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Paris Bordone

Maler der venezianischen Schule (1500–1570)

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Paris Bordone (* getauft am 5. Juli 1500 in Treviso; † 19. Januar 1571 in Venedig), auch Paris Bordon bzw. lateinisiert Paris Paschalinus, war ein italienischer Maler und Zeichner der venezianischen Renaissance. Er war in Venedig, Oberitalien und möglicherweise auch in Frankreich tätig. Zu Lebzeiten war Bordone sehr gefragt, geriet aber außerhalb Trevisos, wo sich die meisten seiner Werke befanden, schnell in Vergessenheit. Giorgio Vasari nannte ihn den Maler, der Tizian am meisten nachgeahmt habe, und diese Einordnung wurde in der Literatur lange übernommen. Die neuere Forschung hält dies jedoch nur eingeschränkt für zutreffend. Jacob Burckhardt bezeichnete das Bild Ringübergabe als besonders schön gemaltes Zeremonienbild. Die Bordone-Forschung stützt sich maßgeblich auf die Monografie von Luigi Bailo und Girolamo Biscaro aus den Jahren 1900/1901 sowie auf die Ausstellung in Treviso aus dem Jahr 1984.

Paris Bordone wurde als Sohn des Sattlers Giovanni und seiner Frau Angelica in Treviso geboren und am 5. Juli 1500 getauft. Seine Mutter war möglicherweise eine Tochter des venezianischen Adligen Alvise Gradenigo. Nach dem Tod des Vaters lebte er ab spätestens 1508 mit seiner Mutter in Venedig. Vom Vater erbte er ein kleines Anwesen mit Haus in Lovadina bei Treviso. Laut Giorgio Vasari wurde Bordone in Grammatik und Musik unterrichtet, bevor er in die Werkstatt Tizians eintrat. Nach einigen Jahren trennten sich die Wege der beiden im Streit. Dieser Bericht beruht ausschließlich auf Vasari. Laut Vasari erhielt Bordone im Jahr 1518 den Auftrag für das Hochaltarbild von S. Niccolò ai Frari, verlor diesen jedoch durch Tizians Einfluss an diesen.

Frühe Jahre in Venedig und Treviso

1520/21 war Paris Bordone als Freskant in der Loggia del Capitanio in Vicenza tätig. Dort schuf er mit einer Szene aus der Geschichte Noahs das Gegenstück zu Tizians Salomonischem Urteil. Beide Fresken wurden 1571 zerstört. Ab 1518 ist er urkundlich als Mieter von Wohnungen nahe der Piazza San Marco in Venedig nachweisbar. In diesen Jahren arbeitete er vor allem für private Auftraggeber in Venedig und Treviso und malte Porträts und Andachtsbilder. Um 1530/32 wurde er in der venezianischen Malerzunft als Meister registriert. Nach einer Angabe aus dem Jahr 1535 war er Mitglied der Scuola Grande di San Marco.

1534 erhielt Paris Bordone seinen ersten und einzigen größeren öffentlichen Auftrag. Für den Albergo der Scuola Grande di San Marco malte er das Bild Ringübergabe (auch Der Fischer überbringt dem Dogen den Ring des hl. Markus genannt; 370 × 300 cm; Venedig, Gallerie dell’Accademia). Als thematisches Gegenstück diente der Seesturm, den Giorgione begonnen und Palma il Vecchio fortgeführt haben dürfte. Zur Datierung gibt es abweichende Angaben: Ein Beschluss der Scuola vom 19. Januar 1533 über die Ausstattung des Albergo wird auf das Gemälde bezogen. Zwei Dokumente legen eine Fertigstellung noch im Jahr 1534 nahe.

Am 28. März 1536 setzte Bordones Ehefrau Cinzia ihr Testament auf. Das darin genannte Haus im Sprengel von S. Marcilian bewohnte er noch am 28. Mai 1566. In der zweiten Hälfte der 1530er Jahre schuf er Freskenzyklen im Umland von Treviso und Belluno, darunter in der Kirche von Lovadina (zerstört; zwei Dokumente von 1536), in S. Simone in Vallada (ca. 1536–1538) und in S. Croce in Pialdier (ca. 1539/40). Ein Porträt des Hieronymus Kraffter (Louvre) ist signiert und datiert auf das Jahr 1540; die Inschrift auf dem Gemälde nennt Augsburg. Ob Bordone dafür nach Augsburg reiste, ist unsicher, da das Bild auch in Venedig entstanden sein kann. Vasari berichtet von Arbeiten für die Fugger in Augsburg. Direkte Lieferungen an Mitglieder der Familie Fugger gelten für die Zeit von etwa 1545 bis 1565 als wahrscheinlich. Als weitere deutsche Sammler sind Hans Jakob König und Willibald Imhoff belegt.

Ab etwa 1540 zeigt sich in Bordones Werk der Einfluss des Manierismus. Im Oktober 1548 schätzte er drei Porträts von Lorenzo Lotto. Im Dezember 1548 schrieb Pietro Aretino einen Brief an ihn. Am 23. November 1548 ist er in Mailand dokumentiert, wo er mehrere Aufträge für Carlo da Rho ausführte, darunter das Altarbild der Hieronymus-Kapelle in Santa Maria presso San Celso und Bathseba im Bade (Köln, Wallraf-Richartz-Museum). Danach lieferte er mehrere Altarbilder für Kirchen in Treviso.

Vasari datiert eine Reise Bordones an den französischen Hof auf das Jahr 1538, die neuere Forschung (Sylvie Béguin, Fossaluzza) hingegen auf das Jahr 1559, was auch einer älteren trevisanischen Lokaltradition entspricht. Nach Vasari war Bordone in Fontainebleau unter anderem für den französischen König tätig. Für Charles de Guise, Kardinal von Lothringen, schuf er das Gemälde Jupiter und Io (Göteborg, Göteborgs konstmuseum). Weder französische Dokumente noch erhaltene Werke bestätigen den Aufenthalt am Hof eindeutig.

Am 30. August 1563 setzte Bordone in Venedig sein Testament auf. Eine Steuererklärung vom 15. Januar 1566 weist neben dem ererbten Grundbesitz sechs Stadtwohnungen aus. Im Jahr 1566 traf Vasari ihn persönlich. Bordone starb am 19. Januar 1571 in Venedig.

Zu seinen frühen Werken zählen das Porträt eines bärtigen Mannes (1523, München) und das Ehepaar mit Brautwerber (um 1525, Mailand, Pinacoteca di Brera), die Anregungen aus dem Umkreis Giorgiones erkennen lassen. Religiöse Darstellungen wie die Heilige Familie mit der heiligen Katharina (um 1526, Sankt Petersburg) und die Madonna mit Heiligen (um 1525, Glasgow) orientieren sich wiederum an Tizian und Palma il Vecchio. Die Altarbilder für Sant’Agostino in Crema und S. Francesco in Noale (heute Lovere bzw. Rom) zeigen eine gesteigerte Dramatik, die auf den Einfluss Pordenones zurückgeführt wird.

Ab etwa 1540 entstanden allegorische und mythologische Gemälde sowie Bildnisse mit manieristischen Elementen, darunter die Taufe Christi (um 1545, Mailand, Pinacoteca di Brera) und das Familienporträt in Chatsworth House (zweite Hälfte der 1540er Jahre). In den 1550er Jahren malte er Kurtisanen- und Damenbildnisse sowie Venusdarstellungen. Nach seiner Frankreichreise schuf er großformatige Architekturveduten wie den Gladiatorenkampf (Wien, Kunsthistorisches Museum), die auf eine Auseinandersetzung mit den Werken Antoine Carons hinweisen.

Die meisten Zeichnungen Bordones sind verloren. Erhalten sind etwa 30 Blätter mit Studien in Kohle und Feder, jedoch keine Modelli oder Kartons. Sein Aussehen ist nicht überliefert. Das sogenannte Selbstbildnis im Museo Civico Luigi Bailo in Treviso stammt nicht von seiner Hand. Zwei Selbstbildnisse werden jedoch im 17. Jahrhundert erwähnt.

Ein Fischer überreicht dem Dogen den Ring des heiligen Markus, 1534, Öl auf Leinwand, 370 × 301 cm, Gallerie dell’Accademia, Venedig.

Venezianisches Liebespaar, um 1525–1530, Öl auf Leinwand, 80,5 × 86 cm, Pinacoteca di Brera, Mailand.

Heilige Familie mit dem heiligen Ambrosius und einem Stifter, um 1525, Öl auf Holz, 93 × 130 cm, Pinacoteca di Brera, Mailand.

Heiliger Georg und der Drache, um 1525, Öl auf Holz, 290 × 189 cm, Pinacoteca Vaticana, Vatikanstadt.

Neptun und Amphitrite, Öl auf Leinwand, 106 × 98,5 cm, am 15. Oktober 2013 beim Dorotheum versteigert.

Bathseba im Bade, um 1549, Öl auf Leinwand, 234 × 217 cm, Wallraf-Richartz-Museum, Köln.

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