Die Partido Socialista Obrero Español (kurz PSOE [spanische Aussprache: [peˈsoe] ], deutsch Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) ist eine Mitte-links stehende politische Partei in Spanien, die seit 1879 (unter dem jetzigen Namen seit 1888) besteht und damit die älteste Partei Spaniens ist. Die PSOE versteht sich heute als sozialdemokratische Partei.
Die Partei wurde am 2. Mai 1879 als Partido Socialista del Trabajo (Sozialistische Arbeitspartei) von Pablo Iglesias Posse gegründet und 1888 in Partido Socialista Obrero Español umbenannt. Eng mit der PSOE verbunden war der 1888 ebenfalls von Pablo Iglesias gegründete Gewerkschaftsbund Unión General de Trabajadores (UGT). Die Sozialisten waren zunächst vor allem in Asturien, den Industrieregionen des Baskenlandes und in Madrid stark vertreten, während sie in den Industriegebieten Kataloniens kaum Einfluss besaßen.
1910 gelang den Sozialisten mit Pablo Iglesias erstmals der Einzug ins spanische Parlament. Allerdings blieb der parlamentarische Einfluss der PSOE bis 1923 aufgrund des geltenden Wahlrechts und von Manipulationen im Rahmen des Kazikentums gering. 1920 spaltete sich die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) von der PSOE ab.
In der Zweiten Spanischen Republik wurde die Partei bei den Parlamentswahlen von 1931 mit 131 Abgeordneten zur stärksten Partei im Abgeordnetenhaus der Cortes und war von 1931 bis 1933 Teil der Regierungskoalition des linksliberalen Ministerpräsidenten Manuel Azaña. Im Jahre 1933 verlor diese Koalition die Parlamentswahlen gegen die konservative CEDA. Im Jahre 1934 beteiligten sich große Teile des PSOE und der UGT an dem Arbeiteraufstand in Asturien.
Im Jahre 1935 bildete die Partei zusammen mit Linksliberalen und Kommunisten die Volksfront (Frente Popular), die die Wahlen von 1936 gewann und die Regierung bildete. Während des Spanischen Bürgerkrieges zwischen der Volksfrontregierung und den aufständischen Militärs unter Francisco Franco stellte der PSOE mit Francisco Largo Caballero (1936–1937) und Juan Negrín (1937–1939) den Ministerpräsidenten der spanischen Republik.
Während der Franco-Diktatur war die Partei verboten und agierte im Inland aus dem Untergrund. Die eigentlichen Aktivitäten der Partei verlagerten sich jedoch ins Exil. Die Parteizentrale wurde ins grenznahe Toulouse verlegt. Die anderen großen Exilzellen waren in Paris, Mexiko, Buenos Aires, Lüttich und der Schweiz.
Im Jahr 1974 formierte sich die sozialistische Partei illegal unter dem Decknamen „Isidoro“ neu. Im französischen Suresnes hielt sie ihren Parteitag ab. Mit der Transición und nach der Zulassung der Partei 1976 wurde Felipe González Márquez Vorsitzender des PSOE. Neu war auch der versöhnliche erinnerungspolitische Ansatz zum Bürgerkrieg nach dem pragmatischen aber nicht unumstrittenen Topos „Den Bürgerkrieg haben wir alle verloren“ („La guerra, la perdimos todos“). Unter der Bedingung eines Bekenntnisses des Königs zur Demokratie, wurde der Antimonarchismus abgeschwächt. 1979 strich die Partei die Selbstdefinition als „marxistisch“ aus ihrem Programm und entwickelte sich in die bis heute prägende politische Richtung. Die PSOE war damit sowohl einer weitgehend marktwirtschaftlichen Politik als auch der Verankerung Spaniens in der Europäischen Gemeinschaft verpflichtet.
Mit dem programmatischen Richtungswechsel von 1979 wurde die Partei mehrheitsfähig und etablierte sich als Alternative zu der bis dahin regierenden Unión de Centro Democrático (UCD) unter dem Ministerpräsidenten Adolfo Suárez, die ab 1980 eine schwere Regierungskrise erlitt und sich als Partei aufzulösen begann. Der unpopuläre Beitritt Spaniens zur NATO im Mai 1982 wurde schließlich zum entscheidenden Wahlkampfthema der Sozialisten für die Parlamentswahlen am 28. Oktober 1982. Durch die Ankündigung, ein Referendum durchzuführen, das den Wiederaustritt aus der NATO ermöglichen sollte, gelang es der Partei, die UCD in der Gunst der Wähler deutlich zu überholen und die absolute Mehrheit der Sitze zu erringen. Sie bildete die erste Regierung unter Ministerpräsident Felipe González, der bis 1996 ununterbrochen im Amt blieb.
Schon kurz nach den Wahlen änderten die Sozialisten allerdings ihre Haltung gegenüber der NATO, unter anderem aus taktischen Erwägungen, um nicht durch einen Austritt aus der NATO die Beitrittsverhandlungen mit der EG zu gefährden. Als nach deren erfolgreichem Abschluss und dem spanischen EG-Beitritt zum 1. Januar 1986 das vor der Wahl angekündigte Referendum doch noch durchgeführt wurde, warb der PSOE schließlich für einen Verbleib in der NATO, der auch mit großer Mehrheit von den Wählern angenommen wurde. Wenige Monate später gewannen die Sozialisten erneut die Parlamentswahlen und erreichten wiederum die absolute Mehrheit.
Während der folgenden Jahre vertrat die Partei eine liberale Wirtschaftspolitik in Verbindung mit sozialen Reformen. Bei den Wahlen 1989 konnten die Sozialisten noch einmal knapp die absolute Mehrheit verteidigen, ab 1993 stellten sie eine Minderheitsregierung. Mehrere Korruptionsskandale sowie die Verwicklung des Innenministeriums und hochrangiger PSOE-Mitglieder in den Skandal um die von Todesschwadronen der Grupos Antiterroristas de Liberación (GAL) in den 1980er Jahren verübten Morde an (vielfach nur vermeintlichen) Terroristen der ETA und baskisch-separatistischen Politikern führten zur Diskreditierung der Regierung. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 3. März 1996 errang PSOE 38,8 % der Stimmen und 141 der insgesamt 351 Sitze und verlor damit die langjährige Mehrheit an die konservative Partido Popular (PP), die von ehemaligen franquistischen Ministern gegründet worden war und im demokratischen Parteiensystem lange eine marginale Rolle gespielt hatte. Im Jahr 1997 ging der Parteivorsitz an Joaquín Almunia über und im Juli 2000 übernahm José Luis Zapatero das Amt.
In den kurz nach den Madrider Zuganschlägen stattfindenden spanischen Parlamentswahlen vom 14. März 2004 konnte die Partei überraschend die Mehrheit mit ihrem Spitzenkandidaten José Luis Rodríguez Zapatero zurückgewinnen (42,6 %, 164 Sitze). Nach acht Jahren in der Opposition war PSOE damit wiederum in der Lage, eine Minderheitsregierung zu bilden, die von der linksgerichteten Izquierda Unida (IU) und den katalanischen Linksnationalisten Esquerra Republicana de Catalunya (ERC) sowie anderen Regionalparteien gestützt wurde. Am 16. April 2004 wurde Zapatero vom spanischen Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt und einen Tag später von König Juan Carlos I. vereidigt.
Die Legislaturperiode 2004–2008 war außenpolitisch durch den Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak und eine Verschlechterung der Beziehungen zu den USA geprägt. Zugleich intensivierte die neue Regierung die Bemühungen um Fortschritte der europäischen Integration; im spanischen Referendum zum EU-Verfassungsvertrag setzte sich der PSOE erfolgreich für ein Ja ein. Innenpolitisch führte die Regierung Zapatero gesellschaftliche Reformen durch, darunter die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe und des Vaterschaftsurlaubs sowie die Legalisierung des Aufenthaltsstatus illegaler Einwanderer. Außerdem kam es zu Reformen der Autonomiestatute, mit denen die autonomen Gemeinschaften gestärkt wurden, und zu – erfolglosen – Friedensverhandlungen mit der baskischen Terrororganisation ETA. Dies führte zu heftigen Konflikten mit dem PP, aber zu einer Annäherung zwischen dem PSOE und den Regionalparteien wie dem baskischen PNV, der katalanischen CiU oder dem galicischen BNG.
Bei den Parlamentswahlen von 2008 verzeichneten die Sozialisten leichte Gewinne und trugen erneut einen Sieg davon. Die folgenden Monate waren vom Kampf gegen die weltweite Finanzkrise geprägt, die die spanische Immobilienwirtschaft hart getroffen hatte. Daneben setzt sich die PSOE für weitere gesellschaftliche Reformen ein, etwa für ein umfassendes Ausländerwahlrecht.
Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 20. November 2011 trat Alfredo Pérez Rubalcaba als Spitzenkandidat an. Die PSOE gewann nur 110 von 330 Sitzen, erhielt damit das schlechteste Ergebnis seit 1979 und ging in die Opposition. Rubalcaba übernahm im Februar 2012 von Zapatero das Amt des Generalsekretärs der Partei, wobei er sich auf dem 38. Parteitag knapp gegen seine Mitbewerberin Carme Chacón durchsetzte. Nach der für die zwei Volksparteien des Landes desaströs verlaufenen Europawahl 2014, die das Ende des Zweiparteiensystems in Spanien andeutete und die Partei fast die Hälfte ihrer Stimmen kostete, wurde im Juli 2014 der bis dahin weitgehend unbekannte Pedro Sánchez mit Unterstützung der andalusischen Ministerpräsidentin Susana Díaz, die damit die Wahl Eduardo Madinas verhindern wollte, zum Generalsekretär der Partei gewählt.