erteilt hatte, wirkten seine sportlichen Leistungen zunächst etwas instabil. Er benötigte ein wenig Zeit, um seine Form wiederzufinden, und obwohl er letztlich erneut den FA Cup gewann und mit sieben Saisontoren seine persönliche Rekordjahresausbeute einstellte, wurde er zum ersten Mal nach sechs Jahren nicht in die „Allstar-Elf“ der Premier League gewählt.
Legendär waren bei den großen Derbys zwischen Manchester United und Arsenal London die Aufeinandertreffen der beiden Kapitäne Patrick Vieira und Roy Keane, die sich auf und neben dem Platz erbitterte Kämpfe lieferten. Einer der bekanntesten Zwischenfälle ereignete sich im Februar 2005, als es im Spielertunnel des Highbury zu einer Rangelei zwischen den beiden Kapitänen kam. So sagte Keane zum Unparteiischen Graham Poll „Tell him [Vieira] to shut his fucking mouth!“. Patrick Vieira war zuvor seinen Gegenspieler Gary Neville angegangen, woraufhin Keane dazwischen ging. Der Streit wurde live auf Sky Sports übertragen. 2013 veröffentlichte der Journalist Gabriel Clarke die TV-Dokumentation Keane & Vieira – Best of Enemies, bei dem die beiden Kontrahenten aufeinandertreffen und gemeinsam über die alte Feindschaft berichten.
Zurück in Italien: Juventus Turin und Inter Mailand (2005–2010)
Am 14. Juli 2005 unterschrieb Vieira nach Zahlung einer Ablösesumme von 20 Millionen Euro einen Vierjahresvertrag beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin, womit er zehn Jahre nach seinem ersten Wechsel nach Italien erneut mit dem Trainer Fabio Capello zusammenarbeitete. Wengers Entscheidung, Vieira gehen zu lassen, war sehr umstritten und er begründete sie damit, dass der aufstrebende Cesc Fàbregas mit Vieira deutlich schlechter harmonierte als mit Gilberto Silva und der Weggang von Fàbregas nicht riskiert werden sollte. Die Saison 2005/06 wurde von einem Manipulationsskandal in Italien überschattet und „Juve“ wurde in diesem Zusammenhang mit einem Zwangsabstieg in die zweite Liga bestraft. Dies führte zu einem Weggang zahlreicher Leistungsträger, darunter auch der von Vieira, der im August 2006 für nur noch 9,5 Millionen Euro zu Inter Mailand weiterzog.