Parisina Malatesta, eigentlich Laura Malatesta (* Oktober 1404; † 21. Mai 1425 in Ferrara), war eine italienische Adelige aus dem Haus der Malatesta von Rimini und die zweite Gemahlin des Markgrafen Niccolò III. d’Este (* 9. November 1383 oder 1384; † 26. Dezember 1441), des Herren von Ferrara, Modena und Reggio nell’Emilia. Berühmt wurde sie, da sie ein ähnliches Schicksal wie die von Dante in der Göttlichen Komödie (im Inferno) besungene Francesca da Rimini erlitt. Parisina verliebte sich in ihren Stiefsohn Ugo d’Este und wurde als Ehebrecherin gemeinsam mit ihm am 21. Mai 1425 hingerichtet. Ihr Schicksal inspirierte Dichter und Komponisten wie Edward Gibbon und Lord Byron, dessen Gedicht zur Grundlage der Parisina gewidmeten Opern von Gaetano Donizetti und Pietro Mascagni wurde.
Parisina stammte aus dem italienischen Adelsgeschlecht der Malatesta, das ab 1295 Rimini und zu seiner Glanzzeit darüber hinaus große Teile der Romagna beherrschte.
Parisinas Vater war der bekannte Condottiere Andrea Malatesta (* 1373, † 1416), Herr der Städte Cesena (südlich von Ravenna in der Region Emilia-Romagna) und Fossombrone (Provinz Pesaro und Urbino). Er kämpfte erfolgreich für verschiedene Herren und starb 1416 als Generalkapitän von Perugia.
Parisinas Mutter war Lucrezia Ordelaffi (* 1389, † 1404), die zweite Frau des Andrea Malatesta. Sie war eine Tochter des Cecco Ordelaffi, des Herren von Forlì (in der Provinz Forlì-Cesena) und der Caterina Gonzaga († 1438).
Über die ersten Lebensjahre Parisinas ist wenig bekannt. Sie wurde vermutlich in der Rocca Malatestiana, der Stadtburg der Malatesta in Cesena, geboren, die heute noch besteht und besichtigt werden kann. Sie war das einzige Kind ihrer Mutter Lucrezia Ordelaffi, die sie jedoch bereits wenige Tage nach ihrer Geburt verlor, da Lucrezia laut zeitgenössischen Chroniken von ihrem Vater Cecco Ordelaffi vergiftet worden sein soll. Parisinas Vater verheiratete sich 1408 in dritter Ehe mit Polissena Sanseverino, die wenig Freude mit einer Tochter ihrer Vorgängerin hatte, weshalb Parisina von Cesena wegkam und in Rimini bei ihrem Onkel Carlo Malatesta († 13. September 1429), der mit Elisabetta Gonzaga († 31. Juli 1432) verheiratet war, aufwuchs. Sie lebte daher getrennt von ihren Halbgeschwistern aus der ersten Ehe ihres Vaters mit Rengarda Alidosi († 1401): Galeotto Malatesta (* 1395, † 1414), Elisabetta Malatesta († 1434), die 1414 Obizzo da Polenta heiratete und Antonia Malatesta, die mit Giovanni Maria Visconti (* 1389, † 1412), 2. Herzog von Mailand (1402–1412), verheiratet war. Die dritte Ehe ihres Vaters blieb kinderlos.
Mit nicht ganz vierzehn Jahren wurde Parisina Malatesta im Jahre 1418 mit dem 35-jährigen – d. h. mehr als doppelt so alten – Markgrafen Niccolò III. d’Este (* 9. November 1383 in Ferrara, † (ermordet) am 26. Dezember 1441 in Mailand) vermählt, der Herr von Ferrara, Modena und Reggio nell’Emilia war. Niccolò III. war seit 1416 von seiner ersten Ehefrau, Gigliola da Carrara (* 1379, † 1416), einer Tochter des Francesco Novello da Carrara, Herr von Padua und der Taddea d’Este, verwitwet.
Ihr feierlicher Einzug in Ferrara erfolgte unter keinem guten Vorzeichen, da in der Stadt die Pest wütete. In Ferrara wohnte sie im Castello Estense, der düsteren Stadtburg der Este, wo sich ihre Wohnung in der Torre dei Rigobelli befunden haben soll. Im Sommer konnte sie jedoch das Leben in den verschiedenen „Delize“ – den Landschlössern der Este – außerhalb der Stadt genießen, wobei sie eine besondere Vorliebe für die Delizia in Consaldano und für die nach ihr benannte Torre di Parisina in Gualdo hatte.
Parisina erwarb sich durch ihre Jugend, ihre Lebenslust und Güte rasch die Liebe ihrer Umgebung. Sie war eine leidenschaftliche Tierfreundin und liebte insbesondere Pferde. Sie hatte einen eigenen Rennstall und schickte ihre Pferde zum Palio – dem traditionellen städtischen Pferderennen – nach Verona, Mantua, Modena, Bologna und Mailand. Überall war ihr Jockey Giovanni da Rimini siegreich. Ihre Farben – Weiß und Rot – waren daher auf allen Rennplätzen bekannt.
Sie liebte auch Vögel und ließ daher seltene Exemplare in Venedig kaufen, die sie in Volieren hielt, wie dies damals an großen Höfen üblich war.
Teure Stoffe, Kleinodien, wohlriechende Öle und Essenzen ließ sie in Mailand und Venedig besorgen.
Sie war sehr beliebt bei ihren „damigelle“ – den Hoffräulein – da sie ihnen viele Geschenke machte und sich ihnen gegenüber stets freundlich verhielt. Besonders zugetan war sie der Pelegrina Rubino, einer Tochter des Giacomo Rubino, eines Höflings ihres Ehemannes. Als Pelegrina schließlich heiratete, überschüttete sie sie mit Geschenken.
Parisina hatte eine gute Erziehung erhalten und las wie alle Damen der damaligen großen Welt Ritterromane, wie etwa „Tristan und Isolde“ oder „Girone il Cortese“.
Sie hatte auch eine große Liebe zur Musik und spielte selbst mit großem Geschick die Laute.
Parisina war fromm, ging regelmäßig zur Kirche und ließ sich vom Hauskaplan Fra’ Maginardo aus dem Psalter vorlesen oder las selbst in ihrem illuminierten Stundenbuch, das in schwarzes Samt gebunden war.
Besonders gewöhnungsbedürftig waren für die romantische vierzehnjährige neue Markgräfin vor allem die – überschäumenden – erotischen Bedürfnisse ihres Ehemannes. Der Bischof und bedeutende Schriftsteller Matteo Bandello (* 1485, † 1561) nannte ihn den „Hahn von Ferrara“ und schrieb, dass es in Ferrara und im Umland keine Gegend gäbe, wo Niccolò nicht einen Bastardsohn hätte, sodass im Volk der Spruch kursierte „di qua e di là dal Po son tutti figli di Niccolò“ („auf beiden Seiten des Po – lauter Kinder von Niccolò“).
Niccolò hatte zwar aus seiner ersten – mit dreizehn Jahren geschlossenen – Ehe keine Kinder, wohl aber eine ganze Schar Kinder aus außerehelichen Beziehungen. So fand Parisina in Ferrara nicht nur die Geliebte ihres Ehemannes – Stella de’ Tolomei († 11. Juli 1419), sondern auch deren Kinder vor, die etwa gleich alt waren wie sie selbst. Es waren dies:
Margarita d’Este (* um 1405, † 1475), die später mit Parisinas Cousin, Galeotto Roberto Malatesta (* 1411, † 1432) verheiratet war.
Ugo d’Este (* 17. November 1405, † 21. Mai 1425), der ihr Schicksal werden sollte.