An diesem Tag

Palast der Republik

Repräsentationsbau der DDR in Berlin

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Der Palast der Republik (kurz: PdR) war ein Gebäude am historischen Lustgarten und Schloßplatz (bis 1994: Marx-Engels-Platz) auf der Spreeinsel im Ost-Berliner Ortsteil Mitte. Er wurde zwischen 1973 und 1976 nach Plänen von Heinz Graffunder und anderen auf einem 15.300 m² großen Teil des Geländes des ehemaligen Berliner Schlosses errichtet, dessen wiederaufbaufähige Ruine die SED 1950 unter internationalen Protesten sprengen ließ. Das Gebäude stand auf der Ostseite des historischen Schlossareals, gegenüber befand sich das Außenministerium der DDR, in der Nachbarschaft der Berliner Dom und das Staatsratsgebäude. Der Palast der Republik war Sitz der Volkskammer und beherbergte eine große Zahl von Veranstaltungsräumen eines öffentlichen Kulturhauses.

Der Bau war 14 Jahre geöffnet und wurde 1990 mit der Begründung der Emission gesundheitsschädlicher Asbestfasern geschlossen. Von 1998 bis 2003 wurde der Bau deshalb dekontaminiert und dadurch auf einen Rohbauzustand zurückgeführt. Vom Innenleben wurde bis auf Einrichtungsgegenstände nichts erhalten. Trotz temporärer Nutzungen und ergebnisoffener Asbestsanierung wurde der Abriss durch einen Beschluss des Deutschen Bundestages von 2003 besiegelt. Das Bauwerk wurde von Anfang Februar 2006 bis Anfang Dezember 2008 abgerissen. Der Abriss war aus zeitgeschichtlichen, kulturellen und politischen Gründen umstritten. Im März 2013 begann an seiner Stelle der Wiederaufbau des Berliner Schlosses, das durch das 2020 eröffnete Humboldt Forum genutzt wird.

Der Palast der Republik wurde am 23. April 1976 nach 32-monatiger Bauzeit eröffnet. Bei der Festveranstaltung zur Eröffnung war die Staats- und Parteispitze der DDR fast vollzählig versammelt, neben Darbietungen von Angehörigen der Pionierorganisation Ernst Thälmann und der Freien Deutschen Jugend (FDJ) sprach Hans-Peter Minetti den feierlichen „Prolog zur Weihe des Hauses“ von Helmut Baierl. Die als Ersatzbau des Zentralen Regierungshochhauses der DDR geplante Anlage war ab dem 25. April für die Öffentlichkeit zugänglich.

Unter dem Chefarchitekten Graffunder und seinem Stellvertreter Karl-Ernst Swora haben die Bereichsarchitekten Wolf-Rüdiger Eisentraut (Foyer), Günter Kunert (Volkskammer), Manfred Prasser (Großer Saal) und Heinz Aust (Spreeterrassen) gearbeitet. Offiziell wurden die Baukosten mit 485 Millionen Mark angegeben, nach einer internen Aufstellung des Ministers für Bauwesen, Wolfgang Junker, waren es rund 800 Millionen Mark und nach anderen Schätzungen soll es eine Milliarde Mark gewesen sein.

Um den Brandschutz zu gewährleisten, wurden 720 Tonnen Spritzasbest auf die tragenden Stahlteile des Rohbaus aufgetragen. Das Verfahren sollte in der DDR einmalig bleiben, da der Einsatz von Spritzasbest bereits seit 1969 in der DDR verboten war, wo er bis dahin aber vorrangig im Schiffsbau Einsatz fand. Bereits 1973 stand der Einsatz von Spritzasbest fest, da dieses Verfahren zu der Zeit weltweit etabliert war. Hierzu traten die zuständigen Behörden der DDR mit Zwischenhändlern in der Bundesrepublik in Kontakt und schlossen nach ausführlicher Prüfung und dem Besuch einer Delegation der DDR in England einen Vertrag mit der Firma Turner Asbestos Cement Co. Ltd. in Manchester über Lieferung des Spritzasbests und Ausbildung der Fachkräfte vor Ort.

Das Baugelände des Palastes war Teil des Grundstücks des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten Berliner Stadtschlosses, dessen Ruine 1950 auf Beschluss des III. Parteitags der SED trotz gesamtdeutscher und internationaler Proteste zugunsten eines Aufmarschgeländes gesprengt worden war. Das abgeräumte Schlossareal wurde am 1. Mai 1951 gemeinsam mit dem ehemaligen Lustgarten und dem Schloßplatz in Marx-Engels-Platz umbenannt, mit einer Tribüne versehen und 23 Jahre lang als Fest- und Aufmarschplatz (insbesondere Militärparaden am 1. Mai) sowie als Parkplatz genutzt. Um den Platz für Aufmärsche zu erhalten, entstand der Palast der Republik nur auf der Ostseite des Schlossareals; zwischen Palast und Spreearm (Kupfergraben) verblieb eine große Freifläche. Die Erschütterungen der schweren Fahrzeuge bei den Militärparaden gefährdeten allerdings die Glasfassade des Palastes der Republik, weswegen die Organisatoren die Paraden in die Karl-Marx-Allee verlegten. Die Fläche vor dem Palast der Republik diente dann hauptsächlich als Parkplatz.

Der Palast der Republik stand zwischen der Karl-Liebknecht- und der Rathausstraße neben dem Neuen Marstall, gegenüber dem Lustgarten und dem Berliner Dom, direkt am Spreeufer. Ganz in der Nähe befand sich das Staatsratsgebäude der DDR.

Hinter dem Palast der Republik befanden sich jenseits der Spree das Marx-Engels-Forum und der Berliner Fernsehturm. In der Nähe stand auch das Rote Rathaus, heute Sitz des Berliner Senats, und das Forum des Alexanderplatzes.

Das Gebäude in der Sichtachse des Boulevards Unter den Linden war der erste freitragende Stahlskelettbau in der DDR und bestand aus zwei massiven Außenblöcken und einem Mittelstück, die dem Gebäude zusammen die Form eines Quaders mit einer Länge von 180 m, einer Breite von 85 m und einer Höhe von 32 m gaben. Die Höhe orientierte sich an der des benachbarten Marstalls und des Staatsratsgebäudes. In der Mitte seiner Hauptfassade war als Schmuck das mehrere Meter hohe, in Kupfer getriebene DDR-Staatswappen angebracht. Es wurde noch vor der deutschen Wiedervereinigung am 5. Juni 1990 auf Beschluss der frei gewählten Volkskammer demontiert.

Der Westfassade des Palastes vorgelagert war eine dauerhafte Ehrentribüne, die allerdings nur drei Jahre von der Staats- und Parteiführung der DDR zur Abnahme von Paraden am 1. Mai und am 7. Oktober genutzt werden konnte: Bei der Planung waren die Erschütterungen und Abgase der Militärfahrzeuge nicht berücksichtigt worden, die die Glasfassade beschädigten und die Ehrengäste belästigten. Deshalb wurden die Paraden ab 1979 in die Karl-Marx-Allee verlegt.

Volkspalast und seine Einrichtungen

Dem Bau des Palastes der Republik lag das Konzept eines Volksheimes oder Volkshauses zugrunde, das im 19. Jahrhundert vor allem von der sozialistischen Arbeiterbewegung verfochten und etwa in Belgien, Frankreich (Centre Georges-Pompidou), den Niederlanden oder Schweden (Kulturhuset in Stockholm) zu umfangreichen Bauten führte. Vor allem in der jungen Sowjetunion wurden Kulturhäuser zu Symbolen der neuen Staatsmacht. In Deutschland bauten bis 1933 („Machtergreifung“ der Nationalsozialisten) vor allem die Gewerkschaften solche Anlagen. In der DDR wurde die Aufgabe des Kulturhauses oder Kulturpalastes zu einer eigenständigen Richtung der Architekturtheorie.

Der Kleine Saal des Palastes war Sitz der Volkskammer.

Der Große Saal des Palastes diente als Veranstaltungsraum für Kulturveranstaltungen. Er hatte die Form eines symmetrischen Sechsecks mit 67 m Breite und 18 m Höhe. Hubeinrichtungen ermöglichten verschiedene Höhen der Bühne für verschiedene Kongress- oder Konzertzwecke. Die Aktionsfläche war somit von 170 bis 1000 m² wandelbar. Sechs schwenkbare Parkettteile, absenkbare Deckenplafonds und flexible Trennwände ermöglichten eine äußerst variable Einrichtung und Bestuhlungen zwischen etwa 1000 und 4500 Plätzen. Die Größe des Saals war auf die Delegiertenzahl der 1976, 1981 und 1986 dort stattfindenden SED-Parteitage abgestimmt. Im Großen Saal wurden viele Ausgaben der DDR-Fernsehunterhaltungssendung Ein Kessel Buntes aufgezeichnet.

Das Hauptfoyer lud vor allem an Wochenenden oder Fest- und Feiertagen zu verschiedenen Kulturveranstaltungen wie Auftritten von Musikern (Blasmusik, auch Popmusik), Amateurtanz oder Modenschauen.

In weiteren Foyerbereichen gab es Familienveranstaltungen (‚Tag der Familie‘, ‚Tag der Solidarität‘).

Im ersten, zweiten und dritten Geschoss gab es folgende gastronomische Einrichtungen: Milchbar, Espresso- und Moccabar (1. Etage), Lindenrestaurant, Spreerestaurant, Palastrestaurant und Foyerbar (2. Etage), Bierstube, Weinstube, Jugendtreff mit Diskothek und Spreebowling (Bowlingbahn mit Imbissmöglichkeiten; 3. Etage). Gastronomische Höhepunkte waren regelmäßig stattfindende Tage der Gastronomie der Bezirke der DDR und der verbündeten Länder in den drei großen Restaurants.

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