Paco Ignacio Taibo II (* 11. Januar 1949 in Gijón als Francisco Ignacio Taibo Mahojo) ist ein mexikanischer Autor.
Taibo, der Sohn des Autors und Intellektuellen Paco Ignacio Taibo I (1924–2008), zog mit seinen Eltern 1957 nach Mexiko. Dort studierte er Literatur, Soziologie und Geschichte. Bevor er sich als Autor etablieren konnte, arbeitete Taibo als Journalist, Universitätsdozent und Sachbuchautor. Er politisierte sich in der blutig niedergeschlagenen Studentenbewegung des Jahres 1968. Seine Reaktion auf das Massaker war permanente Opposition. Gemeinsam mit seiner Frau Paloma ist er bis heute den Protestbewegungen Mexikos in Solidarität verbunden.
Taibo II gilt als Begründer des neuen lateinamerikanischen Kriminalromans, der Stilmittel des Abenteuerromans, Politthrillers und Krimis mit überbordender Phantasie und oft grimmigem Humor verbindet. Weltweit bekannt wurde er durch die Figur des erst gestorbenen und dann wiederauferstandenen unabhängigen Detektivs Héctor Belascoarán Shayne, der im Großstadtdschungel von Mexiko-Stadt Ermittlungen durchführt, die ihn immer wieder in einen Sumpf von Korruption und politischer Repression führen. Er ist aber auch als eminent politischer Autor erkennbar. Seine Krimis enthalten oft historische und politische Referenzen. Sie sind häufig in politisch brisanten Situationen angesiedelt wie in den chaotischen 1920er Jahren in Mexiko oder im Vorfeld des spanischen Bürgerkriegs, und sie enthalten klare, nicht selten sozialkritische Bezüge zur Situation des mexikanischen Alltags.
Als Historiker hat er sich u. a. durch die Biografien von Ernesto Che Guevara und Pancho Villa ausgezeichnet. In seinen Arbeiten um Che Guevara entdeckte er dessen Aufenthalt in Afrika wieder, der in Das Jahr in dem wir nirgendwo waren ausführlich geschildert wird. Taibos Schaffen als Autor historischer Werke wie Romane umfasst annähernd 100 Titel. 2012 wurde er zum Kulturbeauftragten von Mexiko-Stadt ernannt, heute ist er der Leiter des Kulturfonds Fonde de Cultura Económica.
Taibo II ist Mitbegründer der Internationalen Vereinigung der Kriminalschriftsteller (AIEP) und Organisator der Semana Negra, eines jährlich stattfindenden internationalen Krimifestivals in Gijón, Spanien.
Werke (Auswahl der ins Deutsche übersetzten)
Die Zeit der Mörder, dt. von Gerhard Baumrucker; München: Goldmann 1981. ISBN 3-442-05222-X
Eine leichte Sache, dt. von Gerhard Baumrucker; München: Goldmann 1982. ISBN 3-442-05229-7
1981 No habrá final feliz (Roman)
Das nimmt kein gutes Ende, dt. von Gerhard Baumrucker; München: Goldmann 1984. ISBN 3-442-05252-1
1982 Héroes convocados: manual para la toma del poder
Gerufene Helden. Ein Handbuch zur Eroberung der Macht, dt. von Annette von Schönfeld. In: 1968. In: 1968. Gerufene Helden. Ein Handbuch zur Eroberung der Macht. Libertäre Assoziation (heute: Assoziation A), Hamburg 1997, ISBN 3-922611-63-X
Ein paar Wolken, dt. von Manfred Heckhorn; Berlin: Rotbuch 1988. ISBN 3-88022-607-5
Auf Durchreise, dt. von Horst Rosenberger; Hamburg: Nautilus 1997. ISBN 3-89401-273-0
1986 Sombra de la sombra (Roman)
Der Schatten des Schattens; dt. von Harry Stürmer; Berlin, Hamburg: Assoziation A 2010; ISBN 978-3-935936-63-7
Das bizarre Leben, dt. von Kurt Scharf; Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1990. ISBN 3-499-42940-3
1988 Fantasmas nuestros de cada día