An diesem Tag

Otto von Habsburg

Deutscher Politiker und letzter Kronprinz von Österreich-Ungarn

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Otto von Habsburg, in Österreich amtlich Otto Habsburg-Lothringen, meist kurz Otto Habsburg (* 20. November 1912 in Reichenau an der Rax, Erzherzogtum Österreich unter der Enns; † 4. Juli 2011 in Pöcking, Bayern), war der älteste Sohn von Karl I., dem letzten Kaiser von Österreich und König von Ungarn, und seiner Frau Zita; somit war er von 1916 bis 1918 letzter Kronprinz von Österreich-Ungarn. Er war Schriftsteller, Publizist und Politiker. Für die CSU war er von 1979 bis 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments. Er besaß die Staatsbürgerschaften von Österreich, Deutschland und Ungarn sowie – nach eigener Aussage – auch die von Kroatien nach dessen Unabhängigkeit im Jahr 1991.

Ab Mitte der 1930er Jahre setzte sich Otto von Habsburg – zunächst unter christlich-monarchistischen Vorzeichen – innerhalb der Paneuropa-Union für die europäische Einigung ein. Um den „Anschluss Österreichs“ an Hitler-Deutschland zu verhindern, war er bereit, bis zum Äußersten zu gehen, wie seine Korrespondenz mit Kanzler Schuschnigg von Februar 1938 belegt. Er trat als entschiedener Gegner Hitlers und des Nationalsozialismus sowie des Kommunismus auf und bezeichnete sich selbst als „Legitimisten“. In einem Nachruf hieß es: „In der Politik […] betrachtete er sich […] ,als Werkzeug Gottes‘.“

Jahrzehnte später waren seine Haltung zum Rechtsextremismus und seine Aussage zum angeblichen Einfluss von Juden in der US-Politik Anlass für Kritik und Kontroversen. Ebenso wurde seine 2008 gehaltene Festrede bei einer ÖVP-Gedenkveranstaltung (zum 70. Jahrestag „Anschluss Österreichs“) im österreichischen Parlament heftig kritisiert, in der er Österreich als erstes Opfer Hitlers darstellte und behauptete, „dass es keinen Staat in Europa gibt, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen!“

1961 unterzeichnete er die vom Habsburgergesetz als Bedingung für seine Einreise nach Österreich geforderte Erklärung des Verzichts auf Herrschaftsansprüche. Im selben Jahr wurde aber in Deutschland sein Sohn als Erzherzog ins Pöckinger Taufregister eingetragen. Aus der Unsicherheit über seine tatsächliche Haltung zur Republik entstand die „Habsburg-Krise“. Im Jahr 1966, nachdem Bundeskanzler Josef Klaus erstmals seit 1945 eine ÖVP-Alleinregierung bilden konnte, durfte Otto von Habsburg wieder legal nach Österreich einreisen. 1972 kam es zum „historischen Handschlag“ mit dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Bruno Kreisky. Habsburgs politische und historische Äußerungen führten in Österreich bis 2008 immer wieder zu Kritik und Diskussionen, bei denen er vor allem die Sozialdemokraten als Gegner hatte.

Otto von Habsburg war Mitinitiator und Schirmherr des „Paneuropäischen Picknicks“ am 19. August 1989. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde sein persönlicher Beitrag zu diesen Ereignissen wiederholt gewürdigt.

Privatperson Otto (von) Habsburg

Otto wurde im November 1912 in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax in Niederösterreich geboren. Als erstgeborener Sohn der damaligen Nummer zwei in der Thronfolge, des späteren Kaisers Karl I., und seiner Ehefrau Zita und als Kronprinz (ab 1916) wurde Erzherzog Otto auf eine zukünftige Herrscherrolle vorbereitet. Bei den Feierlichkeiten zur Beisetzung Kaiser Franz Josephs I. in Wien und bei der Krönung seines Vaters zum König von Ungarn in Budapest trat der vierjährige Otto 1916 erstmals in der Öffentlichkeit als Kronprinz auf.

Ab 1916, mit dem Tag, an dem sein Vater Karl Kaiser von Österreich und König von Ungarn wurde, bis zum 3. April 1919, dem Inkrafttreten des Adelsaufhebungsgesetzes und des Habsburgergesetzes, war Otto Kronprinz Österreich-Ungarns. Mit allen Vornamen und voller Titulatur hieß er damals Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus (René) Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von (zu) Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn.

Nach Auflösung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn am Ende des Ersten Weltkrieges wohnte er bis März 1919 mit seinen Eltern – vor der Ausreise der ehemaligen Kaiserfamilie angesichts der drohenden Internierung seines Vaters – im Schloss Eckartsau in Niederösterreich. Von 1919 bis 1921 lebte Otto von Habsburg mit seinen Eltern in der Schweiz im Exil.

Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen in Ungarn wurde sein Vater von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs nach Madeira verbannt; Zita begleitete ihn dorthin und holte die Kinder Anfang 1922 nach. Als Karl I. im April 1922 auf dem Sterbebett lag, musste der neunjährige Sohn zusehen, wie man, so sein Vater, „als Kaiser und Christ stirbt“. Nach dem Tod Karls übersiedelte die Familie in das baskische Fischerdorf Lequeitio, wo Alfons XIII., der Sohn einer Habsburgerin, für das Auskommen sorgte.

Seine Mutter erzog ihren Sohn Otto auch nach dem Untergang der Doppelmonarchie und der 1921 in Ungarn beschlossenen Dethronisation der Habsburger zu einem römisch-katholischen Monarchen. So wurde er in den Sprachen der Völker der k.u.k. Monarchie unterrichtet und musste den alt-österreichischen und alt-ungarischen Stundenplan eines Gymnasiums nebeneinander absolvieren. Er beherrschte neben seiner Muttersprache Deutsch auch Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein fließend in Wort und Schrift. Seine späteren Bücher schrieb er daher später nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Ungarisch und Französisch.

Im Oktober 1929 ließ sich die Familie in Belgien nieder. Die Großjährigkeitserklärung und damit das Ende der Vormundschaft seiner Mutter erfolgte am 20. November 1930. Damit wurde Otto von Habsburg Oberhaupt des „Hauses Habsburg“ und Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies.

Nach der mit Auszeichnung bestandenen Reifeprüfung griff Otto von Habsburg im Oktober 1929 ein Studium der Staats- und Sozialwissenschaften an der Katholischen Universität Löwen auf und nahm den lothringischen Titel Herzog von Bar an. Unter diesem Namen wurde er auch immatrikuliert. Im Rahmen der Arbeit an seiner Dissertation über österreichische Agrarfragen absolvierte er einen Studienaufenthalt bei Max Sering an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Am 7. Juni 1935 erhielt Otto von Habsburg, nach mit Auszeichnung abgeschlossenem Studium, an der Universität Löwen den Titel eines Doktors der sozialen und politischen Wissenschaften.

Von 1940 bis 1944 lebte Habsburg in den USA, 1944 bis 1951 hauptsächlich in Frankreich, später wieder in Spanien. In der Minoritenkirche in Nancy heiratete er 1951 Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Tochter des Erbprinzen Georg von Sachsen-Meiningen. Nancy war die historische Hauptstadt des Herzogtums Lothringen und die Minoritenkirche die Grablege seiner väterlichen Urahnen, der Herzöge von Lothringen.

Aus der Ehe mit Regina gingen sieben Kinder hervor. Seit 1954 lebte die engere Familie Ottos in Pöcking am Starnberger See in Bayern, die im Familienbesitz stehende Villa Austria bewohnte Otto von Habsburg bis zu seinem Tode.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Habsburg eine Tätigkeit als Vortragsreisender und war außerdem als Schriftsteller tätig. Habsburg, der in seinem politischen Engagement vom spanischen Diktator Francisco Franco unterstützt wurde, setzte sich für dessen Auszeichnung mit der Goldmedaille des Stiftes Mariazell ein, die Franco 1952 erhielt.

Mit seiner Ehefrau Regina von Habsburg (in Österreich amtlich: Regina Habsburg-Lothringen, kurz: Regina Habsburg; 1925–2010) hatte er sieben Kinder (diesen entstammen 22 Enkelkinder und zwei Urenkelkinder):

Andrea Maria (* 30. Mai 1953 in Würzburg)

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