Ernst Pascual Jordan (* 18. Oktober 1902 in Hannover; † 31. Juli 1980 in Hamburg) war ein deutscher theoretischer Physiker und Politiker.
Pascual Jordan wirkte maßgeblich an der Entwicklung und mathematischen Formulierung der Quantenmechanik mit. Darüber hinaus begründeten seine Arbeiten die Quantenfeldtheorie. Er war ordentlicher Physikprofessor an der Universität Rostock (ab 1935), an der Berliner Universität (1944–1945) und an der Universität Hamburg (1953–1971).
Jordan war nach dem Krieg als evangelisch-rechtskonservativer Politiker aktiv.
Ernst Pascual Jordan war der Sohn des Malers Ernst Pasqual Jordan.
Sein Name leitet sich von seinem spanischen Vorfahren Pascual Jorda ab, der sich nach den napoleonischen Kriegen in Hannover ansiedelte. Pascual Jordan studierte nach dem Abitur auf dem Bismarck-Realreformgymnasium in Hannover ab 1921 Mathematik, Physik und Zoologie an der Technischen Hochschule Hannover und ab 1923 an der Universität Göttingen, wo er 1924 bei Max Born promoviert wurde.
Er arbeitete danach mit Max Born, damals Direktor der Abteilung für Theoretische Physik, und dessen Assistenten Werner Heisenberg. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse veröffentlichten die drei 1925 in zwei Aufsätzen Zur Quantenmechanik.
Die mathematische Formulierung kam dabei hauptsächlich von Jordan, der vorher Assistent von Richard Courant gewesen war. Zu dieser Zeit schrieb Jordan außerdem mit James Franck das Buch Anregung von Quantensprüngen durch Stöße, Springer, Berlin 1926.
Nach seiner Habilitation 1926 zum Thema Zur Theorie der Quantenstrahlung wurde er im folgenden Jahr zunächst Privatdozent in Hamburg und erhielt dann 1929 eine außerordentliche Professur an der Universität Rostock. 1935 wurde er dort auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik berufen.
Bereits seit 1930 veröffentlichte Jordan politische Artikel unter dem Pseudonym Ernst Domeier in rechtsextremen Publikationen, wie in den 1990er Jahren bekannt wurde. Zum 1. Mai 1933 trat Jordan der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.810.642) und zum 4. November desselben Jahres der SA bei. Trotz seiner nationalistischen Einstellungen lehnte er Bewegungen wie die Deutsche Physik ab. Er würdigte in seinem 1936 erschienenen populärwissenschaftlichen Buch Die Physik des 20. Jahrhunderts ausdrücklich die Leistungen jüdischer Physiker. Er versuchte sogar, die Nationalsozialisten davon zu überzeugen, dass die moderne Physik das beste Mittel gegen den Kommunismus sei.
Nancy Greenspan schreibt in ihrer Biographie von Max Born, Jordan sei einer der wenigen Besucher James Francks und Max Borns nach Francks ostentativem Rücktritt am 17. April 1933 anlässlich der Machtergreifung der Nationalsozialisten gewesen. Er war über dessen Behandlung und die drohende Entlassung Borns sehr aufgebracht und äußerte diesem gegenüber, er selbst hätte dies vielleicht verhindern können, wenn er Mitglied der NSDAP gewesen wäre. Zwei Wochen später trat er in die NSDAP ein.
Sein Eintreten für den Nationalsozialismus brachte ihm anscheinend keine Vorteile für seine Karriere. Man schien ihm sogar zu misstrauen. So war er an wichtigen Kriegsprojekten nicht beteiligt. Seit 1939 arbeitete er als Meteorologe bei der Luftwaffe, danach in einem physikalischen Institut der Kriegsmarine. 1944 wurde er mit Werner Heisenbergs Unterstützung als Nachfolger von Max von Laue Ordinarius an der Berliner Universität.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Herrschaft verhinderte sein politisches Verhalten zunächst eine akademische Tätigkeit. Erst nach der Entnazifizierung 1947 erhielt er zunächst auf Empfehlung Wolfgang Paulis eine Gastprofessur in Hamburg. 1953 wurde er dort Ordentlicher Professor bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1971.
Als Pauli ihn fragte, wieso er im „Dritten Reich“ „solche Dinge“ schreiben konnte, antwortete er nur, wieso Pauli die denn gelesen habe. Seine Verwicklung in den Nationalsozialismus war wohl der Grund, warum er als einziger der Begründer der Quantenmechanik und der Quantenfeldtheorie keinen Nobelpreis erhielt. Für Schweber war er ein „…tragic unsung hero of quantum field theory“. Albert Einstein schlug ihn zweimal Mitte der 1920er Jahre vor und Eugene Wigner 1979.
Von 1957 bis 1961 war Jordan Mitglied des Deutschen Bundestages für die CDU. Bemerkenswert war seine ablehnende Stellungnahme 1957 gegen die Göttinger Achtzehn (und damit auch gegen Born und Heisenberg) zur Frage der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr. Dass er dabei seinem wissenschaftlichen Lehrer Max Born die politische Urteilsfähigkeit absprach, führte zum Zerwürfnis der beiden.
Jordan war Mitbegründer der 1966 entstandenen rechtskonservativen Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland (ENiD). Er war viele Jahre auch ein wichtiges Mitglied im Brüderlichen Kreis, verließ ihn aber nach einem Zerwürfnis in den 1960er Jahren.
Pascual Jordans Grabstätte befindet sich auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg im Planquadrat E 9 südwestlich von Kapelle 4.
Zu seinen Doktoranden zählen Jürgen Ehlers, Wolfgang Kundt, Manfred Trümper, Klaus Bichteler, Wolf Beiglböck und Engelbert Schücking.
Zusammen mit Max Born baute Pascual Jordan 1925 die neuartigen Ideen Heisenbergs zu dem konsistenten mathematischen Formalismus der Matrizenmechanik aus. Unter anderem bewies er die von Max Born aufgestellten grundlegenden Vertauschungsregeln der Quantenmechanik (zum Beispiel zwischen Impulsoperator und Ortsoperator). Unabhängig von Paul A. M. Dirac stellte er die Transformationstheorie auf, eine abstraktere Formulierung der Quantenmechanik.