Ottokar Kernstock, eigentlich Otto Heinrich Joseph Kernstock (* 25. Juli 1848 in Marburg an der Drau, Steiermark, Österreich-Ungarn, heute Slowenien; † 5. November 1928 auf Schloss Festenburg, Steiermark) war ein österreichischer Dichter, Priester und Augustiner-Chorherr.
Otto Kernstock wurde in Marburg an der Drau, der Heimatstadt seiner Mutter Maria geb. Bindlechner, geboren, wo er mit seinen zwei jüngeren Geschwistern seine ersten Lebensjahre verbrachte. Sein Vater Johann Kernstock stammte aus Prachatitz im Böhmerwald. 1855 übersiedelte die Familie, da Kernstocks Vater als k.‑k. Finanzbeamter nach Graz versetzt wurde. Nach seiner Matura an der k.‑k. Realschule (heute Akademisches Gymnasium) in Graz studierte er zunächst Rechtswissenschaften und wurde Mitglied der Akademischen Sängerschaft „Gothia“.
1867 trat er in das Chorherrenstift Vorau ein, wo er den Ordensnamen Ottokar erhielt. 1871 empfing er die Priesterweihe. Kernstock war zunächst Archivar und Bibliothekar des Stiftes und wirkte ab 1873 als Kaplan in Waldbach, Sankt Lorenzen am Wechsel und Dechantskirchen. Von 1889 bis zu seinem Lebensende war er Pfarrer von Festenburg in der Oststeiermark. Im Schloss Festenburg ist heute ein Kernstock-Museum eingerichtet.
Ende September 1916 wurde er zum Dozenten für Dichtung und Rhetorik an der Lehrerakademie des Wiener Pädagogiums berufen. Am 14. Dezember 1916 hielt er „[g]leichsam als Antrittsvorlesung […] im Sitzungsaal des niederösterreichischen Landtages einen fesselnden Vortrag über österreichische Kriegslyrik“. Karl Kraus kritisierte dies in seiner Zeitschrift Die Fackel heftig. Im Jahre 1918 kehrte Kernstock wieder nach Festenburg zurück.
1923 verfasste Kernstock das Hakenkreuzlied, ein nationalsozialistisches Propagandalied, sagte aber, selbst „kein Hakenkreuzler“ zu sein.
Für den 28. Oktober 1928 war in Wien eine Ottokar-Kernstock-Ehrung anlässlich des 80. Geburtstags des Priesterdichters geplant, welcher der Jubilar persönlich beiwohnen sollte. Ob er die Reise angetreten hat, ist unklar. Der noch wenige Monate zuvor rüstig erscheinende greise Dichter erlag am 5. November 1928 um 10.30 Uhr „dem jähen Ansturm einer gefährlichen Krankheit“. Im Sterbebuch von Festenburg wurden als Todesart eine Lungenentzündung und eine Gehirnerweichung sowie ein Lungenödem angeführt.
Zur Beisetzung am 7. November 1928 erschienen u. a. Anton Rintelen (Landeshauptmann der Steiermark), der Dekan der theologischen Fakultät der Universität Wien sowie der Prorektor der Grazer Universität.
Ottokar Kernstocks Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof unterhalb von Schloss Festenburg. Das Grabmal, von einem Kernstock-Grabmal-Ausschuß initiiert, wurde 1929 von den steirischen Architekten Rudolf Hofer (1894–1956) sowie Hans Hönel (1884–1964) geschaffen.
Von 1875 an veröffentlichte Kernstock historische und belletristische Werke. Seine Gedichte erschienen ab 1878 in der Münchner Zeitschrift Fliegende Blätter. Nachdem er 1889 sein Amt als Pfarrer in Festenburg angetreten hatte, begann er Lyrik in der Tradition der Spätromantik zu verfassen.
Im Sinn des Volkstumskampfs, den aktive Exponenten der Deutschnationalen im Herzogtum Steiermark gegen das Slawentum (zu dem die in der Untersteiermark lebende slowenische Minderheit gehörte) führen zu müssen glaubten, schrieb er über die Herkunft seiner Eltern:
Seine deutschnationale Gesinnung zeigen unter anderem Gedichte wie Civis Germanus sum! oder Ein Fund. In Die deutsche Eiche formulierte er:
An anderer Stelle dichtete er:
Anlässlich der Abtrennung der Untersteiermark von der Steiermark nach dem Ersten Weltkrieg ohne Volksabstimmung sprach er Gemeinsamkeiten von Deutschen und Wenden (Slawen) an:
Für Peter Roseggers Geburtshaus dichtete er folgende Verse:
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er 1901 mit dem Gedichtband Aus dem Zwingergärtlein bekannt und erreichte so bald ähnliche Popularität wie sein Freund, der Schriftsteller Peter Rosegger. Seine Religiosität brachte er beispielsweise im Gedicht Zwei Kreuze, seine Heimatverbundenheit im Wechselgau zum Ausdruck.
Während des Ersten Weltkriegs trat er 1916 im zusammen mit Peter Rosegger verfassten Gedichtband Steirischer Waffensegen mit chauvinistisch-blutrünstiger Kriegslyrik, wie sie in Kriegszeiten nicht selten war, hervor. Im Jahre 1916 wurde Ottokar Kernstock „von einem hohen Kommando der Südwestfront eingeladen“, weil man „dem Dichter der ‚Schwertlilien aus dem Zwingergärtlein‘ persönlich danken“ wollte.
Diese Verse wurden von Karl Kraus in seinem Werk "Die letzten Tage der Menschheit" wörtlich zitiert (3. Akt 32. Szene).
Am 1. August 1915 wurden auf „Anregung des Statthalters der Steiermark, Grafen Manfred Clary-Aldringen, […] Kriegsbecher zu Fürsorgezwecken in Verkehr gebracht“. Diese Offiziellen Kriegsbecher 1914/1915 wurden unter dem Protektorat der Erzherzogin Zita herausgegeben und waren mit von Ottokar Kernstock verfassten Umsprüchen versehen. Diese lauteten für die gläserne bzw. die eiserne Ausführung: