Pablo Emilio Escobar Gaviria (auch „El Doctor“, „El Patrón“ oder „Don Pablo“ genannt, * 1. Dezember 1949 in Rionegro; † 2. Dezember 1993 in Medellín) war ein kolumbianischer Drogenbaron, Drogenschmuggler und Terrorist. Durch groß angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenhandel wurde er als Oberhaupt des sogenannten Medellín-Kartells zu einem der reichsten Menschen der Welt. Er wird als einer der bisher mächtigsten und brutalsten Drogenbarone angesehen.
Auch sein Bruder Roberto „El Osito“ Escobar Gaviria und sein Cousin Gustavo „El León“ Gaviria Rivero waren Teil seines Imperiums.
Eine Atmosphäre der Gewalt prägte die Jugend Pablo Escobars und begründete seine Skrupellosigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele. Sie entsprang den ungleichen Vermögensverhältnissen Kolumbiens: Eine reiche Machtelite aus wenigen Familien besaß 97 Prozent der Ländereien und Rohstoffe – darunter Bergwerke, Erdölquellen sowie Kaffee- und Bananenplantagen. Wegen dieser Ungleichverteilung war ein Großteil der Bevölkerung arm.
1948 wurde der liberale Präsidentschaftskandidat und Reformer Jorge Eliécer Gaitán erschossen. Dies führte zum Volksaufstand El Bogotazo, der vor allem in ländlichen Zonen vehement fortgesetzt wurde – bedingt zum einen durch religiösen Eifer, zum anderen durch Macht- und Landansprüche. Dies mündete in die Violencia, einen grausamen Bürgerkrieg zwischen Anhängern von liberaler und konservativer Partei.
Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde in der Stadt Rionegro im Departamento de Antioquia als drittes von sieben Kindern des Viehzüchters Abel de Jesús Escobar und der Lehrerin Hermilda Gaviria geboren.
Er entstammte dem ländlichen Mittelstand, seine Familie besaß Milchkühe und 12 Hektar Land. Die relativ wohlhabenden Rinderfarmen von Frontino und Rionegro waren stets Schauplätze gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen liberalen Heereseinheiten und Guerilleros aus den Bergen.
Die Familie zog nach Envigado, dort gründete Hermilda eine Volksschule. Pablo Escobar schloss sich in Envigado einer nihilistischen Jugendbewegung, dem Nadaísmo, an und begann mit 13 Jahren Marihuana zu rauchen. Seine Schule Liceo Lucrecio Jaramillo verließ er 1966 aus Protest vorzeitig. Escobar konsumierte große Mengen an Softdrinks, Pizza und Fastfood, was zu seinem Übergewicht führte.
Zusammen mit seinem Cousin Gustavo „El León“ Gaviria verbrachte er seine Jugend auf den Straßen und in den Bars des Medellíner Rotlichtbezirks Jesús el Nazareno. Im Barrio Antioquia von Medellín machte er Bekanntschaft mit lokalen Unterweltgrößen, die für seine weitere Laufbahn wichtig waren. Der Besitz von Schusswaffen brachte ihm schnell den Respekt der anderen Banden ein, die damals meist nur mit Messern und Macheten bewaffnet waren. Früh schloss er sich einer Marihuana-Schmugglerbande an und beteiligte sich an Raubüberfällen auf der Straße. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit geschmuggelten Marlboro-Zigaretten. Nach Aussagen seiner Mutter war er für eine ehrliche Tätigkeit ungeeignet, denn er wollte sich schon früh große Macht aneignen.
Mit 20 Jahren begann er Autos zu stehlen, um sie zerlegt als Hehlerware zu verkaufen. Kurze Zeit später entführte er mit seiner Bande reiche Bürger und ermordete sie oft auch trotz Lösegeldzahlung, um seine Macht zu demonstrieren.
1971 entführte er den Industriellen Diego Echavarría und erdrosselte ihn nach Erhalt des Lösegeldes. Die Entführung machte ihn in Medellín berühmt und brachte ihm den Beinamen „El Doctor“ ein.
Mitte der 1970er-Jahre wurde der Marimba-Marihuanahandel durch die Modedroge Kokain abgelöst. Pioniere in diesem neuen Boom-Geschäft waren Escobar, die Ochoa-Brüder, Carlos Lehder und José Rodriguez Gacha. Der intelligente und geschäftstüchtige Escobar erkannte als einer der ersten das enorme wirtschaftliche Potential des Kokainhandels und begann damit, neuartige Vertriebsstrukturen aufzubauen, damit diese Ware die Endabnehmer in den Vereinigten Staaten erreichen konnte.
Escobar nutzte die ungeahnten Verdienstmöglichkeiten für seinen gesellschaftlichen Aufstieg. In den 1970er-Jahren baute er ein riesiges Drogenimperium auf. Während seiner besten Jahre soll er bis zu 1,5 Millionen US-Dollar am Tag verdient haben. Er war als „der“ Drogenbaron Kolumbiens bekannt.
Escobars Persönlichkeit und Verhalten war geprägt von Grausamkeit und Skrupellosigkeit, die ihn schnell an die Spitze des Medellín-Kartells brachten.
Obwohl Escobar einmal im Besitz von elfeinhalb Kilogramm Kokain festgenommen wurde, gab es nie einen Prozess wegen Drogenbesitzes oder Drogenhandels gegen ihn, da der ihn belastende Polizist unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Durch Morddrohungen wurden auch die Richter eingeschüchtert, die den Mordprozess daher nicht noch einmal aufrollten.
1975 lernte Escobar einen wohlhabenden Piloten mit dem Decknamen Rubin aus Medellín kennen, der fließend Englisch sprach, Miami gut kannte und bereits für die Ochoa-Brüder (Alonso, Jorge und Fabio) arbeitete. Rubin kaufte in Miami Sportflugzeuge und warb weitere Piloten an. Der erste Kokainschmuggler aus Medellín war Fabio Restrepo, mit dem Rubin 1975 ein bis zwei Lieferungen Kokain (40–60 kg) nach Miami ausflog und einen Gewinn von etwa 40.000 USD erwirtschaftete. Escobar erhielt von Jorge Ochoa die Erlaubnis, unverschnittenes Kokain an Restrepo zu verkaufen. Er ließ Restrepo ermorden und Rubin sowie die Ochoa-Brüder wussten, dass sie fortan für ihn arbeiten mussten.
1976 heiratete Escobar die 15-jährige María Victoria Henao Vellejo. Mit ihr bekam er die Kinder Juan Pablo und Manuela. Die Ehe wurde nach eigener Aussage als sehr glücklich eingeschätzt, obwohl Escobar seine Frau mit unzähligen jungen Frauen betrog. Als eine dieser Frauen schwanger wurde, wurde sie von Escobars Auftragsmördern getötet.
Jhon Jairo Velásquez, genannt Popeye, war engster Vertrauter und Escobars wichtigster Mörder, er tötete auf seinen Befehl etwa 300 Menschen. Insgesamt ließ Escobar 30 Richter sowie 457 Polizisten ermorden.
1976 ließ das Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) seinen Cousin Gustavo Gaviria verhaften, nachdem er in Miami Kokain abtransportiert hatte. Escobar wurde verhaftet und musste in Itagüí eine Gefängnisstrafe absitzen, wurde aber durch Bestechung kurz danach wieder freigelassen. Die DAS-Beamten, die ihn verhaftet hatten, wurden ermordet. Er etablierte damit das kolumbianische „plata o plomo“-Prinzip (wörtlich „Silber oder Blei“): Entweder lässt man sich bestechen, oder es fliegen Bleikugeln (für oder gegen ihn).