Pantöffelchen (russisch: Черевички, Tscherewitschki; wiss. Transliteration Čerevički; englische Schreibweise: Cherevichki; Alternativtitel: Die goldenen Schuhe oder Oxanas Launen) ist eine komisch-phantastische Oper in vier Akten und acht Bildern von Pjotr Tschaikowski (Musik) mit einem Libretto von Jakow Polonski nach Nikolai Gogols Erzählung Die Nacht vor Weihnachten. Sie entstand 1885 als Überarbeitung seiner Oper Der Schmied Wakula von 1876. Die Uraufführung erfolgte am 19. Januarjul. / 31. Januar 1887greg. im Bolschoi-Theater in Moskau.
Die Oper spielt Ende des 18. Jahrhunderts in der Nacht vor Weihnachten in einem Dorf in der Ukraine. Die wichtigsten Protagonisten sind die Hexe Solocha, ihr Sohn Wakula, die von diesem verehrte Dorfschönheit Oksana, deren Vater Tschub und der Teufel Bes.
Erstes Bild: Winternacht mit Mondschein. Eine Straße im Dorf Dikanka
Die Dächer der ukrainischen Bauernhäuser sind schneebedeckt, die Zäune, kleinen Gärten und Bäume eingefroren. Auf der linken Seite Solochas Haus mit einem Schornstein und einem kleinen Tor zur Straße hin, auf der rechten Seite das Haus Tschubs mit geschlossenen Fensterläden und einer Terrasse. Im Hintergrund teilt sich die Straße in zwei Wege nach rechts und links; an der Gabelung befindet sich ein Gasthaus mit erleuchteten Fenstern.
Solocha tritt aus ihrem Tor auf die Straße. Sie sieht sich horchend um, da sie nicht bemerkt werden möchte. Der Teufel kommt ihr entgegen. Er macht ihr Komplimente und weist sie auf verschiedene Merkmale in ihrem Äußeren hin, die sie als Hexe kennzeichnen (Duett: „Оседлаю помело“ – „Ossedlaiu pomelo“). Die beiden vereinbaren ein Wettfliegen. Solocha kehrt in ihr Haus zurück. Der Teufel erinnert sich an den Grund für sein Erscheinen im Dorf: Er will sich an Solochas Sohn, dem Schmied Wakula, rächen, der ihn mit einer Karikatur vor den anderen Teufeln lächerlich gemacht hatte. Sein Plan sieht vor, mit Solochas Hilfe den Mond zu stehlen, um den Kosaken Tschub, den Vater von Wakulas Geliebter Oksana, daran zu hindern, ins Wirtshaus zu gehen. Dann kann Wakula Oksana nicht allein im Haus antreffen. Ein starker Schneesturm bricht aus. Die Hexe fliegt, nur mit ihrem Nachthemd bekleidet, auf ihrem Besen aus dem Schornstein. Der Teufel tritt ins Haus und folgt ihr auf demselben Weg. Im Sturm werden die schwarzen Silhouetten der beiden Fliegenden vor dem Himmel sichtbar und verdecken die Scheibe des Vollmonds. Hinter der Bühne besingen Geister die hereingebrochene Dunkelheit. Tschub und sein Kumpan Panas kommen auf die Straße. Der fehlende Mond hat sie nicht daran gehindert, den Weg zur Schenke zu suchen, doch sie verlaufen sich im Schneesturm.
Zweites Bild: Das Innere von Tschubs ukrainischer Hütte mit Fenstern zur Straße
Ein Kamin und eine niedrige Trennwand, hinter der Oksanas Truhe und ihr Bett zu sehen sind. Der Tisch ist zum Fest geschmückt, darauf eine Öllampe, eine hölzerne Schale und Plätzchen für die Koljadi-Sänger. Ein Handtuch hängt an der Wand, neben dem Kamin ein Schüreisen und eine Schaufel. Oksana tritt in ihrem besten Kleid hinter der Trennwand hervor. ihr Haar ist mit Bändern geschmückt, und sie hält einen Spiegel. Sie lauscht nach dem Geräusch des Windes und lehnt dann den Spiegel an die Schale auf dem Tisch. Sie wirft übelgelaunt einen Blick aus dem Fenster.
Oksana ärgert sich über ihren Vater, der es trotz des Wetters vorgezogen hat, sich im Wirtshaus zu betrinken, statt mit seiner Tochter Weihnachten zu feiern. Sie sehnt sich nach der Liebe ihrer verstorbenen Mutter, betrachtet sich im Spiegel und sinnt über ihre Schönheit nach (Arie: „Ишь ты, какая вьюга!“ – „Isch ty, kakaja wjuga!“). Unterdessen betritt Wakula das Zimmer. Erst nachdem er sie eine Weile bewundert hat, bemerkt Oksana ihn. Sie hat Mühe, seine Annäherungsversuche abzuwehren und fragt ihn, ob die Gerüchte stimmen, dass seine Mutter eine Hexe sei. Wakula entgegnet, dass ihn seine Eltern nicht interessieren – ebenso wenig wie der Zar oder Reichtümer. Er sehne sich nur nach ihr (Arioso: „О, что мне мать, что мне отец!“ – „O, tschto mne mat, tschto mne otez!“). Oksana ist davon überzeugt, dass ihr Vater bald seine Mutter heiraten werde. Sie zieht sich hinter die Trennwand zurück. Der schneebedeckte Tschub tritt ein und bemerkt Wakula, erkennt ihn aber nicht. Er glaubt, versehentlich in das falsche Haus geraten zu sein. Auch Wakula erkennt Tschub nicht, hält ihn für einen Koljaka-Sänger und prügelt ihn hinaus. Von dem Lärm aufgeschreckt kehrt Oksana zurück. Sie erkennt den Irrtum, akzeptiert Wakulas Entschuldigungen aber nicht und wirft ihn hinaus. Dabei teilt sie ihm mit, dass sie längst einen anderen jungen Mann liebe (Duett: „То ли дело другой!“ – „To li delo drugoi!“). Aber nachdem Wakula gegangen ist, gesteht sie sich ihre Liebe zu ihm ein. Draußen singen und lachen Oksanas Freundinnen. Einige von ihnen kommen herein, um sie zu überreden, mit ihnen Koljadi zu singen. Oksana schickt sie fort und bricht in Tränen aus.
Drittes Bild: Solochas Hütte, ähnlich wie die von Tschub
Hier befindet sich anstelle der Trennwand ein großer Herd mit einer Pritsche auf der einen Seite und einem Bett auf der anderen, Essgeschirr an der Wand und Kohlensäcke. Der Tisch ist mit Essen und Flaschen gedeckt. In der Nähe des Fensters stehen ein Bottich und ein Fass. Beim Heben des Vorhangs knöpft Solocha langsam ihren Kragen zu. Sie hat sich soeben einen Mantel über die Schultern geworfen. Ihr Haar ist ungekämmt. Der Teufel kriecht aus dem Ofen hervor.
Solocha ist verärgert, weil ihr Besen zerbrochen und sie bei der Landung in den Rauchfang geraten ist. Der Teufel flirtet erneut. Sie fordert ihn auf, einen Hopak mit ihr zu tanzen. Der Teufel ruft weitere Teufelchen herbei, die mit kleinen Geigen und Flöten aus dem Kamin hervorkommen und zu spielen anfangen. Ein Klopfen an der Tür unterbricht den Tanz. Es ist der Dorfschulze Golowa, einer von Solochas Verehrern. Die Musiker verstecken sich hinter dem Kamin, und der Teufel schlüpft in einen Sack. Solocha bietet Golowa ein Glas Wodka an. Er fängt an zu singen, aber bevor er Solocha näher kommen kann, klopft es erneut. Da Golowa nicht mit ihr gesehen werden möchte, leert Solocha einen Kohlensack in das Fass, und Golowa versteckt sich darin. Der zweite Ankömmling ist der Schulmeister, ein weiterer Verehrer Solochas. Er singt ein Lied zu ihren Ehren („Баба к бесу привязалась“ – „Baba k bessu priwjasalas“), kommt aber ebenfalls nicht zum Zug, da schon wieder jemand an der Tür klopft. Auch er schlüpft in einen Sack, und der dritte Verehrer, Tschub, tritt ein. Solocha umarmt und küsst ihn, aber sie werden von ihrem heimkehrenden Sohn Wakula unterbrochen. Tschub schlüpft in denselben Sack, in dem sich schon der Schulmeister versteckt hatte. Im folgenden Quintett klagen alle über die unbequeme Lage in ihren Säcken, während sich der Teufel über sie lustig macht und Solocha bemüht ist, sie zur Ruhe zu bringen und gleichzeitig ihren Sohn aufzuhalten (Quintett: „О люте, люте мне, Солоха!“ – „O ljute, ljute mne, Solocha!“). Schließlich lässt sie den immer ungeduldiger klopfenden Wakula ein. Dieser meint, er müsse noch für das Weihnachtsfest aufräumen, und schleppt klagend die unerwartet schweren Säcke hinaus (Arioso: „Вот уже год прешëл и снова“ – „Wot usche god preschl i snowa“).
Viertes Bild: Straße im Dorf Dikanka wie im ersten Bild
Auf der Straße treffen sich drei Gruppen fröhlich singender Dorfbewohner, die um Geschenke betteln (Chorszene: „Выросла у тына красная калина“ – „Wyrosla u tyna krasnaja kalina“). Zwei Jungen ziehen Oksana und ihre Freundin Odarka auf einem Schlitten herbei. Oksana erblickt Wakula mit den drei Säcken und macht sich vor ihren Freunden über ihn lustig. Dann betrachtet sie bewundernd Odarkas neue Schuhe und beklagt sich, dass sie niemanden habe, der ihr solche schönen Dinge kaufe. Als aber Wakula auch ihr bunte Schuhe aus Kazan verspricht, verlangt sie solche, wie die Zarin sie trägt. Wenn ihm das gelinge, werde sie ihn auf der Stelle heiraten. Sie läuft mit den anderen Jungen und Mädchen zum Hintergrund der Szene, wo sie sich lachend eine Schneeballschlacht liefern. Dann kommt sie zurück und zeigt Wakula die Größe ihrer Schuhe (Pantöffelchen-Lied: „Черевички, невелички“ – „Tscherewitschki, newelitschki“). Wakula sieht keine Möglichkeit, diese Aufgabe zu erfüllen. Er will nur noch sterben und bittet seine Freunde, ihn nach seinem Tod zu betrauern. Er entfernt sich mit dem kleinsten der Säcke. Die Dorfbewohner untersuchen die beiden übrigen Säcke, in denen sie Koljadi-Geschenke vermuten. Golowa, Tschub und der Schulmeister schlüpfen heraus. Golowa versucht noch, Würde zu zeigen, und der Schulmeister läuft schnell fort. Tschub aber behauptet, sie zum Narren gehalten zu haben. Alle lachen.