Otto Skorzeny (* 12. Juni 1908 in Wien, Österreich-Ungarn; † 5. Juli 1975 in Madrid) war ein österreichischer Offizier der Waffen-SS, zuletzt im Rang eines SS-Obersturmbannführers. Bekannt wurde er durch seine Beteiligung am Unternehmen Eiche zur Befreiung des abgesetzten und unter Arrest gestellten italienischen Diktators Benito Mussolini.
Skorzeny wuchs in einer bürgerlichen Familie auf. Seine Eltern waren der Bauingenieur Anton Skorzeny und Florentine Sieber. Skorzeny wurde römisch-katholisch getauft, seine Vornamen wurden in der Heiratsurkunde von 1939 (ausgestellt 1946) mit Otto Johann Anton angegeben.
Bereits als Schüler engagierte er sich politisch und trat 1922 dem rechtsextremen deutschnationalen „Deutschen Mittelschülerbund Österreichs“ bei. Nach seiner Matura studierte er ab 1926 an der Technischen Hochschule Wien Maschinenbau. 1927 trat er in die Akademische Burschenschaft Markomannia Wien ein, von der er bis zu seinem Tode (1975) als Alter Herr geführt wurde. Aus dieser Zeit stammten auch seine deutlich sichtbaren Narben (Schmisse) aus vierzehn studentischen Mensuren, weshalb er später von den Alliierten „Scarface“ (deutsch „Narbengesicht“) genannt wurde. Im selben Jahr trat Skorzeny in die „Wiener Akademische Legion“ ein, ein 1922 gegründetes antimarxistisches Studentenfreikorps, das sich 1928 dem Steirischen Heimatschutz anschloss. 1931 verließ er die Legion wieder. Seine Diplomarbeit, mit der er am 31. Dezember 1931 zum Ingenieur graduierte, behandelte die Konstruktion eines Dieselmotors.
Karriere im Nationalsozialismus
Laut eigenen Angaben inspiriert von einer Rede Joseph Goebbels’ in Wien, trat er zum 11. Mai 1932 in die österreichische NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.083.671). Im Februar 1934 wurde er Mitglied der in Österreich illegalen Schutzstaffel (SS-Standarte 89 – SS-Nummer 295.979). Am nationalsozialistischen Aufstand im Juli 1934 war er nicht beteiligt.
Skorzeny arbeitete nach seinem Examen zunächst als Mechaniker in einer Autowerkstatt, danach für die Firma Meidlinger Gerüstbau. Er heiratete im Mai 1934 Margareta Schreiber, die Tochter des Besitzers, wurde Geschäftsführer und ab 1937 Inhaber des Gerüstbauunternehmens. Im selben Jahr reichte er die Scheidung ein.
Als SS-Angehöriger war Skorzeny am Anschluss Österreichs beteiligt. Er gehörte zu den ersten Nationalsozialisten, die am 11. März 1938 nach der Umstellung des Bundeskanzleramts durch SS-Einheiten unter Ernst Kaltenbrunner das Gebäude stürmten und den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas festsetzten. Nachdem Miklas vor der nationalsozialistischen Gewalt kapituliert hatte, begleitete ihn Skorzeny am frühen Morgen des 12. März 1938 zurück in seine Villa, wo er ihn konfinierte. Nach dem Krieg stilisierte sich Skorzeny selbst als „Retter“ von Miklas.
Im Zuge der Novemberpogrome 1938 zerstörten Skorzeny und seine SS-Truppe am 10. November 1938 die Vereinssynagoge Müllnergasse und eine weitere Synagoge im 3. Bezirk, wobei es zu zahlreichen Übergriffen gegenüber jüdischen Mitbürgern kam. Skorzeny führte die Zerstörungen nach den Vorgaben der Gestapo, Referat II.G, durch.
Am 30. Jänner 1939 erfolgte die Beförderung zum SS-Untersturmführer. Am 25. Mai 1939 heiratete er beim Standesamt Wien-Alsergrund Emmi Linhart (* 6. Dezember 1916 in Wiener Neustadt); dabei gaben die Brautleute an, gottgläubig zu sein. 1940 kam sein einziges Kind, die Tochter Waltraut, zur Welt.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete sich Skorzeny im September 1939 freiwillig zur Waffen-SS und Frontdienstleistung. Anfang Februar 1940 trat er als Reserve-Führer-Anwärter in die SS-Verfügungstruppe ein. Mit den Waffen-SS-Divisionen „Das Reich“ und „Totenkopf“ nahm er als Kraftfahroffizier am Frankreich- und Jugoslawien-Feldzug teil und wurde 1941 während des Deutsch-Sowjetischen Krieges in Russland verwundet.
Im April 1943 wurde er in das Reichssicherheitshauptamt (RSHA), Amt VI (Ausland – SD-Ausland), versetzt und übernahm dort am 20. April 1943 die Leitung der neuen Abteilung VI S (Schulung und Widerstandsbekämpfung), die auch für Sabotage- und Kommandoaktionen verantwortlich war. Diesen Karrieresprung hatte er der persönlichen Bekanntschaft mit Ernst Kaltenbrunner zu verdanken, der im Jänner 1943 Chef des RSHA geworden war. Am 28. April 1943 erfolgte Skorzenys Beförderung zum SS-Hauptsturmführer.
Die von Skorzeny geführte Abteilung VI S war ein Konkurrenzunternehmen des RSHA zur Spezialeinheit Brandenburg der militärischen Abwehr. Aus Einheiten des SD und der Sicherheitspolizei sowie Fallschirmjägern der Waffen-SS formierte er eine spezielle Kommandotruppe, die von April bis Juni 1943 als Sonderlehrgang z.b.V. Oranienburg, von Juni 1943 bis April 1944 als Sonderverband z.b.V. Friedenthal und ab April 1944 als SS-Jägerbataillon 502 zum Einsatz kam.
Eine fälschlich Skorzeny zugeschriebene Aktion war die sogenannte „Befreiung von Mussolini“. Nachdem Mussolini auf Befehl des Königs Viktor Emanuel III. am 25. Juli 1943 verhaftet worden war, machte Adolf Hitler die Suche nach dem Duce zur Chefsache und beauftragte Ende Juli 1943 außerhalb der militärischen Befehlskette den General der Fallschirmtruppe Kurt Student, Mussolini ausfindig zu machen und nach Deutschland zu bringen. Hitler ließ sich regelmäßig über den Vorgang unterrichten. Kurt Student ordnete am 12. September 1943 das Unternehmen Eiche an, eine Befreiungsaktion, die jedoch laut dem Historiker Wolfgang Schieder in Wahrheit eine „regelrechte Entführung“ darstellte. Student unterstand dabei auch eine von Skorzeny geführte SS-Sondereinheit. Während Kurt Student für die Planung und Ausführung der Aktion verantwortlich war, übernahm Skorzeny Sicherungsaufgaben und war für die Ermittlung des Aufenthaltsorts Mussolinis zuständig.
Wochenlang suchte Skorzeny in ganz Italien nach Mussolini. Der erste Hinweis kam jedoch nicht von Skorzeny, sondern von Herbert Kappler, Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Rom, der die vor Sardinien gelegene Marinebasis von La Maddalena nach Informationen des deutschen Chefs des Stabes des italienischen Admirals Bruno Brivonesi auf Sardinien, Fregattenkapitän Helmut Hunaeus, als Aufenthaltsort ausmachte. Um sich zu vergewissern, umkreiste Skorzeny am 18. August 1943 im Tiefflug die Inselgruppe. Er wurde dabei von den Bewachern Mussolinis entdeckt, die den Ex-Diktator daraufhin zum Hotel Campo Imperatore im Gebirgszug Gran Sasso verlegten.
Nachdem einige Wochen später auch der neue Aufenthaltsort ausfindig gemacht worden war, gelang es den Fallschirmjägern Students am 12. September 1943 in einer spektakulären Aktion, sich nach einer Landung mit Lastenseglern der Person Mussolinis zu bemächtigen und ihn außer Landes zu bringen. Skorzeny hatte erreicht, dass er und einige seiner SS-Männer an der Aktion teilnehmen durften. Um vor den nahen Albaner Bergen zusätzliche Flughöhe für alle Schleppverbände zu gewinnen, flog der Verbandsführer in der Kettenführermaschine, Hauptmann Langguth (mit von Berlepsch im Schlepp), eine zusätzliche Schleife vor den Bergen. Die Flugzeugführer der zweiten Kette führten diese zusätzliche Schleife der ersten Kette jedoch nicht aus, da sie dieses Manöver nicht für nötig hielten und die fest vorgegebene Ankunftszeit am Zielort nicht gefährden wollten. Aus diesem Grund befanden sich die Schleppverbände der zweiten Kette mit Skorzeny und seinem SS-Kommando nun an der Spitze der Gesamtformation und landeten somit gegen 14:05 Uhr als erste am Zielort, dem Berghang nahe dem Hotel Campo Imperatore. Während in der näheren Umgebung alle weiteren Lastensegler landeten, drang die Gruppe mit Skorzeny und seinen SS-Männern in den unteren Eingang des Hotels ein, gefolgt von den Fallschirmjägern. Bei der Verlegung Mussolinis gefährdete er aber den Ausgang des Unternehmens, indem er darauf bestand, in derselben Maschine (Fieseler Storch) wie Mussolini zu fliegen, so dass das Flugzeug beim Start überladen war.
Obwohl Skorzeny weder an der direkten Planung der Operation beteiligt war noch sie befehligte, wurde er von der NS-Propaganda als „Befreier Mussolinis“ herausgestellt, zum SS-Sturmbannführer befördert und am 13. September 1943 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Dabei wurde bewusst verschwiegen, dass der Einsatz primär von Angehörigen der Fallschirmjägertruppe geplant und ausgeführt worden war, die Rolle Skorzenys und seiner SS-Leute hingegen stark aufgebauscht.